Tod wegen mangelnder Impfung - Schuldgefühle?
Eine Bekannte von mir hat ihren Sohn nicht impfen lassen und bei einem Gespräch in der Familie zählte sie unterschiedliche Beispiele von Familien auf, die ihr Kind wegen einer Impfung verloren hatten. In den meisten Fällen wäre das Kind wegen einer bestimmten Unverträglichkeit oder Veranlagung wahrscheinlich so oder so gestorben, aber das wollen Impfgegner ja nicht hören.
Auf jeden Fall waren die meisten Familienangehörigen nicht ihrer Meinung und von meinem Freund kam dann auch direkt das Argument, dass in Berlin vor kurzem ein Mädchen gestorben wäre, dessen Eltern es nicht gegen Masern hatten impfen lassen. Er fragte dann auch direkt, wie unsere Bekannte sich denn fühlen würde, wenn ihr Sohn an einer solchen Krankheit sterben würde, nur weil sie nichts unternommen hat.
Daraufhin war die Bekannte beleidigt. Ich selbst habe mich aber auch gefragt, wie Familien damit umgehen. Es wird sicherlich viele Fälle von Impfgegnern geben, deren Kinder dann tatsächlich an solchen Fällen sterben. Aber Psychologen sagen ja immer, dass etwas was man nicht getan hat nicht mit so hohen Schuldgefühlen verbunden ist, wie etwas was man getan hat.
Denkt ihr, dass Eltern deren Kinder wegen mangelnder Impfung sich schuldig fühlen und ihre Entscheidung bereuen? Oder bringen sie den Tod nicht in Verbindung mit sich selbst und ihren Taten? Ist das Schuldgefühl größer, wenn das Kind vermeintlich wegen und nach einer Impfung stirbt?
Crispin hat geschrieben:Aber Psychologen sagen ja immer, dass etwas was man nicht getan hat nicht mit so hohen Schuldgefühlen verbunden ist, wie etwas was man getan hat.
Das mag in vielen Fällen stimmen. Aber dies ist ein bisschen anders. Denn es ist üblich, dass man etwas tut. Dass man sein Kind impfen lässt. Die meisten machen es. Daher denke ich, dass in dem Fall die Schuldgefühle doch größer sind, wenn das nicht geimpfte Kind stirbt. Weil man nicht das getan hat, was "alle" machen, was normal gewesen wäre. Ebenso tröstet der Gedanke, dass es alle machen, wenn das geimpfte Kind an der Impfung Schaden nimmt.
Trösten ist das falsche Wort. Ich denke, man hätte in beiden Fällen zunächst schlimme Schuldgefühle. Das gehört zur Verarbeitung. Ebenso wie es meist dazu gehört, anderen die Schuld zu geben. Für eine Zeitlang.
Ich finde das Thema sehr schwierig und bin froh, dass ich mich damit nicht wirklich auseinander setzen muss, weil ich keine Kinder habe. Aber mit diesem großen Abstand denke ich, dass ich mir weniger Schuldgefühle geben würde, wenn ich mein Kind impfen lasse und es einen Impfschaden davonträgt als wenn ich mein Kind nicht impfen lasse und es an der zu impfenden Krankheit erkrankt. Einfach weil es die meisten machen, weil es die meisten Ärzte empfehlen, weil die meisten Studien es belegen.
Ich würde mich sehr schuldig fühlen, wenn ich ein Kind nicht hätte impfen lassen und es würde an Masern sterben. Mein leben wäre dann für mich sinnlos geworden. Aber auf der anderen Seite befinden sich natürlich Eltern in einer Zwickmühle, wenn sie wissen, dass die Kinder eine Allergie bzw oder Unverträglichkeit haben. Solche Kinder sollten zwar auch geimpft werden, aber danach längere Zeit genau beobachtet werden, damit bei Problemen sofort geholfen werden kann. Dann muss es auch nicht zu Sterbefällen kommen.
Dass solche Eltern Angst um ihre Kinder haben, muss jeder verstehen. Je nachdem um welche Impfung es sich handelt, wird auch ein verantwortungsvoller Arzt davon abraten, wenn die Impfung für das Kind zu gefährlich wäre. Aber das betrifft nicht die normalen Impfungen im Kindesalter. Nebenwirkungen durch eine Impfung sollen selten sein. Aber die Gefahr ohne Impfung zu erkranken, ist höher.
Ich denke, dass die Schuldgefühle größer sind, wenn die Eltern das Kind nicht impfen ließen und es passiert ihm etwas. Falls dem Kind aufgrund der Impfung etwas passiert, haben sie wenigstens versucht, es durch die Impfung vor einer schlimmen Krankheit zu schützen. Dass sie nun ihre Kind verloren haben, muss nicht zwangsläufig durch die Impfung passiert sein. Vielleicht hatte das Kind eine Allergie, von denen sie keine Ahnung hatten.
Wie Bienenkönigin schon schrieb, ist es schwierig, hier eine Entscheidung zu treffen. Wenn etwas sein sollte, macht man sich immer Vorwürfe.
In Zusammenhang mit dem Todesfall in Berlin standen in meiner Zeitung vor Kurzem einige Zahlen. Die Chance von Nebenwirkungen bei Masernimpfungen ist kleiner als 1: 1000 000 0 und dem gegenüber steht die Gefahr von schweren Nebenwirkungen, die bis zum Tod führen können bei einer Erkrankung. Diese beträgt 1: 1000. Und die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus ist übrigens fast 1:1, wenn man mit ihm in Kontakt kommt.
Ich verstehe also absolut nicht, was hier genau eine schwierige Entscheidung sein soll. Wenn ich mit dem Virus in Kontakt komme werde ich mich auf jeden Fall anstecken, wenn ich nicht geimpft bin wird die Krankheit auf jeden Fall ausbrechen und einen schwereren Verlauf als bei geimpften Personen nehmen und dann kann ich nur hoffen, dass ich zu dem anderen 999 Personen gehöre, die das statistisch gesehen überleben.
Natürlich würde ich mich schuldig fühlen, wenn ich durch meine Verweigerungshaltung den Tod eines Menschen verursacht hätte. Ich kann mir aber echt nicht vorstellen so etwas zu tun. Ich bin ein rationaler Mensch und die Zahlen sprechen für sich. Da gibt es keine andere, genauso gut begründete, Meinung die man haben kann.
@Cloudy24: Die Zahlen sind ja wirklich erschreckend. Ich finde auch, dass die eigentlich für sich sprechen müssten. Das Problem bei den Kleinkindimpfungen ist, dass es immer Sechsfach, Achtfach, Neunfach-Impfungen sind, die da einem wirklich noch extrem kleinen Menschen gegeben werden. Ich denke, das erschreckt viele Mütter. Hinzu kommt gerade bei Masern, dass vielen die Gefahren gar nicht bewusst sind.
Meine Schwägerin hat sich gegen eine Impfung ihres Kindes entschieden, nachdem der Kleine nach der ersten Impfung drei Tage krank war. Sie hatte ein bisschen was von Impfgegner gelesen. Als ich ihr dann aber sagte, dass die Masern halt auch tödlich enden können, war sie geschockt. Das wusste sie gar nicht.
Deutschland war bis vor einigen Jahren einfach so schön durchgeimpft, dass doch niemand mehr weiß, wie fies die Masern sein können. Frühere Generationen können sich vielleicht daran erinnern, dass Schulkameraden daran gestorben sind. Aber Jüngere kennen das nicht mehr. Die Sensibilität dafür ist verloren gegangen. Viele halten Masern für eine harmlose, aber nervige Kinderkrankheit.
Ich will meine Schwägerin oder andere Impfgegner gar nicht verteidigen. Ich würde mein Kind impfen, aus Verantwortung gegenüber meinem eigenen Kind, aber auch gegenüber anderen, die nicht impfen dürfen und einfach um diese großartige medizinische Errungenschaft voranzutreiben, die es schaffen kann, Krankheiten komplett auszurotten.
Aber ich verstehe auch, dass man sich von den Horrorgeschichten über von Impfungen ausgelösten Autismus beeinflussen lässt. Dass man im Internet sehr leicht auf die negativen Stories trifft und kaum eine Mutter davon erzählt, dass es bei den Impfungen keine Probleme gab. Denn dann gibt es ja praktisch nichts zu berichten. Die Berichte über Nebenwirkungen hingegen sind lang und erschreckend.
Also ich denke, da müsste mehr Aufklärung betrieben werden. Solche Todesfälle sind hierfür gar nicht mal so schlecht, so traurig sie sind. Aber einige werden dadurch die Gefahr erkennen und ihre Kinder doch noch impfen und ihnen so vielleicht das Leben retten.
Im Grunde befürworte ich die Impfungen. Jedoch Skepsis hat man da Ärzte nicht ausreichend aufklären. Denn auch Ärzte müssen Impfqouten erreichen. Und das ist auch ein Knackpunkt des Misstrauens, die Macht der Pharmaindustrie und großen Konzerne über unseren Staat. Ein Beispiel ist die fehlgeschlagene Schweinegrippe-Impfkampagen im Jahr 2010/11. Es wurden mehrer 100 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Da die Schweinegrippe zum Glück nicht ausgebrochen ist.
Es wird durch unsere schlechte Gesundheitspolitik immer mehr Vertrauen verspielt und finanzielle Mittel falsch eingesetzt. Denn Geld zur Aufklärung ist genügend vorhanden. Nicht umsonst wird der aktuelle kleine Masernausbruch als Anlass genommen die Fehler der Politiker nun zu vertuschen. Aber gut lassen wir es dabei.Diese ganze Diskussion ist nur ärgerlich und beschämend für unser Land.
Die Möglichkeit der Aufklärung besteht entweder durch Medien oder Erfahrung-berichten anderer Personen. Wem vertraue ich mehr natürlich den bekannten Personen mit den Erfahrungen und hat eine Gruppe ein schlechtes Beispiel miterlebt Also zum Beispiel ein erkranktes Kind durch eine Impfung. Wird dieser Personenkreis höchtswahrscheinlich nicht impfen.
Aber trotzdem impfen ist wichtig. Und Schuldgefühle hin oder her. Wir werden unser Baby auf jedenFall impfen. Nur wir werden nicht alle Impfungen auf einmal machen, da es immer eine Belastung für den kleinen Körper ist. Doch viele Ärzte machen mehrere Impfdosen auf einmal. Erst ein Piks ins rechte Bein und dann ins linke. Weil auf einem Bein kann man nicht stehen.
Bitte macht euch eure eigenen Gedanken wir ihr am besten impft, denn kommen erst gar keine Schuldgefühle auf. Aber lasst den Kleinen Zeit zum regenerieren und bitte nicht mitreißen lassen von der Angst der Masse in deutschen Landen.
Das ist eine Entscheidung, die Eltern nach besten Gewissen eben für das Kind treffen müssen. Unser Sohn wird alle Impfen bekommen, eben weil ich mir auch nicht vorwerfen will nicht alles für ihn getan zu haben. Ich habe auch alle Impfen bekommen und mir hat das auch nicht geschadet. Wenn mein Sohn aufgrund fehlender Impfen sterben würde, könnte ich mir das nicht verzeihen und würde daran sicherlich zerbrechen, weil es vermeidbar gewesen wäre.
Ich glaube, wenn etwas passiert, was das eigenen Kind betrifft, was man mit einer anderen Entscheidung hätte verhindern können, dann fühlt man sich immer schlecht. Ob das jetzt beim Impfen oder bei anderen Dingen ist.
Das Problem liegt glaube ich eher woanders. Die Ärzte haben heute nur wenig Zeit im Praxisalltag Eltern umfänglich aufzuklären. Dafür findet man überall Informationen zum Thema Impfen. Viele Quellen posaunen total haarsträubenden Mist in die Welt. Ich habe auch mal ein Buch von einem Impfgegner gelesen und war schockiert, wie viel Mist darin stand. Aber nicht jedes Elternpaar hat sich eben schon über Jahre für Medizin interessiert und dann liest man was und glaubt blauäugig, dass das schon stimmen wird, was da steht. Wenn man das unkritisch liest, kann man schon Angst bekommen, denn die Argumente sind schon furchteinflössend, wenn man sie glauben will.
Und viele Impfgegner laufen für ihre Meinung auch offensiv Propaganda. Sie erinnern mich manchmal an die Veganer, die glauben, sie könnten die Welt verbessern, wenn sie andere von ihren Standpunkten überzeugen. Mir hat zum Beispiel auch schon mal eine andere Mutter schwere Vorwürfe gemacht, dass von meinen Kindern so viele Allergien haben, weil ich sie geimpft habe. Dass ich aber auch von Kindheit an viele Allergien habe und das einfach mal vererbt ist, das wollte sie nicht gelten lassen. Sie wirkte da total verbohrt. Ich habe ihr dann einfach innerlich den Rücken gekehrt und mir gedacht, lass sie reden, ich bin besser informiert. Und letztlich, was ist schon so eine Allergie gegen zum Beispiel eine Kinderlähmung. Aber andere Eltern lassen sich von so etwas dann einlullen und haben das gute Gefühl, richtig gehandelt zu haben. Es ist schon irgendwie absurd.
Letztlich muss halt jeder wissen und entscheiden, was er mit seinem Kind macht. Ich kenne auch viele Impfgegner und leider ist es heute nicht mehr die Regel, dass Kinder geimpft werden. Von daher finde ich, ist es eine Überlegung wert, über eine Einführung einer Impfpflicht nachzudenken. Aber auf jeden Fall sollte man verstärkt auf Aufklärung setzen, damit Halbwissen keine Chance mehr hat.
Ich denke das es einfach an der mangelnden Aufklärung liegt und dazu noch Impfgegner mehr Propaganda betreiben als die Befürworter. Ich denke da nur an Videos aus den USA, bei denen ein Mediziner etwas von Impfen ist Völkermord und Sterben auf Raten als Slogans verwendet. Dieses Video wurde Millionenfach angesehen und alleine aufgrund dessen, haben sich auch schon Bekannte dazu entschieden ihre Kinder nicht impfen zu lassen.
Ich habe mich für mein Kind entschieden und somit will ich auch das beste für ihn und ich würde es mir auch nicht verzeihen, wenn er wegen einer fehlenden Impfung sterben sollte oder einen Schaden bekommt. Zudem ich auch in einem Beruf arbeite, bei dem ich viele Krankheiten und Erreger einfach an mir sitzen habe und diese einfach auf ihn übertragen könnte. Nicht selten kommt es vor, dass wir einen Masernfall transportieren müssen oder auch Meningitis. Wenn uns das nicht vorher mitgeteilt worden ist, dann stehen wir ohne Schutzanzug in der Wohnung oder der Praxis und sind bereits kontaminiert worden.
Deswegen bekommt er alle Impfungen und nicht nur die nach der STRIKO Empfohlen werden. So habe ich ihn auch gegen das Rotavirus impfen lassen, obwohl die Wirksamkeit und Verträglichkeit von dieser Impfung nicht besonders gut ist. Aber er hatte nach der Impfung damit weniger Probleme als nach der 6-fach Impfung in Kombination mit den Pneumokokken. Er war danach halt ein wenig weinerlich hatte 1-2 Tage Fieber und die Stelle war geschwollen. Nichts was man nicht mit einfachen Mitteln in den Griff bekommen kann und nach dem schlafen war es immer wieder gut. Dafür hat er nun den Schutz sollte ich etwas nach Hause schleppen und das ist mir persönlich sehr wichtig.
So leid es mir auch tut, ich finde ebenfalls das diese Todesfälle sein müssen damit die Gesellschaft das Thema überhaupt noch wahrnimmt und wieder eine Realität zu diesen Krankheiten herstellen kann. Früher waren Masern an der Tagesordnung, dann eine Zeitlang war das kein Thema mehr durch die Impfungen und nachdem nun immer mehr Eltern ihre Kinder wieder nicht impfen lassen, ist da ganze wieder auf dem Vormarsch.
Ebenfalls würde ich sehr wütend werden, wenn ich erfahren würde das mein Kind sich bei einem anderen angesteckt hat und dieses nur die Krankheit bekommen hat, da es nicht geimpft worden ist. In meinen Augen sind Eltern die nicht impfen lassen einfach nur fahrlässig und spielen mit der Gesundheit ihres eigenen Kindes, aber auch mit der Gesundheit von anderen Kindern mit denen ihr eigenes in Kontakt kommt z.B. in Krippen.
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