Mit Schmusetier ins Heim ziehen

vom 19.11.2014, 21:05 Uhr

Drei Altenwohnheime haben sich nun hier entschlossen, dass ältere Menschen auch ihre tierischen Freunde, an die sie sich jahrelang gewöhnt haben, mit in die neue Unterkunft nehmen können. Nun müssen sie ihre Lieblinge nicht mehr weggeben, wenn sie umziehen.

Der Umzug in eine neue Umgebung ohne Hund oder Katze hat die Senioren traurig und sogar depressiv gemacht. Sie machten sich Sorgen, wie es ihren Tieren ohne ihre Fürsorge wohl ging. Sie haben einfach Angst um das Wohlergehen ihres treuen Tieres. Manch einer ist darüber immer einsilbiger geworden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Person sich selbst um das Tier kümmern kann und mit ihm Gassi geht.

Somit hat der Tierbesitzer auch weiterhin eine Aufgabe, die sehr wichtig ist. Auch die regelmäßigen Spaziergänge wirken sich auf die Gesundheit aus. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass mehr Leben durch die Tiere auch andere Bewohner ansteckt, die sich dann auch um die Tiere kümmern.

Witzig ist, dass bereits das Hasengehege im hauseigenen Garten ein beliebter Treffpunkt geworden ist. Man muss abwarten, wie sich diese Neuerung noch anderweitig positiv auswirken könnte. Ich finde es sehr schön, dass nun keiner mehr sich um den Verbleib der Haustiere Sorgen machen muss. Die Bewohner haben etwas zum Kuscheln, Liebhaben und Versorgen.

Die Seniorenheime freuen sich auch über Besucher, die ihre Tiere mitbringen. Hofft ihr auch, dass das Beispiel weitere Kreise zieht und die Heime überall dazu übergehen, Senioren mit Tieren aufzunehmen? Glaubt ihr, dass das therapeutischen Zielen dienen könnte?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich finde, dass das eine ganz tolle Idee ist, solange man sich noch selbst um sein Tier kümmern kann. Nicht immer sind die Verwandten in der Lage, das Tier zu übernehmen und dann plagt man sich mit Schuldgefühlen und Sorgen.

Ich hatte meine Katze aus dem Tierheim geholt und die Mitarbeiterin sagte mir auch, dass sie zu einer alten Frau gehörte, die sie nicht mit ins Altersheim nehmen konnte. Man merkte meiner Katze auch an, dass sie getrauert hat und bis eine Bindung da war, ist viel Zeit vergangen.

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» ninjafan » Beiträge: 1455 » Talkpoints: -0,16 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Prinzipiell ist die extrem gut. Welche guten Erfahrungen mit Tieren in und um Altenheime gemacht werden, zeigt das Haus Müller. 60 Bewohner und 200 Tiere vom Ziervogel bis zum Pferd bevölkern die riesige Anlage.

Wenn ich mir die Heime in meiner Umgebung anschaue, dann ist das allerdings nur ein Wunschtraum. Hier sind Doppelzimmer noch die Regel. Außengelände ist sozusagen nicht vorhanden.

Wie möchte man das dann regeln, wenn ein Bewohner eine Allergie hat oder sich Tiere nicht vertragen? Gassi gehen entfällt leider auch, zumindest wenn es mehr sein soll, als die Hauptverkehrsadern abzuwandern. Da gilt dann schon der Kanarienvogel im Aufenthaltsraum als fortschrittlich.

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Ich hatte den Beitrag erst falsch eingeschätzt, denn unter Schmusetier verstehe ich eher ein Plüschtier und nicht ein Haustier. Von daher hatte ich eher aus Neugier hier mal rein gesehen.

Aber ja, ich finde das richtig. Warum sollte man alten Menschen solche Lebensqualität verwehren? Und selbst wenn ein Senior nicht mehr so gut zu Fuß ist, findet sich vielleicht ein anderer Bewohner, der mit zwei kleinen Hunden Gassi geht und damit eine schöne Aufgabe hat.

Ich stelle mir das Leben in einem Altersheim sowieso grenzenlos langweilig vor. Zumindest nach dem, was ich bislang in dem einen oder anderen Heim so gesehen habe. Da können Tiere durchaus Abwechslung bringen und die Menschen dort aufheitern und aus dem Trott herausreißen. Immer nur Fernsehen oder Kaffeeklatsch, Stuhltanz und Bingo, das würde mir im Alter wahrscheinlich total auf den Nerv gehen.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Ich sehe diese Entwicklung nicht so positiv und das liegt daran, dass ich in einem Altenheim tätig bin. Bei uns gibt es Hasen und Vögel im Heim. Die Vögel findet man auf 2 Ebenen und man kann sie jederzeit besuchen. Zudem kommen regelmäßig Hunde auf die Stationen und gehen dann auch in jedes Zimmer, zu jedem Bewohner, wobei der Bewohner dies auch ablehnen kann.

Sollte nun jeder sein Haustier mitbringen finde ich es sehr schwierig, weil die meisten Leute schon nicht mehr so gut zu Fuß sind oder sich die Tiere ja auch untereinander nicht so gut verstehen können. Zudem wohnt ja auch nicht jeder im Zimmer alleine und die Zimmer sind auch nicht so groß wie eine Wohnung.

Ich bringe den Leuten das Essen auch auf die Zimmer. Wie soll das denn mit Katzen sein oder mit Tieren, die mir ewig im Weg umherstehen oder dann hinaus laufen, wenn ich die Tür aufmache? Das stelle ich mir sehr schwierig vor, wobei ich auch der Meinung bin, dass Tiere für alte Leute wichtig sind und es auch wichtig ist eine Aufgabe zu haben. Die Umsetzung des Ganzen finde ich aber mehr als schwer, weil eben auch nicht jeder gleich gesund ist und gerade demente Personen auch gefährlich für so ein Tier sein können. Für das Tier ist das ja auch Anstrengung, wenn nicht alle so sind, wie man es kennt und spezielle Ausbildungen kann man ja mit dem Tier auch nicht noch mal schnell machen.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich hatte hier auch geschrieben, dass es Voraussetzung ist, dass sich der Tierbesitzer selbst um sein Tier kümmern kann. Natürlich dürfte das bei einem dementen Heiminsassen nicht so prickelnd sein, Ramones, das ist mir klar. Normal in einem Altenheim dürfte auch sein, dass alle im Esssaal zu Mittag essen und nur diejenigen das Essen aufs Zimmer bekommen, die so krank sind, dass sie nicht zum gemeinsamen Essen kommen können.

Hier geht es höchstens so, dass stundenweise jemand mit einem Tier den Kranken aufmuntert. Das aber dürfte kaum störend für dich oder andere Arbeitskräfte im Heim sein. Ein bettlägeriger Kranker kann sich nicht um ein Tier kümmern, so war das auch nicht gemeint und so hatte ich es nicht geschrieben. Es ist auch gut, wenn mal jemand für eine halbe oder Stunde mit einem Tier zu einem Kranken geht und ihn aufmuntert.

Es ist aber auch nicht so, dass jeder ein Haustier hat, der in ein Altenheim zieht. Wer keine Tier mag, kann das deutlich sagen und darum bitten, dass man ihn damit verschont. Dafür wird jeder Verständnis haben.

Ich finde es trotzdem gut, dass die Bewohner ein bisschen Ablenkung haben und sich nicht trennen müssen von ihren Tieren. Ist es in Altenheimen wirklich noch so, dass Zweibettzimmer existieren?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Cid hat geschrieben:Ist es in Altenheimen wirklich noch so, dass Zweibettzimmer existieren?

Hier in der ganzen Gegend ist das der Standard. Daher kommen die meisten Menschen hier erst dann ins Heim, wenn sich garantiert nicht mehr um ihr Tier kümmern können. Wer möchte denn unter solchen Bedingungen seinen Lebensabend fristen?

Langsam wird umgebaut und modernisiert. Aber das betrifft nur die leicht Pflegebedürftigen, die eigentlich mit ein wenig Unterstützung auch noch gut allein zurecht kämen. Sobald es an Pflegestufe 2 oder gar 3 geht, ziehen die Leute hier ins Doppelzimmer. 25 qm für zwei sich völlig fremde Menschen, die kein einziges Möbelstück mitnehmen können. Diese Bewohner machen in den meisten Einrichtungen hier bei uns 70 bis 90 Prozent der Bewohner aus. Und so ein traumhaftes Doppelzimmer kostet dann bei Pflegestufe Null auch gleich 2.700 Euro pro Monat. Davon entfallen rund 550 Euro für die Kaltmiete und 420 Euro auf das Essen. Nebenkosten für die Wäsche, den Strom, etc. kommen natürlich noch da oben drauf. Für die Pflege werden dagegen dann nur knapp 1.000 Euro berechnet.

In meiner Nachbarschaft leben massig Senioren, die brauchten dringend Hilfe. Aber die quälen sich in stundenlanger Kleinarbeit in den Bus und zum Supermarkt oder sitzen bei minimaler Pflege in verkommenen Wohnungen, weil sie da auf gar keinen Fall hinwollen. Ihr Leben ist zwar trist und beschwerlich. Aber es ist selbstbestimmt und sie bestimmen über mehr als 100 Euro Taschengeld abzüglich der Zuzahlungen für Medikamente. Es ist einfach entwürdigend!

» cooper75 » Beiträge: 13432 » Talkpoints: 519,92 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Es gibt auch Einzelzimmer, nur sind die teurer und es sind dadurch deutlich weniger auf den Stationen. Es bekommen auch nicht nur Menschen ihr Essen auf dem Zimmer, die besonders krank sind und im Bett liegen müssen, manche mögen es eben lieber in ihrem Zimmer einnehmen. Was ich aber wirklich bedenklich finde ist deine Aussage, dass man nur gesunde Menschen mit einem Tier verwöhnen sollte. Immerhin wird gerade im Altenheim der Zustand oft sehr schnell sehr viel schlechter und dann? Einfach das Tier abgeben finde ich dann auch gemein, aber der Pfleger wird sich da auch nicht kümmern können. Zustände sind oft ganz gut und werden dann schlechter und das dauert auch nicht ewig, sondern manchmal nur Monate.

Auch demente Personen sind am Anfang sicherlich nicht extrem daneben und könnten ein Tier haben. Was macht man dann aber, wenn der Zustand schlimmer wird? Oder was machst du, wenn ein gesunder Mensch plötzlich erkrankt? Das sind alles Dinge, die man bedenken muss. Natürlich gibt es auch Menschen, die beispielsweise nur zu alleine zu Hause gewesen wären und bei denen lange alles gut geht, aber was man einem erlaubt will der andere auch haben und da sehe ich das Problem.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


@Ramones, wo habe ich denn geschrieben, dass man nur gesunde Menschen mit einem Tier verwöhnen sollte? Ich habe geschrieben, dass nur diejenigen ein Tier mit ins Heim nehmen können, die sich auch um das Tier kümmern können, wie zum Beispiel mit dem Hund Gassi gehen. Denn es ist ja wohl klar, dass sich das Personal - wie zum Beispiel du - sich nicht noch mit dem Gassigehen der Hunde belasten kann. Ferner schrieb ich, dass eine andere Person mit einem Tier stundenweise eine kranke Person aufheitern könne.

Würdest du dir die Mühe machen, einen Beitrag richtig durchzulesen, müsstest du nicht schreiben, dass meine Aussage bedenklich ist! Wenn du keine Zeit hast, den Text richtig zu lesen, dann antworte besser nicht auf solche Beiträge. Das ist dann besser, als andere zu beschuldigen.

@cooper75, was du schreibst, macht mich doch recht traurig. Ich weiß zwar nicht, in welcher Gegend du wohnst. Aber ich glaube, dass es bei uns nicht ganz so schlimm ist. Vor etwa 15 Jahren habe ich eine ehemalige ältere Kollegin öfter mal im Altenheim besucht. Sie hatte ein Einzelzimmer, aber ihr Einkommen war niedrig und sie hat nicht extra etwas bezahlen müssen. Meine Tante ist vor ein paar Jahren ebenfalls im Altenheim verstorben. Es war ein anderes Heim. Und auch da hatte sie ein Einzelzimmer mit Dusche und Toilette für sich. Die Mutter meiner Nachbarin hatte in einem dritten Heim ebenfalls ein Einzelzimmer mit Terrasse ohne Zuzahlung.

Die Renten sind ja nicht so hoch, dass die Bewohner etwas zuzahlen können. Wer von den Menschen hat denn gleich für ein Doppelzimmer 2.700 Euro? 550 Euro Kaltmiete, das ist reichlich viel, dafür bekommt man eine schöne Wohnung! Auch das Geld für's Essen ist viel. Wenn alles andere noch dazu kommt, kann sich das wirklich niemand leisten.

100 Euro Taschengeld bekam meine damalige Kollegin schon monatlich. Damit kam sie nicht aus. Sie hatte Glück, dass sie eine gut betuchte Freundin hatte, die ihr Geld gab. Wenn die Menschen sich einen Friseur leisten, eine Zeitung oder Illustrierte kaufen, vielleicht mal eine Tasse Kaffee trinken möchten, Duschmittel, Seife, Creme kaufen und Medizin bezahlen, dann bleibt nicht mehr viel über, von dem sie dann mal Unterwäsche oder Textilien oder Schuhe und Socken/Strümpfe kaufen können.

Da kann ich verstehen, wenn die Senioren bis zuletzt in Ihrer Wohnung bleiben und sich bemühen, zurecht zu kommen. Aber verkommen muss die Wohnung deshalb nicht. Wenn sie nicht mehr können, gibt es doch Organisationen, die preiswert Putzkräfte stundenweise einsetzen. Auch zum Einkaufen lässt sich da eine Regelung finden. Aber mit Tieren werden sie dann nicht mehr so viel machen können, vielleicht eher mit Katzen als Hunden.

Ich meine auch, die Menschen im Altersheim sollten nicht so entwürdigend behandelt werden vom Staat. Man kann ihnen doch nicht alles nehmen und absprechen. Da verstehe ich schon, wenn dann so etwas gesagt wird, dass sie lieber sterben wollen als ins Altersheim zu kommen. Leider können das nicht mehr alle selbst bestimmen, die krank sind und nicht mehr alleine sein können. Das ist mehr als traurig.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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