Warum rauchen und trinken Arme mehr?

vom 10.07.2015, 18:10 Uhr

In einem meiner Seminare hatten wir vor kurzem das Thema „Alkohol und Zigaretten“ und die gesundheitlichen Folgen dieser Konsumgüter. Die Referentin hat dann auch sehr eindrücklich erläutert, wie sich die Bevölkerungsschichten von diesen Faktoren beeinflussen lassen und welche Schichten anfälliger für den Konsum sind und welche nicht.

Auch die Gehaltsstrukturen wurden sehr schön aufgedröselt, sodass man deutlich erkennen konnte, dass besonders die Unterschicht sehr anfällig ist für den Konsum von Alkohol und Zigaretten und dass der Konsum in dieser Bevölkerungsgruppe am größten ist, also dass nicht nur mehr Menschen konsumieren, sondern der Konsum pro Mensch auch größer ist. Mit zunehmender Schicht nimmt der Konsum jedoch ab.

Ich finde das schon interessant, wobei ich eher vermutet hätte, dass die Reichen bzw. die Mittelschicht mehr rauchen würde, weil die sich das ja auch eher leisten können. Mein Vater beispielsweise hat eine Zeit lange geraucht, hörte aber auf damit, weil ihm das irgendwann zu teuer wurde und er seine Priorität so gelegt hatte, dass die Kinder genug zu Essen haben.

Andererseits kann man ja auch so argumentieren, dass sich die Reichen genug andere Luxusgüter leisten können und die Armen kein Geld für teure Anschaffungen haben und deswegen vermehrt rauchen und trinken. Was meint ihr? Womit hängt das zusammen, dass gerade die Unterschicht mehr Alkohol und Zigaretten konsumiert als die Mittel- bzw. Oberschicht? Habt ihr diese Beobachtung auch schon machen können?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Diese Dinge konsumiert man ja nicht im Vakuum. Wenn man erst mal süchtig ist natürlich schon, aber am Anfang ist es doch eher selten, dass man ganz alleine raucht und trinkt. Deshalb denke ich, dass man schauen müsste, welchen Aktivitäten die unterschiedlichen sozialen Schichten nachgehen, wie viel im Umfeld geraucht und getrunken wird und so weiter.

Was wahrscheinlich auch dazu beiträgt ist die Bildung oder der Mangel an Bildung. Man kennt ja auch das Phänomen, dass arme Menschen tendenziell dicker sind, was nicht daran liegt, dass sie sich keine gesunden Lebensmittel leisten können sondern, dass sie einfach nicht wissen, wie man sich gesund ernährt. Solche Menschen reflektieren ihr Rauch- und Trinkverhalten wahrscheinlich auch weniger.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Jeder braucht hier und da mal etwas, was ihn vom Alltag ablenkt, Freude bringt, Frust abbaut, zugehörig fühlen lässt, bisschen Aufregung ins Leben bringt oder was auch immer. Wenn man den passenden Geldbeutel hat, kann man sich Kino- und Restaurantbesuche leisten oder sogar einen Sportwagen, ein teures Hobby, Urlaube und so weiter.

Hat man den Geldbeutel nicht, greift man zu billigen Lösungen. Jedes einzelne Bier und jede einzelne Schachtel Zigaretten sind ja wirklich nicht sehr teuer. Erst die Summe schlägt dann deutlicher zu Buche. Gleiches gilt für kleine Kosmetikartikel. Wenn man nicht das Geld für Klamotten hat, kauft man wenigstens einen Nagellack für 2,95 €. Ich denke, da haben einige Frauen ordentliche Sammlungen, die dann zusammengenommen doch wieder recht viel wert sind.

Hinzu kommt natürlich, dass man bei ständigen Geldproblemen extrem viel Frust hat, der abgebaut werden muss. Ständig hat man Angst, wie es weitergeht, ob es bis zum Monatsende reicht oder davor, dass eine größere Anschaffung oder Reparatur nötig werden könnte. Hinzu kommt die soziale Ausgrenzung.

Sicherlich hat man in der Mittel- und auch der Oberschicht ebenfalls so seine Probleme. Das will ich gar nicht bestreiten. Es ist ja auch nicht so, dass da gar keine Drogen jeglicher Art konsumiert würden. Nur wird über die nicht so Buch geführt wie über die staatlich kontrollierten Drogen Alkohol und Tabak.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Das Ganze lässt sich natürlich auch umkehren. Wenn man das andere Ende der sogenannten Mittelschicht betrachtet, sieht man wohl beinah spiegelbildlich dasselbe Extrem bei den Superreichen. Auch dort stehen Exzesse und von Drogen verursachte Dramen an der Tagesordnung.

Das ließe den Schluss zu, dass man einfach nur ganz brav seine Dinge des Alltages erledigen soll, um nicht an den Klippen verwerflicher Süchte hängenzubleiben.

Und da stellt sich die Frage nach dem Risiko. Will man brav sein und Kamillentee trinken, oder will man gar einmal einen Pups zu viel lassen und in Gefahr raten, wegen dieses Pupses eine mehrtägige Haftstrafe auszufassen?

Mit der Vorstrafe in der Tasche kann es nämlich leicht passieren, dass man auf die Idee kommt, sich eine Zigarette anzuzünden oder gar den Kronkorken einer vormals versiegelten Bierflasche wegzuschnippen ...

» Theren » Beiträge: 26 » Talkpoints: 12,68 »



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