Amerikanische Zustände bald auch in Deutschland?

vom 31.07.2015, 07:39 Uhr

Ich sehe mir gerne Programme von Kabarettisten an, besonders interessiert mich das politische Kabarett, sodass ich vor kurzem zufällig auf den Kabarettisten Volker Pispers gestoßen bin und einen aktuellen Auftritt von ihm ganz aufmerksam verfolgt habe. Er hat auch sehr viele interessante Aspekte genannt, die irgendwo auch zum Nachdenken anregen.

So hat er an einer Stelle gesagt, dass in den USA das "Endstadium des Kapitalismus" herrschen würde und dass wir in Deutschland auch bald solche Zustände entwickeln würden, wenn wir weiter den Kapitalismus in der bisherigen Form praktizieren würden. Unter "Endstadium des Kapitalismus" versteht er persönlich, dass sich die Reichen in so genannten gated communities abschotten, bewaffnen und vor den Armen verteigigen müssen.

Er versteht darunter auch, dass die Mittelschicht quasi gar nicht existent ist und bei den Armen jeder gegen jeden kämpft um zu überleben. Inwiefern seiner Meinung nach die Macht der Waffen-Lobby eine Rolle dabei spielt hat er nicht gesagt. Diesen Faktor sollte man jedoch auch nicht außer Acht lassen, da hier die Waffengesetze viel strenger sind als dort.

Was denkt ihr darüber? Wird es solche amerikanischen Zustände, die er als "Endstadium des Kapitalismus" anprangert, bald auch in Deutschland gang und gäbe sein? Warum? Warum nicht?

Benutzeravatar

» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich denke, dass ein Trend ganz klar erkennbar ist. Vielleicht sehe ich diesen nur, weil ich älter und erfahrener werde, aber mir kommt es schon so vor, als ob nur noch Geld und Lobbyismus regiert. Es kommt mir ebenfalls so vor als werde das immer schlimmer. Es scheinen jetzt schon viele Entscheidungen der Politik und speziell der EU-Politik nur dadurch in Gang gebracht und entschieden, dass Lobbyisten die Politiker beeinflussen.

Entwürfe für Privatisierung des Grundwassers durch die EU oder notwendige Zertifizierung von Saatgut, die privat gezüchtete Sorten offiziell illegal machen würden, sind für mich deutliche Zeichen dafür, dass es nicht mehr darum geht Entscheidungen zum Wohle der Bürger zu treffen, sondern nur zum Vorteil von großen Konzernen, die damit den Griff immer fester um allgemeine Güter und die Menschen schlingen können.

Weitere aktuelle Beispiele betreffen zum Beispiel TTIP, wo Konzernen effektiv ein Mittel gegeben werden soll gegen politische Entscheidungen und Gesetze vorzugehen, wenn diese ihre eigenen Gewinne beeinträchtigen könnten. Auch die Entscheidung über das weit eingesetzte Pestizid Glyphosat ist mehr als fragwürdig, wenn von der Kommission, die ein Freigabe beurteilen soll, scheinbar schon vor der Untersuchung bezüglich einer möglichen Karzinogenität eine Entscheidung getroffen wurde und sie sogar Leserbriefe von Mitarbeitern des Herstellers als Studien ausgibt.

Auch in den Kopf kommt mir das Gesetz bezüglich Fracking. Jeder Mensch, der sich einmal mit den Folgen von Fracking in den USA auch nur kurz beschäftigt hat, muss doch aufschrecken und um jeden Preis verhindern wollen, dass so eine Möglichkeit in Deutschland überhaupt nur in Betracht gezogen wird. Aber scheinbar gibt es eben doch einen Preis, der hoch genug ist.

Also ja, der Kapitalismus frisst sich durch Deutschland und durch die EU und ich denke, dass es schlimmer werden wird. Es stehen jetzt wohl schon weniger als 800 Abgeordnete stolzen 30.000 Lobbyisten gegenüber.

Ich frage mich hin und wieder, ob ich wohl noch zu meinen Lebzeiten miterleben werde, wie weltweit ganze Regime gestürzt werden. Einen solchen Sturz gab es mit dem Ostblock ja schon und irgendwann wird der Unmut wohl auch bei uns groß genug sein.

» Malefactum » Beiträge: 132 » Talkpoints: 69,24 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^