Häuser neben Kirchen - Beschwerde wegen Kirchenglocken?

vom 01.03.2015, 20:34 Uhr

Mein Freund wohnt in der Nähe einer Kirche und hier läuten die Glocken natürlich jeden Sonntag und auch Samstags und an anderen Tagen wo geheiratet oder beerdigt wird. Das wusste er aber, als er eingezogen ist und hat sich daran gewöhnt. Vor kurzem ist aber auch ein anderer Mann neu eingezogen und diesem ist offenbar erst nach dem Einzug aufgefallen, dass die Fenster nicht gerade gut isoliert sind und das man die Kirche gut hören kann.

Seitdem versucht er die anderen Mieter dazu zu überreden sich an einer Beschwerde an die Vermieterin zu beteiligen. Er möchte, das alle Fenster in seiner Wohnung durch bessere, schallisolierte Fenster ausgetauscht werden, damit er die Kirchenglocken nicht mehr hören muss. Ich denke nicht, dass er das durchsetzen kann, finde den Versuch aber auch etwas dreist.

Kann man sich über die Lärmbelästigung von Kirchenglocken beschweren, wenn einem doch vor dem Umzug bewusst war, das nebenan eine Kirche steht? Kann man den Vermieter dazu zwingen, die Fenster gegen besser isolierte Fenster auszutauschen? Würdet ihr das auch versuchen, wenn ihr wüsstet, dass ihr das dürft?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich bin mir sicher, dass es diverse Gerichtsurteile zum Lärm von Kirchenglocken gibt und, dass man da ziemlich schlechte Karten hat, wenn sich die Kirche an die üblichen Ruhezeiten hält, also nicht mitten in der Nacht losbimmelt.

In diesen Urteilen geht es zwar um Klagen gegen den Lärm der Kirchen, aber wenn man den Kirchen den Lärm nicht verbieten kann, liegt das doch wahrscheinlich daran, dass die Richter den Lärm als erträglich und nicht gesundheitsschädlich einstufen. Also kann man dem Vermieter doch eigentlich auch nicht dazu zwingen zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu unternehmen, oder?

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Also wer schon mal an einer Kirche vorbeigelaufen ist, während die Glocken geläutet haben, und das ist wahrscheinlich jeder schon mal, der sollte eigentlich wissen, dass das keine leise Angelegenheit ist und man es wahrscheinlich auch noch im Inneren von Häusern deutlich hört. Wer in ein Haus direkt neben einer Kirche zieht, ist also eigentlich selber schuld, wenn es ihm dann zu laut ist. Zumindest hätte sich der betreffende Herr die Fenster vor dem Einzug genauer anschauen und auch Fragen stellen können.

Bei Vermieter wird er sicher nichts erreichen, da Kirchengebimmel kein Mietmangel ist. Wenn die Fenster wirklich alt sind, könnte er eher damit durchkommen, dass sie vielleicht auch undicht sind und im Winter Kälte reinkommt, aber nicht wegen mangelnder Schallisolierung.

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» Jessy_86 » Beiträge: 5456 » Talkpoints: 0,18 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Wir haben einige Jahre neben einer Kirche mit weltlichem Geläut gewohnt. Weltliches Läuten stammt aus dem Mittelalter und ersetzte die in der Bevölkerung fehlenden Uhren. Die Glocke schlägt dann zur vollen Stunde die jeweilige Uhrzeit, also nachts um 12 volle 12 mal. Um viertel nach einmal, um halb zweimal, um viertel vor dreimal und dann wieder die volle Stunde.

Man gewöhnt sich sehr gut an das Geläut, meist fällt es gar nicht mehr auf. Für die weltliche Nutzung der Glocken gilt die Meinung der Mehrheit. Liegen nur wenige Beschwerden vor, muss man es akzeptieren. Es stört nur wenig, eigentlich kennt man unterschwellig immer die Uhrzeit.

Kirchliches Läuten ist dagegen deutlich lauter. Aber selbst wenn dreimal zum Gebet, zum Gottesdienst, zum Abendmahl und zu besonderen Anlässen die Glocken schlagen, ist das gut auszuhalten. Man weiß doch recht gut, worauf man sich einlässt. Die kirchliche Nutzung der Glocken ist doch sehr bekannt. Über das weltliche Läuten kann man eher überrascht sein, das ist eine regionale Geschichte. Aber das kann man bei der Besichtigung nicht überhören.

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Wenn ich in ein Haus in Kirchennähe ziehe,ist mir bekannt, dass die Glocken läuten. Der Mieter kann doch wieder ausziehen, wenn ihm das nicht passt. Ich wohne nicht neben einer Kirche, aber ich höre trotz neuer Fenster die Glocken von zwei Kirchen. Das Geläute hat mich noch nie gestört. Es ist ja nicht nachts. Anfangs als wir hier herzogen, gab es auch weltliches Läuten, wie Cooper75 berichtete, aber das gibt es nicht mehr, warum - keine Ahnung. Vielleicht haben sich Anwohner dadurch belästigt gefühlt.

Es ist aber auch komisch. Einige beschweren sich über die Kirchenglocken, dass sie zu laut sind und wiederum andere schimpfen über das Krähen eines einzelnen Hahnes in der Nähe. Obwohl der Hahn früher da war, versucht man, ihn zu verscheuchen. Manche Menschen suchen immer einen Anlass für Streit. Und dieser Mieter kann doch den Vermieter nicht zwingen, wegen des Geläutes der Kirchenglocken neue Fenster einzubauen. Es gibt doch eine Alternative für ihn.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Ich denke nicht, dass eine Beschwerde viel Sinn macht, vor allem wenn dann noch die Nachbarn nicht mitziehen und sagen, dass sie es doch vorher wussten. Ich denke mal, dass der neue Nachbar deines Freundes vielleicht nicht darüber nachgedacht hat, was es bedeutet, wenn man in eine Wohnung zieht, die in der Nähe einer Kirche gelegen ist. Dann ist es doch klar, dass auch mal die Glocken läuten.

Aber wenn bei der Wohnungsbesichtigung gerade keine Glocken läuteten, dann hat er auch nicht hören können, wie es sich in der Wohnung anhören würde. Ich denke aber, dass man sich schnell daran gewöhnt und das Geläut bald gar nicht mehr wahrnimmt. Ich würde mich gerade als jemand, der schon länger dort wohnt, nicht an der Beschwerde beteiligen, weil das so plötzlich doch schon komisch aussähe. Aber auch sonst würde ich mich nicht direkt deswegen beschweren, sondern erst mal schauen, wie ich mich an die Glocken gewöhne.

» Barbara Ann » Beiträge: 28945 » Talkpoints: 58,57 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Oh, Cid vertue dich nicht. In meinem sehr traditionsverbundenen Dorf war das weltliche Läuten rund um die Uhr in seiner vollen Pracht zu hören. Aber es war einerseits leiser als das kirchliche Geläut, andererseits gewöhnt man sich an dieses kurze Gebimmel sehr gut. In der Nacht habe ich es nur gehört, wenn ich sowieso wach war. Auch am Tag ist meist gar nicht ins mein Bewusstsein vorgedrungen, obwohl es natürlich gut hörbar war.

Kirchliches Läuten erreicht da eine ganz andere Qualität. Aber genau das hat doch schon jeder mal erlebt. Es ist absolut lebensfremd anzunehmen, dass man neben einer Kirche wohnt und nichts hört. Wenn mich das stört, dann muss ich eben eine andere Wohnung suchen.

Ich habe zum Beispiel mein Arbeitszimmer zu dem Schulhof einer Grundschule heraus. Den ganzen Tag höre ich das Läuten und in den Pausen sind die Kinder nun auch nicht das, was man als leise bezeichnen kann. Als ich die Wohnung besichtigt habe, waren gerade Ferien. Aber die Lebenserfahrung sagt einem dann doch, dass man zu anderen Zeiten mit einem gewissen Lärmpegel leben muss. Das ist bei Kirchen, Tankstellen, Schulen, Kindergärten und zig anderen Dingen so. Beschweren kann man sich dann, wenn sich plötzlich etwas arg zum Nachteil ändert.

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



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