Welchen Sinn hat die Kollekte in der Kirche?

vom 15.09.2015, 08:38 Uhr

Ich war am Sonntag bei einer Kindstaufe und war zum ersten Mal wirklich bewusst bei einem evangelischen Gottesdienst. Dort wurde dann auch eine Kollekte herumgereicht, die angeblich für die Ebola-Betroffenen in Afrika eingesammelt werden würde. Draußen vor dem Saal wollte auch irgendwo die Spende für die Weltmission eingesammelt werden.

Ich habe den Sinn dieser Spendensammlungen nicht wirklich verstanden. Ich bin in diesem Punkt eher radikal und finde, dass man entweder alles über Spenden finanzieren sollte oder eben alles über die Kirchensteuer, also vom Staat. Ich finde es offen gesagt ziemlich unverschämt, wenn die Kirche nicht bereit ist, das eigene Geld (aus der Kirchensteuer) für solche Zwecke auszugeben und finde das auch nicht richtig. Ich habe jedenfalls nichts gespendet, weil ich mir auch nicht vorstellen kann, dass das Geld wirklich da ankommt, wo es angeblich hinkommen soll.

Welchen Sinn hat die Kollekte in einer Kirche, wenn doch alles (also auch Gehälter, etc.) über die Kirchensteuer finanziert wird? Ist das nicht irgendwie unverschämt, über die Kirchensteuer hinaus noch Geld von den Leuten zu verlangen?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Welchen Sinn die Kollekte in der Kirche hat, das kommt zuerst einmal darauf an, in welcher Kirche du warst. Die katholische Kirche geht anders damit um als die evangelische, die evangelischen Freikirchen sind noch einmal anders organisiert.

Das Geld kann also für einen bestimmten Zweck sein oder der jeweiligen Gemeinde zufließen. Kaffeekränzchen für Senioren und Aktionen für Kinder kosten aus Geld, das lässt sich alles nicht allein aus der Kirchensteuer finanzieren. Dazu kommen die kirchlichen Hilfsaktionen, die durchaus von der Kirche aus der Kirchensteuer finanziert werden, aber eben auch auf zusätzliche Spenden angewiesen sind.

Niemand verlangt, dass du diese Vereine toll findest. Aber wie wäre es mit etwas Toleranz? Oder hat dich jemand gezwungen, den Zehnten in den Beutel zu werfen? Gespendet wurde schon, als Kirchen noch Tempel waren und die Götter angebetet worden sind.

Die Kollekte hat eine lange Geschichte. In den Anfängen des christlichen Glaubens haben die Gläubigen Brot und Wein für die Eucharistiefeier selbst mitgebracht. Dabei blieb viel viel übrig, was im Anschluss an den Gottesdienst an die Armen verteilt wurde. Aus dieser Tradition heraus entstand die Kollekte.

Und da nach christlicher Auffassung "Geben seliger denn nehmen" ist (Apostelgeschichte, Neues Testament, Paulus zitiert Jesus), ist es vielen Gläubigen ein Bedürfnis, zusätzlich zu der anonym abgebuchten Kirchensteuer noch etwas mehr zu geben. Warum gönnst du ihnen das nicht?

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Ich gehe nicht regelmäßig, aber doch häufiger in die Kirche und bin darum schon an die Kollekte gewöhnt, die jeden Sonntag eingesammelt wird. Dort wird immer für einen bestimmten Zweck oder Verein gesammelt, wie zum Beispiel "Brot für die Welt" oder so etwas. Auch für die eigene Gemeinde wird schon mal gesammelt, wenn eben eine Veranstaltung ansteht. Ich finde das nicht schlimm und bin auch immer gerne bereit, die Projekte zu unterstützen, vor allem, wenn ich die Arbeit der Projekte kenne.

Sicher bekommen die Gemeinden auch Geld von der Kirchensteuer, aber wenn man mal sieht, was viele Gemeinden ihren Mitgliedern bieten, dann ist es auch klar, dass sich das nicht alleine durch die Steuern finanzieren lässt. Außerdem ist es eben eine lange Tradition, dass die Besucher des Gottesdiensts auch etwas geben, damit eben Projekte unterstützt werden können, die denen helfen, denen es nicht so gut geht.

» Barbara Ann » Beiträge: 28945 » Talkpoints: 58,57 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



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