In welchen Bereichen werden Graphologen beschäftigt?
Ich kann mich noch gut an den Schulunterricht in den letzten Jahren der Gymnasialzeit erinnern, an Unterrichtsstunden, in denen es darum ging, wie eine vernünftige Bewerbung aussehen sollte. Natürlich ging es dabei auch darum, welche Anlagen so ein Bewerbungsschreiben haben sollte, und was für Dokumente einen guten Eindruck machen würden. So kann man ja, neben bisherigen Arbeitszeugnissen, auch einige andere Dokumente anhängen, beispielsweise solche, die auf bestimmte Sprachkenntnisse oder auf Kenntnisse in unterschiedlichen Programmiersprachen hinweisen. Eben ganz je nachdem, für welchen Bereich man sich bewirbt.
Eine Sache gab es, die immer als Negativbeispiel benannt worden ist, also als etwas, was man bloß nicht einer Bewerbung anhängen sollte: das ominöse "graphologische Gutachten". Bis dahin hatte ich keinerlei Ahnung, was das überhaupt sein sollte, und offenbar stand ich mit meinem Unwissen auch nicht alleine in meiner Klasse da. Heute weiß ich allerdings natürlich, dass die sogenannte Graphologie sich damit beschäftigt, aus Handschriften angeblich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften herausdeuten zu können.
Die meisten Menschen allerdings halten die Graphologie für eine Pseudowissenschaft, die keinen wirklichen Wert hat. Verschiedenste Studien sollen zu dem Ergebnis gekommen sein, dass Handschriften keinerlei wirkliche Aussage über eine Person machen würden. Zwar sei es durchaus in einigen Fällen möglich, zu sehen, ob eine Schrift sorgfältig geschrieben oder einfach achtlos hingeschludert worden ist, aber die typischen graphologischen Interpretationen, die beispielsweise auch mit einbeziehen, ob eine Schrift nach links oder nach rechts gekippt ist, ob die Bögen eher eckig oder eher rundlich aussehen, oder, um noch ein Beispiel zu nennen, die Großbuchstaben eher groß oder eher klein ausfallen würden, seien eigentlich ziemlich unsinnig.
Ich frage mich, da ja offenbar ein großer Konsenz darüber herrscht, dass Graphologie bloß Unsinn darstellt, wer eigentlich überhaupt noch Graphologen einstellt? Gibt es tatsächlich Unternehmen, die die Bewerbungsunterlagen durch Graphologen durchsehen lassen? Oder war das früher mal üblich? Wenn ja, wann war das? Oder kann man vielleicht sagen, dass in bestimmten Berufsgruppen häufiger Graphologen eingesetzt werden, während man die in anderen Berufsgruppen bei der Personalabteilung absolut niemals finden dürfte?
Die Grafologie war vor Ewigkeiten mal ein Hype, an den ich mich auch noch erinnere. Damals lobten sich nicht wenige, teils selbst ernannte Experten in den Himmel, weil sie glaubten, sie könnten diese oder jene Charakterzüge aus Handschriften lesen. Erfreulicherweise gehört das der Vergangenheit an. So ist auch kein Bewerbungsschreibender mehr genötigt, sich die von Grafologen am besten beurteilte Schrift krampfhaft anzueignen, um eine Lehrstelle zu bekommen.
Soweit mir bekannt ist, sind echte Experten nur noch da am Werk, wo es um die Zuordnung von echten archäologischen Funden zu bestimmten Schreibern der Vergangenheit geht.
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