Elternwille wichtiger als Empfehlungen des Lehrers?
Eine Bekannte von mir ist Lehrerin an der Grundschule und sie sagt selbst, dass sie es als absolut frustrierend empfindet, dass dem elterlichen Willen viel mehr Beachtung geschenkt wird als der Meinung des Lehrers. Wenn sie also beispielsweise Empfehlungen für eine weiterführende Schule aussprechen würde, würden viele Eltern da einfach widersprechen und ihr Kind auf eine anspruchsvollere Schule schicken, weil sie der Meinung wären, ihr Kind wäre sonst unterfordert.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich so ein Verhalten überhaupt nicht von meinen Eltern kenne. Die haben immer sehr darauf gehört, was die Lehrer so gesagt haben und die Schulempfehlung wurde auch berücksichtigt. Der Lehrer wird schließlich besser einschätzen können, wo das Kind besser aufgehoben wäre, gerade bei dem komplexen deutschen Schulsystem. Wie seht ihr das? Wird dem elterlichen Willen viel zu viel Bedeutung beigemessen? Können Lehrer nicht besser einschätzen, auf welcher Schule das Kind besser aufgehoben wäre? Oder kennen die Eltern ihr Kind immer noch am besten, egal was die Lehrer sagen?
Die Lehrer spielen sich oft nur auf mit diesen Empfehlungen. Aber auch sind es oft die Eltern, die glauben, dass ihr Kind schlauer ist. Aber es ist wie gesagt ja nur eine Empfehlung. Wenn man mit dieser Empfehlung in die weiterführende Schule geht, dann zählt auch dass, was das Kind und die Eltern wollen.
Eine Bekannte hat eine Tochter, die mit der Lehrerin nicht richtig klar kam. Diese empfahl die Hauptschule oder die Gesamtschule. Die Eltern haben dann zu hause mit dem Kind gesprochen und sie wollte gerne in die Schule in der ihre Freundin ging und das war das Gymnasium. Also gingen die Eltern zur Anmeldung ins Gymnasium und schilderten bei der Anmeldung, was gelaufen ist und warum sie trotz dieser Empfehlung im Gymnasium sind.
Der Leiter hat einen kleinen Test mit dem Mädchen gemacht und schon war das Kind im Gymnasium angenommen. Mittlerweile ist das "Kind" mit einem Einser Abi ohne Schwierigkeiten im Medizinstudium. Hätten die Eltern auf die Empfehlung gehört, wäre das Kind wahrscheinlich niemals fähig zu studieren.
Anders herum kann es auch so sein, dass ein Kind eine Empfehlung für das Gymnasium bekommt und hoffnungslos überfordert ist. Da sollten eigentlich Eltern sehr nahe mit den Lehrern zusammenarbeiten und schon Wochen vor der Empfehlung miteinander ins Gespräch kommen. Ist einem Lehrer das zu viel, dann ist er Fehl am Platze. Denn gerade in der Grundschule ist Elternkommunikation das A und O.
Bei uns hier in Niedersachsen gibt es mittlerweile gar keine offizielle Schulformempfehlungen mehr, sondern die Eltern können ihre Kinder anmelden, wo sie wollen. Natürlich gibt es im Vorfeld Empfehlungsgespräche mit den Eltern, aber diese sind nicht mehr bindend. Früher gab es spezielle Regelungen, ob zum Beispiel Kinder mit Realschulempfehlung aufs Gymnasium gehen dürfen und unter welchen Voraussetzungen. Inzwischen ist aber nur noch der Elternwille entscheidend.
Dass wir Lehrer uns nur aufspielen wollen, mit unseren Empfehlungen lasse ich übrigens so nicht auf mir sitzen! Leider weiß ich aus Erfahrung, dass es auch schwarze Schafe unter den Kollegen gibt, aber einfach ganz allgemein zu behaupten, dass wir uns nur wichtig machen wollen oder Rachegelüste ausleben und uns das Wohl und der Erfolg der Kinder egal sei ist unfair. Ich persönlich berate die Eltern und Kinder immer nach bestem Wissen und Gewissen. Dass ich mich auch mal irre und ein Kind unter- oder überschätze will ich gar nicht bestreiten. Aber, dass ich mutwillig falsche Empfehlungen ausspreche, weil mir ein Kind oder seine Eltern besonders sympatisch und unsympathisch sind, stimmt einfach nicht!
Und leider beobachte ich, dass viele Eltern nicht besonders gut darin sind, das Leistungsvermögen ihres Nachwuchses, einzuschätzen. Natürlich kann ein Schüler, der schon in der Grundschule mit allem überfordert ist und gerade so ein "Ausreichend" halten kann, auch unterfordert sein. In der Regel sind das aber nicht die typischen Gymnasiasten. Ich begegne vielen Eltern von Hauptschülern, deren Kinder Jahr für Jahr knapp versetzt werden und die trotzdem fest davon überzeugt sind, dass ihre Kinder später Medizin oder Architektur studieren und, dass eine Ausbildung zum Krankenpfleger oder Maurer keinesfalls gut genug ist.
Die Folge davon sind überforderte, unglückliche Kinder und gestresste Lehrer, die sich ständig rechtfertigen müssen, warum das Kind mal wieder ein "Ungenügend" im Vokabeltest hatte. Denn eben diese Eltern finden auch, dass es meine Aufgabe sei, dafür Sorge zu tragen, dass die Sprösslinge ihre Ziele erreichen. Sie selbst erkennen ohne entsprechende Fachkompetenz zwar mühelos, dass ihr Kind hochbegabt ist und nur deswegen versagt, weil die Lehrer unfähig, faul und missgünstig sind. Gleichzeitig sind sie aber nicht bereit, Einsatz von ihren Kids zu fordern, geschweige denn selbst welchen zu zeigen. Kann das Kind kein Englisch muss ich es fördern, es selbst muss aber nichts dazu tun und die Eltern sind auch nicht verantwortlich, dass mal geübt wird.
Es gibt immer auch Ausnahmen von der Regel und Gegenbeispiele. Aber nach meiner Erfahrung liegen die Kollegen meist richtig mit ihren Empfehlungen und haben sich schon ihre Gedanken gemacht, was für das betreffende Kind am sinnvollsten ist. Daher bin ich absolut kein Fan davon, dass die Eltern jetzt alleine entscheiden dürfen, welche Schullaufbahn ihr Kind einschlägt und man als Lehrer keine Einflussmöglichkeit mehr hat. Denn nach einem Jahr Quälerei mit sieben mangelhaft bewerteten Fächern die Schule zu wechseln ist sicher auch nicht besonders erhebend für das Kind.
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