Immer mehr blutige Entlassungen in Deutschland?
Als blutige Entlassung bezeichnet man die Entlassung eines Patienten, der noch offene Wunden hat die versorgt werden müssen und der daher noch gar nicht bereit für eine Entlassung ist. Leider steigt in Deutschland die Anzahl solcher Entlassung. Schuld ist die neue Abbrechnungsmethode, denn die Krankenhäuser bekommen nun Pauschalen für die Patienten.
Bleibt ein Patient länger, dann bekommen die Krankenhäuser nicht mehr Geld. Früher wurde nach Tagen abgerechnet, nun aber nicht mehr. Deswegen ist es den Krankenhäusern ein Anliegen die Patienten zu entlassen, bevor sie durch sie Einbusse machen.
Kennt ihr Menschen die vorzeitig entlassen wurden und dadurch auch negative Konsequenzen hatten? Sollte da nicht die Politik mehr in die Verantwortung genommen werden? Oder findet ihr es gut, dass nun anders abgerechnet wird?
Meine Oma hat Blutverdünner und muss vor und nach ärztlichen Eingriffen immer ein spezielles Mittel mit einer Spritze in den Bauch spritzen, ebenfalls musste sie die offenen Wunden selber versorgen.
Ich persönlich finde es nicht gut, jeder Mensch hat ein Recht darauf, eine anständige und komplette Behandlung zu erhalten. Leider sind die Krankenhäuser überall überfüllt und man hat gar nicht mehr genug Betten. Deshalb sollte man hier auf keinen Fall sparen und mehr Krankenhäuser bauen und die Ärzte anständig entlohnen.
Ich finde es falsch hier zu pauschalisieren. Ich kenne auch Menschen, die sich nach Operationen gegen ärztlichen Rat entlassen lassen wollen und darauf bestehen, schnellstmöglich nach Hause zu dürfen. Sie fühlen sich einfach unwohl in Krankenhäusern und in einer derartig sterilen Umgebung und halten es nicht länger dort aus. Also finde ich nicht, dass man pauschal den Krankenhäusern und Ärzten die Schuld geben kann, wo es genug "sture" Patienten gibt, die mit dem Kopf durch die Wand wollen und meinen besser zu wissen, was ihnen gut tut und was besser für ihre Gesundheit ist.
Ich denke man muss hier differenzieren. Es macht schon einen Unterschied ob ich einen jungen Mann mit einer kleinen Naht von 5 Stichen entlasse und dieser auch körperlich und geistig in der Lage ist die Wunde selbst zu versorgen. Wenn ich das ganze jedoch bei einer 80 jährigen Frau mache die dazu weder geistig noch körperlich in der Lage ist und daher schon eingeschränkt ist, dann geht es in meinen Augen nicht.
Entsprechend darauf wird aber auch Rücksicht genommen und natürlich schauen die Krankenhäuser auch darauf, ob man jemanden Entlassen kann weil er selbst in der Lage zur Versorgung ist oder eben die Versorgung durch einen dritten hergestellt werden kann.
Was hier aber auch schon genannt worden ist sind die Selbstentlassungen gegen den ärztlichen Rat und deren Meinung. Dann hat man sich bewusst gegen die Behandlung entschieden und das ganze sogar verweigert und wenn danach dann Störungen auftreten weil das ganze nicht entsprechend versorgt worden ist, dann tut es mir leid, sind die Leute selbst daran Schuld.
Auch werden die Hinweise zur Pflege von Wunden nicht immer sonderlich ernst genommen. Ich habe genug Frauen nach Kaiserschnitt gesehen die mit der hautengen Hose wieder aus dem Krankenhaus rennen mussten, darunter das Pflaster abgezogen haben weil das "unschön" aussieht. Dagegen wurde gesagt, luftige Kleidung, Naht abdecken. Somit halten sich diese nicht einmal an die einfachsten Regeln und werden das wohl auch Zuhause nicht entsprechend versorgen, obwohl sie dazu in der Lage wären. Die Sturheit geht also noch weiter und ist gepaart von Faulheit dabei.
Ja ich habe schon Patienten mit negativen Folgen gesehen, allerdings lag das nicht an der Entlassung sondern daran, dass sie sich hinterher selbst nicht darum gekümmert haben oder auch die beauftragte dritte Person es mit der Pflege nicht so genau genommen hatte. So wurden Verbände nicht regelmäßig gewechselt mit Entzündungen hinterher, falsche Kleidung direkt auf den Wunden usw. Somit sehe ich jeden einzelnen in der Verantwortung daran etwas zu ändern und nicht nur die Politik.
Solche Dinge gehören bestraft und zwar härter als es nun der Fall ist, gerade wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist und auf Hilfe durch einen Pfleger angewiesen ist. Macht er das ganze nicht, dann erwartet ihn eigentlich nur eine läppische Strafe und das "Opfer" hat womöglich das komplette restliche Leben darunter zu leiden. Die Politik sehe ich somit nicht nur von der Gesundheitsreform und Fördergeldern her gefordert, sondern auch für den entsprechenden Strafenkatalog der in Deutschland ohnehin zu Lasch ist für sämtliche Taten.
Den Krankenkassen wurde ohnehin zu viel Macht zugestanden und diese legen ihre Preise selbst fest. Schaut euch doch einmal an wie die Kosten und Entgelte dafür festgelegt werden. Dazu bildet sich ein Stammtisch aus Krankenkasse, Krankenkassenbeisitzern und ein paar wenigen Ärzten. Die Krankenkassen machen ein Angebot an die Ärzte, diese sagen dazu nein und die Kassen sagen einfach "wir zahlen nicht mehr nehmt das oder lasst es bleiben".
Somit kann sich auch in diesem System nichts an den tatsächlichen Kosten belaufen, es geht immer nur nach dem, was die Kassen auch bezahlen wollen. Egal ob es nun sinnig ist das eine aufwendige Operation nun nur 10.000 Euro kosten darf obwohl die tatsächlichen Kosten dafür 100.000 Euro betragen. Den Rest müssen die Krankenhäuser und alle weiteren selbst zusehen wie sie das finanzieren. So etwas finde ich komplett abartig und auch nicht richtig, in keiner anderen Sparte geht es so schlimm zu wie im Gesundheitswesen bei den Krankenkassen.
Wenn jemand selber in der Lage ist, die Wunde zu versorgen, warum soll er dann weiterhin im Krankenhaus bleiben, wenn doch sonst alles in Ordnung ist. Es ist allgemein bekannt, dass man im Krankenhaus auch nicht besser genesen kann. Ich kenne viele, die mit einer Wunde, die noch versorgt werden muss, nach Hause gegangen sind. Einfach aber deswegen, weil sie sie selber gut versorgen können.
Manchmal ist es auch hilfreich, jemanden im direkten Umfeld zu haben, der Wunden versorgen kann. Ältere Menschen würde ich grundsätzlich nicht entlassen, wenn sie noch eine Wunde zu versorgen haben. Man sieht schlechter, man merkt sich vielleicht nicht, was genau man machen soll und dann kann es leicht zu Komplikationen kommen. Natürlich kann man auch das nicht pauschalisieren. Es gibt ältere Menschen, die können das sicher, manche nicht. Aber ich denke ihr wisst, welche Sorte ich meine.
Meine Oma ist jetzt 82 und diese könnte das nicht, auch wenn sie geistig noch voll da ist. Allerdings haben wir 2 Krankenschwester in der Familie und diese können die Wunden versorgen. Von daher ginge auch hier eine Entlassung.
Ich finde es teilweise gut und teilweise schlecht, dass man das macht. Gut, weil man eben nicht länger als nötig im Krankenhaus bleiben muss und das Krankenhaus nicht voll mit Patienten ist, die Betten belegen, die nicht da sein müssten. Da gibt es wirklich Patienten, die das Bett dringender brauchen.
Schlecht, weil eben auch die falschen Leute so entlassen werden. Solche, die sich eben nicht um ihre Wunden kümmern können. Die sind dann schneller wieder da, als man sie entlassen hat und die Komplikationen sind meistens wirklich nicht schön.
Sorae hat geschrieben:Dazu bildet sich ein Stammtisch aus Krankenkasse, Krankenkassenbeisitzern und ein paar wenigen Ärzten. Die Krankenkassen machen ein Angebot an die Ärzte, diese sagen dazu nein und die Kassen sagen einfach "wir zahlen nicht mehr nehmt das oder lasst es bleiben".
Naja ganz so ist es ja nicht. Es gibt ja durchaus Ärzte beziehungsweise Fachrichtungen, die relativ gesehen ziemlich gut dastehen und dann gibt es Fachrichtungen, die relativ schlecht da stehen. Es ist ja wie du schon sagtest nicht zwangsläufig so, dass sich die Vergütung tatsächlich am Aufwand orientiert. Das heißt aber im Umkehrschluss keineswegs, dass nahezu alle Operationen teurer sind als die Vergütung dafür tatsächlich beträgt.
Die Krux an dem System ist viel eher, dass im Hintergrund regelrecht geschachert wird um die Vergütungen ohne dass es manchmal nachvollziehbare Gründe für die festgelegten Vergütungen gibt. Nicht ohne Grund gehen ja die Vergütungen für die einzelnen Fachrichtungen deutlich auseinander ohne dass man jetzt sagen kann, dass ein Orthopäde oder Radiologie zum Beispiel viel mehr arbeitet als andere um ihre höheren Vergütungen zu rechtfertigen.
Nichts desto trotz habe ich persönlich grundsätzlich überhaupt nichts gegen "blutige Entlassungen". Es ist ja nun mal eher selten der Fall, dass man Patienten mit regelrecht gammligen Wunden entlässt. Oft ist es ja nur etwas Wundflüssigkeit oder nur noch wenig blutige Sekretion, die mit 1-2 Verbandswechseln am Tag therapiert werden müssen und dazwischen passiert so ziemlich nichts. Da kann man durchaus hinterfragen, ob das nun den Aufwand recht fertig, dafür 24 Stunden am Tag ein Krankenhausbett mit Vollkost und professioneller Pflege vorzuhalten. Da reicht im Prinzip ja maximal ein Verbandswechsel beim Hausarzt oder ein Pflegedienst der nach Hause kommt, wenn man das selber nicht kann.
Auch wenn ich mich selber nur bedingt mit dem DRG-System angefreundet habe, muss man an der Stelle ja schon sagen, dass man sich früher als Krankenhaus ja darauf ausruhen konnte, wenn man seine Betten voll gemacht hatte und dann kräftig abkassiert hat und damit ja gerade bei solchen Lappalien, wo man an zusätzlichen Ressourcen außer dem Verbandsmaterial nichts mehr aufwenden musste richtig Geld verdient hat. Das bedeutet aber eben auch, dass dieses Geld von allen Steuerzahlern und Kassenmitgliedern bezahlt werden muss, obwohl es auch der einfache Besuch beim Hausarzt gebracht hätte.
Leider scheint aber genau diese hausärztliche Versorgung oftmals schwieriger umsetzbar zu sein und das Problem der blutigen Entlassungen sind dann nicht selten Fehler oder Mangel in der weiteren Versorgung, weil sich die niedergelassenen Ärzte nicht gut genug kümmern beziehungsweise sich zu schlecht bezahlt fühlen um sich adäquat zu kümmern. Das nun aber gleich den Krankenhäusern anzulasten beziehungsweise sie aufzufordern, dass mit massivem Ressourcenaufwand auszugleichen ist glaube ich ökonomisch gesehen nicht der richtige Weg.
Die blutigen Entlassungen als so unproblematisch anzusehen, dass nur Hausarzt oder Pflegedienst vorbeikommen müssen, ist aber auch arg kurzsichtig. Erstens ist es mit der Wundversorgung nicht getan, schließlich hängt auch die hauswirtschaftliche Versorgung danach in den Seilen.
Außerdem gibt es ein Problem mit der Rehabilitation. Denn wenn die Patienten wegen nicht verheilter Wunden und großen Blutergüssen sowie noch bestehender körperlicher Schwäche nicht von Beginn an mitarbeiten können, muss das Programm extrem komprimiert werden. Das schafft dann aber kaum jemand.
Das einzige Mal, dass ich mitbekommen habe, dass jemand tatsächlich mit einer offenen Wunde entlassen wurde, war bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt und diese Patientin musste dann täglich in die Klinik kommen und sich in der Ambulanz den Verband wechseln lassen. Wenn sie weiter weg gewohnt hätte, hätte sie einen Pflegedienst verordnet bekommen.
Ansonsten ist der Normalfall doch wohl, dass man eine Naht hat und täglich einfach das Pflaster weg macht, desinfiziert, trocknet lässt und ein neues drauf klebt. Mehr wird in der Klinik doch auch nicht gemacht und man bekommt doch auch immer gesagt, dass man sich sofort melden soll wenn man eine Veränderung bemerkt.
cooper75 hat geschrieben:Außerdem gibt es ein Problem mit der Rehabilitation. Denn wenn die Patienten wegen nicht verheilter Wunden und großen Blutergüssen sowie noch bestehender körperlicher Schwäche nicht von Beginn an mitarbeiten können, muss das Programm extrem komprimiert werden. Das schafft dann aber kaum jemand.
Wobei das aber kein Problem der blutigen Entlassung ist, sondern eines schlechten Managements in der Überleitung. Meiner Erfahrung nach ist die Regel ja eben eher, dass man eben doch eher harmlosere Wunde in die ambulante Betreuung schickt, also eben tatsächlich doch die Wunden, die eben nur einen relativ einfachen Verbandswechsel bedürfen und keine schlimme Wunden. Wenn man von der Wundheilung nicht überzeugt ist, wird in aller Regel eben auch zur Not der Patient länger in der Klinik behalten, als es die Verweildauer hergibt.
Das heißt aber eben auch, dass man in den meisten Fällen schon absehen kann, wie lange die Wunde brauchen wird und so kann man dann auch die Rehabilitation terminieren. Man muss ja eine Reha nicht direkt an den Krankenhausaufenthalt anschließen, sondern kann auch durchaus 1-2 Wochen Luft dazwischen lassen, damit eben von Anfang an möglichst viel getan werden kann.
Die Terminierung ist doch nicht das Problem, sondern die Versorgung der Menschen in der Zeit dazwischen. Unsere Kliniken hier entlassen beispielsweise am dritten Tag nach einer Knie-Tep. Offiziell können die Patienten dann gehen, sich waschen und bewältigen Treppen.
Das ist normalerweise aber eher am 5. Tag nach der Operation der Fall, bei älteren Patienten später. Drei Wochen Reha sind bei Menschen, die erst gerade so 10 Schritte auf dem Gang geschafft haben, einfach zu kurz. Zwischendurch nach Hause schicken ist da aber auch keine Option.
Und die Kurzzeitpflege im Altenheim ist für die meisten unbezahlbar. Schließlich fallen für einen Monat im Heim schnell 1.500 Euro Eigenbeteiligung an. Dazu kommt die Miete der Wohnung. Das können nur wenige stemmen. Also geht es direkt zur Rehabilitierung, die dann nur schlecht klappt.
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