Ist Schulsport für euch richtiger Sport?
Ich war gestern auf dem Weg zur Arbeit und habe dafür die U-Bahn genommen. Nach einer Weile setzten sich ein junger Mann und eine junge Frau zu mir in den Vierer, die sich offensichtlich kannten und die studierten, wie sich im Laufe der Unterhaltung herausgestellt hat.
Jedenfalls ging es auch um Hochschulsport und der junge Mann meinte dann auch, sich negativ über den Schulsport aus früheren Zeiten auslassen zu müssen. Er meinte, dass der Schulsport doch kein richtiger Sport wäre, da er im Sportunterricht in der Schule nie geschwitzt oder sich angestrengt hätte. Das sei jetzt total anders und er würde es toll finden. Die junge Frau war komplett anderer Meinung in Bezug auf den Schulsport und meinte, dass sie ihn als anstrengend empfunden hätte und damals auch geschwitzt hätte.
Ich fand den Schulsport rückblickend betrachtet zum Teil schon sehr anstrengend. Gut, es gab Zeiten, da wurde die Turnhalle geteilt und die Lehrerin machte mit uns Mädchen eher "Kuschelaufgaben" wie Balancieren oder so. Da habe ich auch nie wirklich geschwitzt und das war für mich kein Sport. Ich hatte aber auch Lehrer, die sehr gefordert haben und wo der Unterricht anstrengend und mit "richtigem" Sport gleichzusetzen war. Wie ist das bei euch? Würdet ihr Schulsport als richtigen Sport bezeichnen?
Es kommt sicherlich darauf an, was sich der Lehrer an Aufgaben für den Sportunterricht überlegt. Ich fand unseren Sport in der Schule auch eigentlich immer anstrengend. Wir wurden ab einem bestimmten Schuljahr aufgeteilt und so hatten dann nur noch die Mädchen zusammen Sport und die Jungen zusammen Sport.
Wir haben dann oft Feldhockey gespielt, aber auch Gymnastik gemacht oder mal Fußball gespielt. Ich fand das eigentlich immer anstrengend und bin dabei ins schwitzen gekommen. Daher würde ich nicht sagen, dass unser Schulsport kein richtiger war. Wenn man jedoch nur herum sitzt und der Lehrer kein Training macht, dann schwitzt man auch nicht. Unsere Sportlehrerin war immer sehr nett und wir durften uns ganz oft aussuchen, was wir denn machen wollten.
So pauschal kann man das natürlich nicht beantworten. Sicherlich kommt es immer auf den Lehrer an und wie dieser seinen Unterricht gestaltet. Ich hatte immer sehr strenge Lehrer und die haben auch immer volles Programm verlangt, weswegen wir keine Stunde hatten, an denen wir nicht komplett durchgeschwitzt waren. Zumal die Anforderungen denke ich auch zu hoch sind um eine gute Note in Sport zu bekommen.
Bei mir kam das wirklich auf den jeweiligen Lehrer an und ich habe beide Extreme kennen gelernt. Ich hatte einen Lehrer, der Leichtathletik unterrichtet hat und in jeder Doppelstunde die Leistungen kontrolliert hat. Da hat man schon nach dem Aufwärmen auf der Joggingstrecke ums Stadion geschwitzt und dann durfte man sich für Sprints, Weitsprung und so weiter anstellen und musste sich anstrengen, weil jedes Ergebnis in einer Excel Tabelle gelandet ist und natürlich zur Benotung heran gezogen wurde.
Auf der anderen Seite hatte ich aber auch Lehrer, deren Unterricht aus "Schwimmt bis um 10, dann könnt ihr gehen" bestand oder bei denen die ganze Stunde Volleyball gespielt wurde, wobei wir da sogar selber einen Schiedsrichter bestimmen und Spieler auswechseln mussten, weil diese Lehrerin darauf keine Lust hatte und sich lieber mit dem Kollegen unterhalten hat, der in der Halle neben uns unterrichtet hat. Da hat sich natürlich niemand großartig angestrengt.
Ich sehe Schulsport nicht als richtigen Sport, sondern mehr als eine Beschäftigung für die Kinder an. Ich hatte dabei auch durchaus strenge Lehrer die sich einfach strikt an das Lehrprogramm und die Vorgaben gehalten haben. Dennoch war es einfach lächerlich, das Geräteturnen war super einfach, alle mussten ewig lange warten bis sie mal dran waren und da kann auch niemand nass geschwitzt sein. Tanzen das gleiche, das bisschen Gehopse hatte mit Tanzen auch wenig zu tun.
Dann gab es noch die tollen Ballsportarten mit Fußball, Basketball, Volleyball. Auch dort sind bei Volleyball gerade einmal 12 auf dem Platz, der Rest sitzt herum. Nach 30 Minuten wurde gewechselt, also von nass geschwitzt kann da auch nicht die Rede sein. Fußball in der Halle ging auch maximal mit 5-8 auf jeder Seite, da die Halle ansonsten einfach zu klein war. Leichtathletik die Vorgaben sind ebenfalls sehr mager angesetzt, dass das wirklich jeder schaffen konnte der ansonsten schon Probleme hatte aus dem Stuhl zu kommen.
Schwimmunterricht war super toll, von den 2 Schulstunden mit insgesamt 90 Minuten saß man 2x25 Minuten im Bus zum Schwimmbad. Bis alle umgezogen waren und in der Halle aufgewärmt, konnten gerade noch 10-15 Minuten etwas gemacht werden bevor sich wieder alle zum duschen gedrängt haben, umgezogen und in den Bus gerannt sind. Und da hat man sich schon gewundert, dass die wenigsten anständig schwimmen gelernt haben oder es bereits vorher schon konnten.
Kurzum, der Schulsport wie ich ihn kennengelernt habe hat mit dem eigentlichen Sport wenig zu tun und noch weniger mit Leistungssport. Sicherlich gib und gab es immer Kinder die dabei bereits an ihre Grenzen gestoßen sind, aber diese haben sich auch in ihrer Freizeit nicht sonderlich viel bewegt.
Ich fand das alles sehr langweilig, wenig fordernd und auch die Vorgaben die allgemein vom Kulturministerium gemacht wurden echt zu Lasch. Ich kann doch von einem 10 jährigen Jungen erwarten, dass dieser einen Standweitsprung von über 1 Meter schafft. Die Vorgabe sind lächerliche 70 cm zu diesem Zeitpunkt gewesen, für Mädchen 55 cm. Traurig, dass zu meiner Schulzeit bereits Kinder anwesend waren die nicht einmal das geschafft haben aber immer komplett nass geschwitzt waren alleine vom umziehen und 1 Treppe nach unten laufen in die Halle.
Dennoch war es einfach lächerlich, das Geräteturnen war super einfach, alle mussten ewig lange warten bis sie mal dran waren und da kann auch niemand nass geschwitzt sein. Tanzen das gleiche, das bisschen gehopse hatte mit Tanzen auch wenig zu tun.
Aber muss man denn nass geschwitzt sein? Ist Bewegung nur dann gut, wenn man hinterher die Klamotten wechseln muss? Soll Sportunterricht denn Leistungsport sein? ich denke nicht.
Aus meiner Sicht ist der Sportunterricht dafür da, dass Kinder sich ein wenig bewegen und verschiedene Sportarten überblicksartig kennenlernen und man die Leistungen halbwegs einschätzen kann. Das Kind soll ja auch ein Gefühl dafür entwickeln, ob es sich gut bewegen kann oder nicht und dann daraus vielleicht Schlussfolgerungen ziehen, ob es eher für einen bewegungsintensiven Beruf geeignet ist oder nicht. Aber Sport soll kein Leistungssport sein und muss auch niemanden unbedingt dazu bringen, dass er großartig schwitzt.
Ich persönlich habe ja Schulsport immer gehasst, und zwar tatsächlich aus beiden Gründen, einmal, weil es langweilig war, und ein anderes Mal, weil es für mich einfach zu viel war und es einfach wenig Spaß macht, wenn man gefühlt weniger als halb so gut ist wie die anderen, auch wenn man sich anstrengt.
Ich bin in vielen Bereichen eben keine Sportskanone, gerade, wenn es beispielsweise im Stärke geht. Klimmzüge beim Ringeturnen oder auch einfach Liegestütze konnte ich also gar nicht, wenn dann also einfach mal gesagt wurde "Macht 10 Liegestütze", habe ich einfach mein bestes getan, es so aussehen zu lassen, als würde ich das tun. Dazu noch bin ich langsam, wenn wir dann später also mal 2km irgendwo hinjoggen mussten, bevor der richtige Sportunterricht begann, war ich generell immer die letzte. Und dazu noch knallrot im Gesicht, weil ich anfangs zumindest versucht habe, mitzuhalten. Das würde ich auch definitiv als "richtigen Sport" ansehen.
Wenn wir dagegen, gerade in unteren Klassen, in der Halle Fußball oder Basketball gespielt haben, war das als Mädchen beeindruckend langweilig. Die Teams waren gemischt und die Jungs konnten das ja nach deren Meinung eh alles besser, wogegen auch die Regelung "Mädchentore zählen doppelt" nicht geholfen hat. Also haben die Jungen gespielt, die Mädchen haben halbherzig so getan, als würden sie versuchen, einander zu decken, und sich dabei etwas unterhalten. Vielleicht noch etwas hin und herrennen, um es so aussehen zu lassen, als würde man wirklich mitspielen. Das war natürlich auch nicht wirklich anstrengend für uns, während die Jungen es sicher als richtigen Sport ansehen würden, die sind ja auch zum Spielen gekommen.
Insgesamt bin und bleibe ich einfach deshalb ein Fan von Schulsport. Neben den oben genannten Problemen, dass man oft entweder nichts tut oder überfordert ist, wenn man das Pech hat, in eine sportliche Gruppe zu geraten, waren da auch oft einfach keine Sportarten, die mir gefielen. Die Judo-Einheit war toll, und später sind wir mal Rudern gewesen, das hat auch Spaß gemacht, aber sonst? Da hätte ich, statt bis 18 Uhr in der Schule zu bleiben, lieber um 15 Uhr Schluss gehabt und hätte dann noch zum Reiten oder einer anderen Sportart meiner Wahl gehen können.
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- DM bringt neue Kosmetikmarke namens "trend it up" raus 323mal aufgerufen · 2 Antworten · Autor: Prinzessin_90 · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Gesundheit & Beauty
- DM bringt neue Kosmetikmarke namens "trend it up" raus