Sind psychische Erkrankungen immer noch ein Tabuthema?
Ich bin selber an einer mittelschweren Depression erkrankt, die ich mittlerweile wieder gut im Griff habe. Als der Arzt mir jedoch mitteilte dass meine Schmerzzustände sich körperlich nicht erklären lassen, und ich eine psychosomatische Reha beantragen sollte, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Mit dem Thema Depressionen und Stresszustände wollte ich absolut nichts am Hut haben. Ich muss gestehen, dass ich total uneinsichtig gewesen bin und mir selber dadurch im Weg gestanden habe.
Ich habe auf anraten meines Arztes dann einen Therapieplatz gesucht und auch gefunden. Desweiteren bin ich für 5 Wochen in einer psychosomatischen Klinik in Bayern gewesen. Die ganze Welt der psychischen Erkrankungen war neu für mich. Die unterschiedlichsten Leute haben dort in einer gemeinsamen Therapiegruppe gesessen und über alles geredet was einen so beschäftigt.
Zugegeben, das war für mich nicht einfach und ich habe auch eine ziemlich lange Zeit gebraucht um mich darauf einlassen zu können, aber als die Reha dann vorbei war und ich arbeitsunfähig entlassen worden bin, habe ich mir freiwillig einen weiteren Platz in einer Klinik gesucht und bin dort letztendlich weitere 9 Wochen gewesen.
Seitdem ich die Klinikzeit hinter mir habe kann ich über das Thema Depressionen wirklich offen reden. Auf meiner Arbeit sind psychische Erkrankungen leider keine Seltenheit. Ich musste feststellen, dass sich nach meiner Krankheitszeit tatsächlich einige Kollegen gemeldet haben die sich nicht getraut haben den ersten Schritt zu gehen und sich ärztliche Hilfe zu suchen. Durch meine offene Art über Probleme und Erkrankungen zu reden konnte ich schon ein paar Menschen motivieren Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die andere Erfahrung die ich in meinem Leben machen musste ist, dass man leider nicht jedem vertrauen kann. Daher kann ich es mir gut vorstellen, dass viele Menschen Hemmungen haben offen über ihre Probleme zu reden. Ich kann jedenfalls nur jeden ermutigen den ersten Schritt zu wagen und mit jemanden das offene Gespräch zu suchen, auch wenn man vielleicht enttäuscht werden könnte. Ein bisschen Risiko ist leider immer dabei.
Wie ist das bei euch? Sind psychische Erkrankungen im privaten oder beruflichen Bereich immer noch ein Tabuthema?
Ich denke, dass da oftmals auch zu wenig Verständnis herrscht und es deswegen zum Tabuthema erklärt wird. Oftmals heißt es ja, dass ist eine Kopfsache und man kann es ganz leicht wieder beheben, so leicht ist es eben aber auch nicht und wenn man kein Verständnis hat, ist es wirklich schwer dann auch darüber zu reden.
Meiner Meinung nach ist das ein Thema, über das zu wenig gesprochen wird und das ist schade. Fast jeder hat solche Phasen im Leben und braucht dann vielleicht auch mal Hilfe, schlimm ist das ja nicht, aber keiner traut sich darüber zu reden. Es scheint so als ob keiner verletzlich sein darf, was sehr schade ist, da kein Mensch perfekt ist.
Ich finde es auf jeden Fall sehr gut, dass du dir hast helfen lassen. Ich denke, das viele Leute damit am Anfang ein Problem haben, aber gut, dass du die Kurve bekommen hast.
Ich denke auch, dass psychische Erkrankungen leider immer noch ein Tabuthema sind und von vielen Menschen nicht ernst genommen werden, warum auch immer. So habe ich zum Beispiel auch Kommentare von einem bestimmten User hier im Forum gelesen, der Depressionen als eine Art neuen "Trend" deklariert hat genauso wie Veganismus oder andere Ernährungsformen.
Depressive würden sich nur anstellen und alles dramatisieren, diese Erkrankung gebe es gar nicht, was ich schon heftig finde. Ich hoffe nur, dass so eine Denkweise zur Minderheit gehört, denn das hilft den Betroffenen ja nicht.
Ich denke es kommt größtenteils auch auf die Einstellung des Betroffenen mit dem Thema umzugehen an. Eine Freundin von mir leidet seit über einem Jahr an schweren Depressionen mit Burn-Out und geht sehr offen mit dem Thema um. Sie erzählt ihrem Bekanntenkreis von ihren Wahrnehmungen und Gefühlen und dementsprechend positiv reagiert auch ihr Umfeld auf das Thema. Nur so, kann man meiner Meinung nach, mehr Verständnis in der Bevölkerung für psychische Erkrankungen schaffen.
Da sich jedoch viele Betroffene für ihre psychische Krankheit schämen und sich sogar selbst oftmals nicht eingestehen, dass sie daran erkrankt sind, sind psychische Erkrankungen heutzutage leider immer noch ein Tabuthema. Wenn jedoch immer mehr Betroffene offen zu ihrer Erkrankung stehen und ihrem Bekanntenkreis darüber und über ihre Empfindungen berichten, wird sich das hoffentlich irgendwann ändern.
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