Warum sind sich die Medien bei der Anonymisierung uneinig?
Mir ist schon häufiger aufgefallen, dass die Medien zwar in mancher Hinsicht absolut gleichgeschaltet sind was die Berichterstattung angeht, sich aber uneinig darüber zu sein scheinen wie anonym von den einzelnen Menschen berichtet werden soll.
Da fällt mir spontan der Unglückspilot der Germanwings-Maschine ein, der den Absturz gezielt herbei geführt haben soll. Ich erinnere mich noch an den Anfang als der Skandal noch ziemlich frisch war und quasi im Stundentakt neue Meldungen über den Todespiloten bekannt wurden, beispielsweise dass er Depressionen hatte und eigentlich krank geschrieben war und somit arbeitsunfähig war. Damals haben verschiedenste Medien davon berichtet, aber im vollkommen unterschiedlichen Stil.
Einige haben wirklich den Klarnamen veröffentlicht sowie ein offizielles Foto, bei dem er zweifelsfrei zu erkennen war. Andere haben das Foto anonymisiert und die Augen hinter irgendwelchen Balken versteckt. Andere wiederum haben den Nachnamen abgekürzt um wenigstens etwas Anonymität zu wahren. Viele Medien haben auch erst richtige Fotos veröffentlicht und als die Schuld des Piloten öffentlich bekannt wurde, wurden die Fotos dann verpixelt und anonymisiert, was ich total unlogisch finde.
Aber warum ist das so, dass die Medien sich da uneinig sind? Gibt es da keine Richtlinien oder so etwas, an die sie sich halten müssen oder macht das jeder wie er will? Was haben die Angehörigen da mitzureden?
Die Medien sind sich in dieser Hinsicht gar nicht so uneinig, wie es den Anschein hat. In den Vorgaben für Medien und Presse gibt es einige Richtlinien, an die sich alle halten (sollten). Diese Richtlinien beinhalten selbstverständlich auch die Achtung der Persönlichkeitsrechte der Personen, über die berichtet wird. In wenigen Fällen gibt es aber Ausnahmen. Unter diese Ausnahmen fallen die meisten Prominenten und Politiker sowie Personen und Ereignisse, die von großem öffentlichen Interesse sind und Fälle, in denen die Datenpreisgabe vor dem Persönlichkeitsrecht steht.
Im Falle des im Frühjahr aus der JVA geflüchteten Mörders im Rheinland wurde in den ersten Berichten ohne vollständige Identifizierungsmöglichkeit der Person des Geflohenen berichtet. Erst als klar wurde, dass die Öffentlichkeit ebenfalls gewarnt werden und Augen offen halten musste, wurde - mit wenigen Stunden Verzögerung - mit den vollständigen Daten und Bildern des Flüchtigen berichtet.
Im Falle des German Wings Piloten mag man sich uneinig sein, ob die Preisgabe des Namens gerechtfertigt war. Ich persönlich denke, es wäre wohl auch ohne gegangen und der Öffentlichkeit gegenüber auch vertretbar gewesen. Warum man sich für die Preisgabe des Namens entschieden hat, weiß ich natürlich nicht. Aber das beantwortet deine Frage auch nicht.
Die Medien sind sich in seltenen Fällen tatsächlich uneinig, weil die Formulierung in den Vorgaben für jeden verantwortlichen Redakteur einen gewissen Entscheidungsspielraum lässt. Selbst dieser Entscheidungsspielraum kann von Medium von Medium stärker oder weniger stark eingeschränkt sein.
In den meisten Fällen entsteht der Eindruck der Uneinigkeit in dieser Frage allerdings einzig durch die Chronologie: Während bei den ersten Berichten die Preisgabe der persönlichen Daten noch nicht angezeigt oder notwendig schien, kann das schon eine Stunde später ganz anders sein und es wird entsprechend berichtet. Alle Berichte kann man aber später sehen, sodass der Eindruck entsteht, die Medien seien sich in dieser Hinsicht grundsätzlich uneinig.
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