Was haltet ihr von den neuen Aufklärungsplakaten?

vom 10.07.2016, 18:22 Uhr

Vermutlich kennen viele noch die Aufklärungsplakate von früher, die vor allem vor HIV warnen sollten. Irgendwann gerieten sowohl die warnenden Bilder als auch das Thema an sich aus den Medien. Vor einiger Zeit fiel mir allerdings an einer Außenwand ein riesiges Plakat zum Thema der sexuell übertragbaren Krankheiten ins Auge. Hier mal eines der Bilder, die auf sexuell übertragbare Krankheiten aufmerksam machen sollen, es gibt aber wohl noch zahlreiche andere.

Ich gebe zu, dass es auf alle Fälle ein Blickfang war und meine Gedanken kurz auf das Thema lenkte, auch wenn ich nicht die Zielgruppe bin. Im Vergleich mit den Plakaten von früher, fiel mir vor allem auf, dass das Thema ganz anders rüber gebracht wird, nämlich mit Humor und nicht mit dem Fokus auf eine sehr angstbesetzte und todbringende Krankheit.

Mir sind aus Schulzeiten die Plakate noch gut vor Augen aus der damaligen Zeit und ich fand das ganze Thema immer sehr bedrohlich dargestellt, was ja auch Sinn und Zweck der Sache sein sollte, denn man wollte ja, dass wir Angst haben oder uns zumindest sorgen. Dieser Ansatz hier ist ganz anders, es sieht die Sache vielleicht sogar ein wenig von der verniedlichenden und in manchen Augen sogar verharmlosenden Seite.

Findet ihr die Plakate zu flapsig angesichts des Themas oder altersgerecht? Lässt sich die Zielgruppe so leichter ansprechen als mit den sehr ernsten Bildern von früher? Welche Variante sagt euch mehr zu? Sind euch diese Plakate überhaupt schon ins Auge gefallen?

» Verbena » Beiträge: 4994 » Talkpoints: 4,77 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Mir sind solche Plakate nicht bewusst begegnet, wobei ich auch eher selten auf irgendwelche Plakate achte. Ich finde, dass solche Plakate generell nicht mehr zeitgemäß sind. Früher war das natürlich eine spannende Sache, aber wer schaut sich das denn heute noch wirklich an? Das macht keinen Sinn mehr und ich denke auch, dass man die Aufklärung zu dem Thema keiner Plakatwand anvertrauen sollte, sondern selber aktiv werden muss.

Für mich sind sowohl die alten Plakate, als auch die neuen Plakate fehl am Platz. Natürlich muss man informieren und auch etwas tun, aber ich denke, dass man mit den Jugendlichen reden muss und auch in den Schulen einen angepassteren Aufkläunrgsuntericht betreiben muss. Es war schon zu meiner Zeit nicht zeitgemäß und eher altbacken was da so erklärt wurde, das kann man einfach besser machen und so auch die Schüler erreichen.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich glaube das hängt eher davon ab, wie oft man mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt oder auf diese achtet. Ich sehe solche Plakate überwiegend an Haltestellen von Bus und Bahn, aber nie mal so zwischendurch und selbst wenn, würden Autofahrer bestimmt nicht auf die Landschaft oder Plakate achten, sondern den Blick auf die Straße richten, was auch so sein sollte.

Ich weiß nicht, was ich von diesen Plakaten halten sollte. Ich gehöre ja nicht zur Zielgruppe, da ich in einer monogamen Beziehung lebe und noch nie Probleme mit Geschlechtskrankheiten hatte. Daher kann ich nicht beurteilen, ob diese Plakate eher ansprechend sind oder die Menschen langweilen und gar nicht gut ankommen.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich komme öfter an diesen Plakaten vorbei und halte es prinzipiell nicht für ausgeschlossen, dass Informationen hängen bleiben. Schließlich würden Unternehmen ja schon lange keine Millionen mehr in das Design und die Verbreitung von Plakatwerbung stecken, wenn es bei den Konsumenten nichts mehr auslösen würde.

Dafür sind die Damen und Herren bei der Marktforschung viel zu gewieft und gewinnorientiert! Und wenn man der breiten Masse so erfolgreich vermitteln kann, dass Unterwäsche der Marke XY oder der Lieferservice Z unbedingt ihrer Aufmerksamkeit bedürfen, dann gilt das Gleiche wohl mehr oder weniger auch für sexuell übertragbare Krankheiten.

Ich halte schon daher einen gewissen Tabubruch für sinnvoll, weil Probleme "da unten" immer noch gerne schamhaft verschwiegen werden, und sich Geschlechtskrankheiten so ungehinderter verbreiten können, als wenn man locker damit zum Doktor marschiert, wie man es bei anderen ansteckenden Geschichten ja auch macht. Es trägt einfach zu einer gewissen Normalisierung bei, genauso wie der Anblick von Kondomen bei der klassischen Aids-Kampagne.

Außerdem halte ich es für sinnvoll, nicht immer nur auf HIV/Aids herum zu reiten, bis die Bevölkerung so übersättigt ist, dass sie Warnungen aller Art sowieso nicht mehr ernst nimmt, sondern auch Aufmerksamkeit auf andere unangenehme Krankheiten zu richten, die glücklicherweise nicht unheilbar sind und dennoch eingedämmt gehören. Letzten Endes bleibt es natürlich Spekulation, ob lustige Plakate hier wirklich hilfreich sind, aber ich zumindest habe mir ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht.

» Gerbera » Beiträge: 11335 » Talkpoints: 53,75 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Was heißt denn, dass du nicht die Zielgruppe bist? Die Zielgruppe dürfte jeder sein, der sexuell aktiv ist. Hier geht es ja nicht nur um die Übertragung von HIV, sondern um einige sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Plakate verdeutlichen ja im allgemeinen, dass man Vorkehrungen treffen soll und wenn es zu spät ist, dann schnellstmöglich auch einen Arzt aufzusuchen und sich nicht dafür zu schämen.

Viele sind sich gar nicht bewusst, dass sie damit dann schnell zum Arzt gehen sollten. Die breite Massen weiß nicht, dass das zum Beispiel zu Unfruchtbarkeit führen kann, wenn man eine dieser Erkrankungen verschleppt. Wie dem auch sei. Ich finde die Plakate gut. Sie weißen nicht nur auf HIV hin, denn es gibt weitaus mehr Geschlechtskrankheiten, die gefährlich sein können. Und die sind genauso übertragbar und verbreiten sich weiter. Das muss ja nicht sein.

Die Plakate sind humorvoll und sprechen sicherlich auch viele junge Leute an. Ich habe sie erstmals auf der Toilette (wie passend) im Kino gesehen und fand sie nicht aufdringlich. Das soll schon mal was heißen.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


winny2311 hat geschrieben:Was heißt denn, dass du nicht die Zielgruppe bist?

Du erwartest doch hier nicht ernsthaft eine Rechtfertigung meinerseits bzw. eine Darstellung meines persönlichen Lebens, oder? Abgesehen davon bin ich insofern schon nicht die Zielgruppe, weil ich schon sehr lange groß bin, medizinisch einigermaßen versiert, in vollem Umfang aufgeklärt und dem Alter der sexuellen und medizinischen Aufklärung mehr als nur einige Jahre lang entwachsen. Die Adressaten dürften unter anderem eher die sein, die sich um solche Dinge noch keine oder nie ernsthafte Gedanken gemacht haben bzw. merkt man der Kampagne ihre auf Jugendlichkeit zielende Ausrichtung deutlich an.

Gerbera hat geschrieben:Außerdem halte ich es für sinnvoll, nicht immer nur auf HIV/Aids herum zu reiten, bis die Bevölkerung so übersättigt ist, dass sie Warnungen aller Art sowieso nicht mehr ernst nimmt, sondern auch Aufmerksamkeit auf andere unangenehme Krankheiten zu richten, die glücklicherweise nicht unheilbar sind und dennoch eingedämmt gehören.

Das ist mir auch positiv ins Auge gefallen. Wenn man mal so ein Opfer der Syphilis im Endstadium bar des eigenen Verstandes im Pflegeheim hat rumlaufen sehen, dann stellt sich die Frage, warum alleine diese Erkrankung so wenig in den Köpfen der Bevölkerung präsent ist. Von allen anderen mehr oder weniger unbekannten Erkrankungen mit all ihren Folgen mal ganz abgesehen.

» Verbena » Beiträge: 4994 » Talkpoints: 4,77 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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