Höhere Säuglingssterblichkeit bei Migranten in Deutschland?

vom 14.06.2015, 17:16 Uhr

Ich hatte vor einigen Tagen ein Vertiefungsseminar, das sich mit gesundheitlichen und kulturellen Fragestellungen beschäftigt. Diesmal ging es um das Thema Migration und Gesundheit, wobei der Referent dann in einem Nebensatz meinte, dass die Migranten in Deutschland in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts eine viel höhere Säuglingssterblichkeit aufweisen würden als die Einheimischen hierzulande.

Leider hatte ich gar keine Gelegenheit dort meine Frage zu stellen, also möchte ich das hier tun. Mir ist nämlich nicht so ganz klar, warum das so ist. Ich meine, die hygienischen Standards in den Krankenhäusern sind ja soweit in Ordnung, denn sonst wäre die Säuglingssterblichkeit bei Einheimischen und Migranten ja gleich hoch.

Hängt das möglicherweise mit dem Impfstatus zusammen, der im Ausland nicht immer optimal ist, sodass die Mütter unter den Migranten mit vielen neuen Keimen konfrontiert werden, mit denen die Babys nicht klar kommen? Wie erklärt ihr euch dieses Phänomen?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Der Impfstatus hat wenig damit zu tun. Migrantinnen, die erst kurz in Deutschland sind, haben in vielen Fällen viel weniger Vorsorge betrieben, als es sinnvoll und üblich ist. Dazu kommt der Stress in einem fremden Land zu sein. beides ändert sich, wenn Menschen länger hier sind. Sie nehmen die normale Vorsorge war und fühlen sich sicherer.

Eine kleinräumige Studie im Bereich Bielefeld zeigt, dass Kinder von Migrantinnen eher früh nach der Geburt sterben. Sie werden im Vergleich öfter zu leicht oder zu früh geboren. Später sterben nicht mehr so auffällig viele Kinder von Müttern mit Migrationshintergrund. Es hat also wenig mit der Art der Versorgung der Kinder zu tun. Die Probleme liegen eher in der Schwangerschaft.

Je nach Kulturkreis bringen Mütter eben verschiedene Probleme mit. Es kann an sehr jungen Müttern liegen, auch viele Schwangerschaften in kurzen Abständen begünstigen zu leichte oder zu früh geborene Kinder. Dazu kommt die mangelnde medizinische Überwachung in vielen Ländern. Leben Familien länger hier, passen sie sich durchaus immer stärker an. Es werden weniger Kinder geboren, die Mütter sind älter und die hier übliche medizinische Versorgung ist bekannt.

Dazu kommt, dass solche Studien immer nur nach Migrationshintergrund gehen. Woher und warum eine Frau hier ist, das wird nicht in die Studie mit einbezogen. Dass eine Schwangere, die aus einem absoluten Krisengebiet kommt, eher Komplikationen haben wird, als eine Frau, die schön länger hier lebt, dürfte aber jedem klar sein.

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


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