Wie sinnvoll sind Anwesenheits-Apps für Studenten?

vom 09.02.2015, 11:39 Uhr

Eine Universität in den USA bietet neuerdings eine App an, mit deren Hilfe die Eltern die Anwesenheit von Studenten an Vorlesungen und Seminaren überprüfen können sollen. Diese App nutzt das GPS des Smartphone oder Tablets und berichtet den Eltern in Echtzeit, ob ihr Sprössling seine Kurse besucht oder sie eben schwänzt.

Ich bin bei diesem Konzept eher zwiegespalten. Einerseits denke ich mir, dass es genug Kontrollwahn auf diesem Planeten gibt und dass ein Student bedingt durch sein Alter, schon groß genug sein sollte, um eigene Entscheidungen zu treffen und mit deren Konsequenzen zu leben. Da die meisten Studenten ja auch nicht mehr bei den Eltern wohnen, finde ich, dass dieses Konzept zu sehr ermöglicht in die Privatsphäre des Nachwuchs einzudringen was ich nicht richtig finde.

Außerdem wird sich das sowieso nicht durchsetzen lassen, da selbst wenn diese Kontrollfunktionen immer mehr Verbreitung finden sollten, niemand garantieren kann, dass der Student auch die Vorlesung oder das Seminar besucht. Da diese App ja nur über GPS funktioniert, könnte man ja auch genauso gut einen Kommilitonen bitten, das Tablet eben zu verwahren bis die Vorlesung zu Ende ist und man könnte trotzdem schwänzen. Niemand würde es je erfahren, wenn man nicht gerade selbst plaudert.

In den USA kann ich so ein Kontrollsystem ja doch irgendwie verstehen. Gerade die Uni kostet sehr sehr viel Geld und Stipendien sind selten. Ich kann schon nachvollziehen, dass Eltern, die nicht besonders viel Geld haben und sich extra massiv verschulden, damit das Kind studieren kann, sicher gehen wollen, dass ihre Bemühungen nicht in einer Fehlinvestition münden und ihr Spross das Studium auch Ernst nimmt.

Dementsprechend bin ich eher zwiegespalten was dieses Thema angeht in Bezug auf die Studenten in den USA. In Bezug auf Deutschland bin ich gegen so ein Kontrollsystem, da die meisten Studenten ja auch selbst arbeiten und nicht unbedingt Unterstützung durch die Eltern bekommen. Außerdem ist das Studium hierzulande auch nicht so extrem teuer wie in den USA, sodass man sich hier nicht so extrem verschulden kann wie dort, wenn man es klug anstellt.

Wie denkt ihr über so eine App? Gehört ihr eher zu den Befürwortern oder zu den Gegnern? Würdet ihr so etwas als Eltern nutzen wollen, um euer Kind zu kontrollieren oder findet ihr das moralisch verwerflich?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde, dass eine solche App zu weit geht und niemand das Recht hat einen anderen Menschen auf diese Art und Weise zu kontrollieren, nur weil man vorher Geld für ein Studium bezahlt hat. Es gibt ja auch durchaus vernünftige Gründe, warum man mal nicht zur Uni geht, man muss doch seinen Eltern keine Rede und Antwort mehr stehen, wenn man studiert.

Man muss sich selber im Leben beweisen und die Finanzierung der Eltern sollte da kein Grund für die Überwachung sein. Zumal ich auch nicht automatisch davon ausgehen würde, dass man hier bei einem Studium keine Kredite aufnehmen muss oder sich besser finanzieren kann.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ramones hat geschrieben:Ich finde, dass eine solche App zu weit geht und niemand das Recht hat einen anderen Menschen auf diese Art und Weise zu kontrollieren, nur weil man vorher Geld für ein Studium bezahlt hat.

Ich finde dieses Konzept mehr als fragwürdig. Seien wir mal ehrlich und denken wir logisch: wer würde sich heutzutage schon bewusst und gezielt ausspionieren lassen? Dieses hier oben erwähnte Konzept würde ja eigentlich nur dann funktionieren, wenn der Student das gar nicht weiß, dass er via App und GPS überwacht wird und ich finde es schon komisch, wenn Eltern sich überhaupt genötigt sehen sollten, ihr Kind heimlich zu überwachen.

Ich kann schon verstehen, dass Eltern eben wissen wollen, ob sie sich umsonst verschuldet haben oder nicht, zumal die jährlichen Kosten für ein Studium nicht selten mehrere zigtausend Dollar betragen und das ohne Lebenshaltungskosten und Miete. Aber ich finde, dass man das auch anders herausfinden kann. Gerade, wenn man ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Kind aufgebaut hat und mit ihm über alles reden kann, dann sollte doch der Raum gegeben sein, dass das Kind theoretisch selbst und ohne Angst zugeben kann, dass es geschwänzt hat, aus welchem Grund auch immer.

Noch dazu gibt es auch Vorlesungen, die absolute Zeitverschwendung sind, sodass man im Prinzip nur die Zeit absitzt. Ich war auch schon in Vorlesungen, in denen der Dozent eigentlich nur stumpf das abgelesen hat, was auf der Powerpoint-Folie gestanden hat, ohne Erklärungen ohne gar nichts. Da kann man sich die Vorlesung auch sparen und das zu Hause nochmal nachlesen. Der Lerneffekt wäre derselbe.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde auch, dass sowas nicht geht. Wobei meine Eltern sich sowas ohnehin nicht zulegen würden, denen erzähle ich auch durchaus mal, dass ich zu dieser oder jener Vorlesung einfach nicht hingegangen bin, mein Bruder ist da ähnlich, also hätten meine Eltern dafür gar keine Verwendung.

Insgesamt denke ich auch, dass Studenten erwachsen sind und als solche selbst entscheiden können, ob sich eine Vorlesung jetzt lohnt oder nicht. Oder vielleicht ist man ja auch mal zuhause geblieben, weil die Vorlesung ausfiel, oder man krank ist, oder oder oder. Außerdem kann GPS-Ortung durchaus auch mal rumspinnen, oder man stellt sie einfach ab, und damit wäre die App dann eher nutzlos.

» Kalu-chan » Beiträge: 718 » Talkpoints: 11,85 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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