Wie genau sollte man sich als Mann mit Periode auskennen?
Normalerweise hat man ja in der Schule Aufklärungsunterricht, so dass man etwa mit zwölf Jahren alles Wichtige zum Thema Sexualität erklärt bekommt. Ich weiß noch, dass das Thema bei mir in der Schule recht ausgiebig behandelt wurde, einmal in der vierten Klasse dann noch einmal in der sechsten Klasse, wobei danach eigentlich keine Fragen mehr offen blieben.
Umso überraschter war ich daher, als ich mich neulich mit Freunden unterhalten habe und wir dabei auf einen Mann zu sprechen kamen, den ich jedoch selbst nicht kenne. Dieser soll wohl nun mit fast dreißig Jahren seine erste Freundin haben und fast aus allen Wolken gefallen sein, als seine Freundin ihre Tage hatte. Er wusste einfach gar nichts darüber und war absolut geschockt über diese Blutung, da er an eine Verletzung dachte.
Ich frage mich wirklich, wie so etwas vorkommen kann. Ein Mann muss ja nicht unbedingt haargenau alles über den weiblichen Körper wissen, aber dass man zumindest grob über die Periode Bescheid weiß, setze ich eigentlich schon voraus. Wie genau sollte man sich als Mann mit der Periode auskennen? Kennt ihr auch Männer, die wirklich nichts darüber wissen? Wie kommt man denn erfolgreich sein ganzes Leben um dieses Thema herum?
Prinzessin_90 hat geschrieben:Wie kommt man denn erfolgreich sein ganzes Leben um dieses Thema herum?
Genau die Frage stell ich mir bei so etwas auch immer. Es gibt so viele Dinge, um deren Wissen ich mich wirklich nicht bemüht habe, aber man kann so vielem doch gar nicht entgehen. Beim Thema Periode gibt es doch immerhin massenhaft Werbung über Hygieneartikel. Hat er da immer die Hände auf die Ohren, die Augen zukniffen und laut vor sich hingesummt?
Ob man noch viel aus dem Schulunterricht der sechsten Klasse weiß, ist immer so eine Sache. Ich habe Mathe, Geschichte und solche Dinge auch nicht in allen Einzelheiten behalten. Dass er nun mit 30 seine erste Freundin hat, war der Sache sicherlich auch eher abträglich.
Also dass er vielleicht überrascht ist über die Dauer ihrer Periode oder wie viele Hygieneartikel sie braucht. Das wäre ja okay. Es ist auch nicht notwendig, dass er genau über den Zyklus, den Eisprung und die fruchtbaren Tage Bescheid weiß.
Aber allein die Tatsache, dass alle Frauen seiner Spezies ein Mal im Monat menstruieren, sollte doch jedem bewusst sein. Einfach nur, weil es bedeuten würde, dass er nicht mit Scheuklappen durch´s Leben läuft. Wer weiß, was er sonst noch alles nicht weiß.
Als Frau bin ich logischerweise mit den biologischen Vorgängen um Pubertät, Schwangerschaft, Menstruation und Wechseljahre zumindest in der Theorie vertraut. Diese Erfahrungen stellen einen so integralen Bestandteil meines Körpers und meiner weiblichen Identität dar, dass ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass jemand so gar keine Ahnung von den ganzen Themen hat.
Andererseits hat mich die Frage zum Nachdenken gebracht. Würde mein Körper anders funktionieren und hätte ich noch nie die Erfahrung wiederkehrender Blutungen mit den ganzen hormonellen Nebenwirkungen gemacht, erscheint es mir auf einmal gar nicht so absurd, nicht allzu viel Ahnung von diesem Thema zu haben.
Die Vorstellung, dass Männer "so was" nichts angeht, ist ja noch nicht so lange überholt. Selbst heutzutage und hier im Forum habe ich schon öfter mehr oder weniger empörte Aussagen mitbekommen, dass es ja fast schon ungehörig sei, dem Partner zu erzählen, dass man Regelschmerzen hat, weil das eine reine Frauensache sei, mit der man Männer nicht belästigt. Von kulturellen Unterschieden möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Wo stammt der gute Mann denn her?
Wenn also dieser Herr um die dreißig ist, kann es schon sein, dass ihn seine Mutter nicht unbedingt live über den weiblichen Zyklus informiert hat. Vielleicht hat er auch keine Schwestern, und wenn er jetzt "erst" seine erste richtige Freundin an Land gezogen hat, war er bisher wohl auch nicht so intim mit dem anderen Geschlecht zugange. Der Bio-Unterricht damals war, wie ich mich erinnere, auch weder besonders "plastisch" noch leicht verständlich gehalten.
Zu meiner Zeit ging es eher um das Zusammenspiel von Hormonen, und weniger darum, wie groß die resultierende Sauerei sein wird und wie man ganz praktisch mit derlei Körperfunktionen umgeht. Ich hätte also sogar Verständnis, wenn der Typ damals mit 12 "Iiih" gedacht und weggehört hätte. Ginge mir nicht anders, aber ich fahre eben das "undichte" Modell.
Aus diesen Überlegungen heraus kann ich mir also doch vorstellen, dass man(n) keine Ahnung vom weiblichen Menstruationszyklus haben kann. Ich kann nur hoffen, dass seine Freundin Lust hat, seine Wissenslücken zu schließen und dass er sich als lernfähig erweist, was die weibliche Anatomie und ihre Funktionsweise angeht.
Meiner Meinung nach sollten auch Männer alleine schon aus dem Biologieunterricht gewisse Grundkenntnisse haben. Ich denke einige Männer interessiert das einfach nicht und deshalb beschäftigen sich auch niemals damit. In dem von dir geschilderten Fall hört es sich eher so an, als ob der Mann geschockt über die Stärke der Blutung war und das kann ich mir durchaus vorstellen, die meisten Männer sehen das ja niemals am lebenden Objekt.
Ich denke mittlerweile werden Männer auch mehr mit in das Thema weiblicher Zyklus einbezogen. Ich habe zum Beispiel eine Freundin die mit NFP verhütet und ihren Freund da total mit aufgeklärt hat und das hat wohl auch ganz gut funktioniert. In den letzten Jahren war das wahrscheinlich nicht so der Fall, da nahezu jede Frau ab Jugendalter mit der Pille verhütet hat und quasi keinen natürlichen Zyklus hat, deshalb denken ja manche Männer auch man könnte einfach so seinen Zyklus verschieben. Jetzt wo Hormone ihren guten Ruf verlieren gewinnt das Thema wieder an Bedeutung.
Ehrlich gesagt frage ich mich auch immer, wie es passieren kann, dass einige Menschen, nicht nur Männer, völlig unerfahren in verschiedenen Teilen der Sexualität sind. Ich verstehe, dass wenn man selber keine Erfahrungen sammeln konnte, dass man nicht mit reden kann, aber das notwendige Wissen kennt man doch durch Schule, TV, Zeitschriften und Freunde.
Ich denke nicht, dass mein Partner nun den kompletten Vorgang der Periode kennen muss. Das stört mich gar nicht. Doch es gibt einen Film Movie 43, wo zwei junge Burschen mit einem Mädchen zusammen sitzen. Bis die beiden merken, dass sie blutet und einen Krankenwagen rufen wollen, weil sie verblutet und weiß der Geier. Dort wurde die Szene völlig übertrieben darstellt, ist auch ein alberner Film, aber manch ein Kerl ist ja wirklich so!
Das muss ich wirklich nicht haben, mein Partner weiß, dass es die Periode gibt. Er kennt den Vorgang, aber mehr muss er nicht wissen. Was soll man auch wissen? Das wir Frauen manchmal Unterleibsschmerzen haben, das merkt er! Schlechte Laune? Sah er auch bei seiner Schwester. Er ist eben entsprechend informiert, aber wirklich so starkes Interesse besteht da auch nicht, muss es ja auch nicht. Er hat die Periode ja auch nicht, sondern ich!
Doch ich finde, dass Mann zumindest überhaupt etwas wissen sollte. Das gehört für mich irgendwie zur "Grundbildung" dazu oder nicht? Es sollte also zumindest bekannt sein, dass Mann einen Stimmbruch bekommt, Frauen die Periode und dickere Brüste etc. Also die Grundkenntnisse sollten auch in puncto Periode da sein.
Durch den Biologie-Unterricht hat man(n) ja gewisse Grundkenntnisse, was Menstruation und Schwangerschaft angeht. Mir ist klar, dass ein Mann nie erfahren kann, wie viel Blut denn da rauskommt oder wie lange die Blutungen so im Schnitt anhalten können, wenn sie das nicht am "lebenden Objekt" selbst mitbekommen und erleben. Mir persönlich reicht es schon, dass ein Mann weiß, dass eben die Periode ein Zeichen für Nicht-Schwangerschaft ist und dass das eben normal ist und man nicht beim ersten Anzeichen nicht direkt den Krankenwagen rufen muss, weil frau angeblich verblutet.
Ich weiß ja durch die Pillenpause immer sehr genau, wann meine Periode kommen wird. Früher hatte ich einen eher unregelmäßigen Zyklus von 28-32 Tagen, da hätte man das nicht so präzise vorhersagen können. Damals war die Blutung auch stärker und länger. Ich weiß auch immer, wann sie kommt, kann spätestens im Kalender nachschauen, wann die Pillenpause sein wird. Aber mein Freund scheint da kein Zeitgefühl zu haben. Wenn ich den anschaue, habe ich manchmal den Eindruck, als ob ich nach seinem Empfinden "ständig" die Periode hätte.
Das Thema kam in unserer Beziehung vor einigen Monaten auf, wobei mein Freund eher überrascht war, wie viel Blut da eigentlich rauskommt und dass es mit einem Tampon nicht getan ist. Aber so etwas kann man auch nicht wissen, wenn man das nicht selbst sieht und Angst haben muss, dass etwas daneben geht, weil der Tampon zu voll ist.
Ich finde, ihr solltet nicht so auf dem Biologie-Unterricht herumhacken. Unterricht findet niemand spannend und ihr wisst sicherlich vieles andere auch nicht mehr, was mal irgendwann im Unterricht behandelt wurde. Oder weiß noch jemand aus den Bio-Stunden, wie Mitose und Energiegewinnung in Mitrochondrien genau ablaufen? Welche chemischen Schritte das Umwandeln von Licht durch Blätter abhandelt? Bestimmt nicht, das interessiert einen als Schüler nicht, das hört man mal, lernt es eventuell für einen Test auswendig und vergisst es dann wieder.
Ich denke auch, dass muss ein Mann nicht wissen - also nicht die Sache mit den Mitrochondrien, sondern das Wesen der weiblichen Blutung. Das muss ja auch nicht sein. Jeder kann es handhaben, wie er will, aber ich rede mit meinem Freund nicht darüber, das habe ich auch nie gemacht, das hat auch normalerweise keiner mitbekommen, wenn ich meine Regel hatte und ich lagere auch mein Zubehör so, dass es keiner sieht.
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