Wie mit widersprüchlichen Arztmeinungen umgehen?
Meine Freundin musste Anfang der Woche operiert werden, wobei schon vorher bekannt war, dass sie niedrige Thrombozytenwerte hat. Der Chirurg hatte dann auch extra um ein Blutbild von ihrem Hausarzt gebeten, welches sie dann auch machen ließ.
Der Hausarzt versuchte sie noch zu beruhigen. Er meinte, dass sie zwar Werte weit unterhalb des Referenzbereichs hätte, aber kein Grund zur Sorge bestünde, da es nicht lebensgefährlich sei und die kritische Grenze nicht unterschreiten würde. Er meinte, sie müsste nicht mal zwangsläufig die Werte regelmäßig überprüfen lassen, es bestünde kein Grund zur Sorge im Anbetracht der bevorstehenden Operation.
Als der Chirurg ihre Werte jedoch gesehen hat, hat er nach der sofort eine "engmaschige" Überwachung und Nachsorge angeordnet, um Komplikationen auszuschließen. Jetzt ist meine Freundin jedoch irritiert und weiß nicht, wie sie mit diesen widersprüchlichen Aussagen umgehen soll. Hat der Hausarzt das Problem zu sehr verharmlost? Oder übertreibt der Chirurg? Wie würdet ihr mit widersprüchlichen Arztaussagen umgehen?
Ich denke schon, dass deine Freundin der Meinung des Hausarztes vertrauen kann. Aber der Chirurg wird sicherlich so handeln, um eben ganz sicher zu gehen. Ich würde auch lieber eine Patientin einmal früher und mehr kommen lassen, als zu wenig und dann passiert doch etwas. Immerhin hat der Chirurg die Verantwortung für die Behandlung. Daher finde ich, dass es eigentlich nur für den Chirurgen spricht, so sorgfältig und genau zu sein.
Direkt widersprüchlich finde ich die Meinungen der beiden Ärzte auch gar nicht. Der Hausarzt wollte deine Freundin sicherlich etwas beruhigen, da sie sich wegen des Eingriffs sicher schon genug Sorgen gemacht hat. Und wenn sich die Anzahl der Thrombozyten doch einigermaßen im Normbereich bewegen, wird der Hausarzt doch nicht lügen.
Es ist sicherlich besser das regelmäßig überprüfen zu lassen. Der Chirurg sieht natürlich das Ganze aus seiner Sicht und wenn er dann nach der Operation möchte dass das kontrolliert wird, dann muss man da schon nachgehen. Mag sein, dass der Hausarzt auf die Regelmäßigkeit einfach keine Lust hatte und für ihn die Werte noch im Rahmen waren, der Chirurg muss sich da aber sicherlich häufiger weiterbilden.
Wieso sollte sich der Chirurg weiterbilden müssen und dessen Meinung wird nun als nichtig abgetan? Jeder Fachbereich hat andere Grenzen für seine Patienten, entsprechend der Krankheit. Es gibt dabei keine pauschalen Sätze und wenn es in der Chirurgie bereits dramatisch angesehen wird wenn der Wert unter oder über X liegt, sieht ein Hausarzt das aus einer ganz anderen Sicht.
Von daher kann man das nicht pauschal sagen was hier der richtige Weg wäre. Möchte man auf Nummer sicher gehen, dann lässt man die Werte regelmäßig überprüfen und wenn der Hausarzt das als überflüssig ansieht, dann geht man zu einem anderen Arzt dafür. Manche Hausärzte sparen sich diese Kontrollen auch aus Kostengründen gerne und verharmlosen die Sachlage, eben weil das von ihrem eigenen Praxisbudget bezahlt werden muss. Kostet der Patient mehr als er einbringt, dann macht der Arzt ein Verlustgeschäft welches er selbst begleichen muss.
Einem Chirurg sind die Budgets in erster Linie egal, diese handeln und verordnen das was sie aus ihrer Sicht als richtig sehen und denken dabei nicht in erster Linie nur an das Geld. Hausärzte sind dort schon ein wenig anders, denn wenn sie jedem Patienten das optimale zukommen lassen würden an Behandlung und auch Kontrollen, dann könnten diese schon lange nicht mehr wirtschaftlich genug arbeiten und würden stets nur Verluste einfahren. Wäre das der Fall dann würde auch niemand mehr Hausarzt sein wollen, da sich diese Praxen dann auch nicht mehr lohnen und es auch nicht über die Masse kompensiert werden kann.
Pro Quartal bekommt ein Arzt pro Patient 30 Euro von der Krankenkasse gestellt für diese Dinge. Kontrolluntersuchungen nach Operationen sind auch limitiert von den Krankenkassen mit zusätzlichen Zahlen und belaufen sich auf 1-3 Stück, je nach Operation. Soll das ganze also nun wöchentlich kontrolliert werden über einen Monat lang, dann übersteigt das bereits die Übernahme der Kassen und es muss von dem 30 Euro Budget bezahlt werden. Eine Laboruntersuchung kostet im günstigen Falle etwa 15 Euro, bei aufwendigen natürlich mehr. Somit ist das dann schnell aufgebraucht und der Arzt legt drauf.
Sorae hat geschrieben:Einem Chirurg sind die Budgets in erster Linie egal, diese handeln und verordnen das was sie aus ihrer Sicht als richtig sehen und denken dabei nicht in erster Linie nur an das Geld. Hausärzte sind dort schon ein wenig anders, denn wenn sie jedem Patienten das optimale zukommen lassen würden an Behandlung und auch Kontrollen, dann könnten diese schon lange nicht mehr wirtschaftlich genug arbeiten und würden stets nur Verluste einfahren.
Und du glaubst jetzt ernsthaft, dass das bei dem Chirurgen anders ist? Zum einen gibt es ja viele niedergelassene Chirurgen, die genauso wirtschaftlich arbeiten müssen wie der Hausarzt und auch zusehen, was sie machen und was nicht und auch im Krankenhaus wird dank der hohen Zahl privater Betreiber auch mehr und mehr auf die Kosten geachtet. Mag ja sein, dass der Chirurg ein höheres Budget hat, aber dafür hat auch meistens auch mehr Kosten für die ganze Behandlung.
Ich glaube eher in dem Fall sind es zwei verschiedene Herangehensweisen im Denken was die Gerinnung angeht. Der Hausarzt operiert ja nun mal nichts und wird wohl eher schauen, ob bei den Werten so wie sie sind etwas passiert. Der Chirurg dagegen wird eher schon im Hinterkopf haben, dass ja auch noch eine Operation ansteht mit möglicherweise noch zusätzlichem Thrombozytenverbrauch, sodass er da für sich deutlich höhere Grenzwerte annimmt.
Aber auch die angesprochene Weiterbildung kann durchaus mit hereinspielen. Natürlich müssen sich alle Ärzte regelmäßig weiterbilden. Aber es wird keinem Arzt dabei vorgeschrieben mit welchen Inhalten er sich weiterbildet. Naturgemäß wird sich der Chirurg eher mit chirurgischen Themen auseinandersetzen und da gehört der Gerinnung als wichtiger Bestandteil dazu. Der Hausarzt dagegen muss ja möglichst versuchen, sich von fast allen Fachbereichen ein bisschen was heraus zu suchen. Aber da jeder Tag nun mal endlich ist, hat auch er nicht unbegrenzt Zeit jetzt bei allem auf dem neusten Stand zu sein. Vielleicht ist einfach nicht auf dem neustens Stand was die Gerinnung angeht und die Therapiebedürftigkeit der Thrombozytopenie.
Im Zweifel kann man sich aber dann auch einfach noch eine zusätzliche Meinung von einem Facharzt auf diesem Gebiet holen, wenn man sich unsicher ist. Es gibt ja auch Hämostasiolgen, die sich nur mit der Blutgerinnung beschäftigen, da bekommt man dann eben auch eine Expertenmeinung.
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