Erfahrungsberichte zu Auslandsjahr USA

vom 11.08.2011, 23:49 Uhr

Ich war von 2009 bis 2010 in den USA für ein Austauschjahr. Ich muss sagen, dass es das wohl beste Jahr in meinem jungen Leben war. Ich habe die Zeit dort sehr genossen und besonders meine Gastfamilie hat mir dies ermöglicht. Ich habe mit einer Familie zusammengelebt in der es 2 Eltern gab und einen 8 jährigen Sohn. Sie haben mir das Jahr zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht und mich immer gut behandelt, wenn ich nicht weiter wusste konnte ich mich mit ihnen über meine Probleme unterhalten und anfangs haben sie mir auch mit meinem Englisch geholfen.

Nach 2 Monaten habe ich auch schon eine Menge Freunde dort gefunden und auch schon ein gutes Englisch gehabt. Heimweh kannte ich gar nicht, denn es ging mir dort so gut, dass ich meine Heimat total vergessen habe. Besonders motiviert hat mich dort der Schulsport. Es war echt motivierend in der Schule Football zu spielen und mich immer zu verbessern. Besonders Lacrosse hat mich gefesselt. Dort hatte ich die Möglichkeit meine gute Übersicht über das Spielgeschehen zu beweisen und meine Schnelligkeit auszuleben. Auch das aggressive an diesem Sport hat mich motiviert, da ich auch etwas muskulöser gebaut war und viel in die Zweikämpfe gegangen bin habe ich mir schnell einen Ruf in der Schule aufgebaut und die Cheerleader rumbekommen.

Als dann auch schon der Tag meiner Abreise kam war ich sehr Traurig. Ich hatte mich schon kräftig von meiner Gastfamilie verabschiedet und wir haben uns schon vereinbart, uns jedes Jahr zu besuchen. Dann ging es wieder nach Deutschland und dort haben dann meine Freunde, Freundin und Familie auf mich gewartet. Als ich sie dann alle gesehen habe wusste ich nicht was ich sagen soll und hab aus Gewohnheit angefangen Englisch zu reden. Alle haben mich angeschaut und gelacht und meinten ich sei ein Ami geworden.

Nun interessiert es mich eben ob einige von euch schon solche Erfahrungen machen konnten und inwiefern ihr dieses Jahr erlebt habt. Mich interessieren die Probleme und alles was es eben so gibt. :D

» Sebek » Beiträge: 241 » Talkpoints: 30,26 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Mit den USA kann ich nicht dienen, aber ich war 2013/14 für ein Jahr in Japan. Ich finde es immer so schwer, wenn Leute mich da ein generelles "Wie war's?" fragen. Ich war ein Jahr lang weg, es war alles. Es war wunderschön, teils war es anstrengend, teils hatte ich Heimweh, teils war es entspannt, teils stressig... Man könnte sich wirklich einfach eine handvoll Adjektive greifen, es würde wahrscheinlich passen.

Aber ich weiß, stünde ich wieder vor der Wahl, ich würde es jederzeit wieder tun. Ich hatte wunderbare Gasteltern, zwar keine Geschwister, aber dafür zwei süße Chihuahuas als Gasthunde. Meine Familie hatte vor mir hin und wieder über kurze Zeit Gastschüler, aber ich war die erste, die sie über ein ganzes Jahr hatten. Sie haben sich auch wirklich Mühe gegeben, wodurch ich mich auch sofort willkommen gefühlt habe. Auch als ich Frühling '15 nochmal in Japan war, haben sie mir gleich angeboten, wieder bei ihnen im Haus zu wohnen, wenn ich denn in der passenden Stadt bin.

An der Schule habe ich Kendo, japanischen Schwertkampf, gemacht. Ich war, denke ich, nicht unbedingt allzu gut, aber es hat echt Spaß gemacht und ich habe gute Freunde da gefunden, genauso wie in meiner Schulklasse. Kommunikation war anfangs etwas umständlich, die meisten hatten eher mittelmäßiges Englisch und ich konnte mich gerademal vorstellen und fragen, wo denn die Toilette ist. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und wenn man wirklich in dem Land ist, dann lernt man die Sprache auch recht schnell.

Neben der Schule hatte ich auch Kontakt zu anderen Gastschülern, und das war auch der Wahnsinn. Ich bin normalerweise eher so, dass ich etwas Zeit brauche, um mit fremden Leuten warm zu werden, aber nicht mit meinen anderen AFSern. Es heißt nicht umsonst "die große AFS-Familie", ich kam immer super mit allen klar, und beim Abschied wurden so einige Tränen vergossen. Auch, wenn wir uns eigentlich nur ein paar Monate kannten, fühlte es sich eher wie mehrere Jahre an, und eines Tages will ich sie auch alle wiedersehen.

Natürlich war das Jahr nicht immer leicht. Erfahrungsgemäß soll wohl etwa der dritte Monat der schlimmste sein, und so war es auch bei mir. Das ist eben die Phase, in der eben nicht mehr alles komplett neu ist, sondern schon etwas Alltag einkehren konnte, aber andererseits war man oft auch noch nicht lange genug da, um wirklich enge Freundschaften zu knüpfen, wodurch man natürlich die alten Freunde zuhause vermisst. Meine Reaktion war damals, eine meiner Freundinnen eine SMS zu schicken. Ich sprach da zwar schon meist Japanisch, aber irgendwie war ich dazu nicht in der Lage und schrieb ihr deshalb auf Englisch, was zum Glück kein Problem war, da ihr Englisch echt gut war. So war dann auch diese Krise überstanden.

Ich denke, ich habe besonders zwei sehr wichtige Dinge gelernt. Zum einen, dass es oft eben die kleinen Dinge sind, die einem viel bedeuten. Ich war in der Zeit in Akihabara, im Tokyo Skytree und all sowas, aber wenn ich eine meiner schönsten Erinnerungen auswählen müsste, dann wäre das ein Abend nach Kendo gewesen. Ich bin mit einer Freundin zusammen zum Bahnhof gelaufen, und sie fragte mich, ob mir Kendo gefalle. Als ich "Ja" geantwortet hab, hat sie sich einfach so sehr gefreut, da wurde mir richtig warm ums Herz. Das hat mir einfach das Gefühl gegeben, da wirklich gewollt zu sein, dass sie sich so sehr freut, dass ich dabeibleiben will.

Die zweite Sache war ein Moment mit den anderen AFSern. Wie das eben so war, kamen wir aus gut einem Dutzend verschiedener Länder, und ein entsprechendes Sprachenwirrwarr gab es dann auch hin und wieder beim Treffen. Hauptsprache Englisch, bisschen Japanisch, die andere Deutsche und ich mal Deutsch, die Norwegerin und der Finne sprachen kurz auf Schwedisch, die Thailänderinnen auf Thai, die Argentinierin testete die Spanischkenntnisse der Brasilianerin... Kurzum, ein kunterbuntes Gemisch.

Das mag jetzt irgendwie esoterisch klingen, aber ich hatte in dem Moment einfach so das Gefühl, "So muss es sein." Ein Haufen verschiedener Länder von verschiedenen Orten, und wir alle waren einfach eine glückliche, harmonische Gruppe, gerade wegen unserer Unterschiede. Das war so ein faszinierendes Gefühl, dass ich mir wirklich wünschte, ich könnte das irgendwie mit anderen Menschen teilen.

Ins Japanische bin ich nach meiner Rückkehr zum Glück eher selten gerutscht. Es ist mir aber schon das ein oder andere Mal passiert, wenn ich mit mir selbst geredet habe, dann doch Japanisch zu benutzen, aber da war dann immerhin niemand in der Nähe, der es hätte hören können.

» Kalu-chan » Beiträge: 718 » Talkpoints: 11,85 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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