Vietnamkrieg - Das Massaker von My Lai

vom 17.06.2008, 16:12 Uhr

Tragen die Einheiten für ihr Handeln die Verantwortung?

ja
0
Keine Stimmen
nein
2
100%
 
Abstimmungen insgesamt : 2

Wir haben vor Kurzem in Geschichte das Thema Vietnamkrieg angeschnitten und kamen dabei auf das Massaker von My Lai zu sprechen und ich wollte mal eure Meinung dazu hören.

Für euch zur Information: Der Vietnamkrieg ging von 1946 bis 1976 und in ihm kämpften im Südvietnam amerikanische Truppen gegen den kommunistischen Vietkong im Nordvietnam.

Am 16. März 1968 überfiel eine amerikanische Einheit das vietnamesische Dorf My Lai und töteten dabei fast ALLE Einwohner! Ein amerikanischer Journalist der an dem besagten Tag die Einheit begleiten durfte machte Fotos die um die ganze Welt gingen, sonst wäre das auch nie rausgekommen.

Ursprünglich hatte die Einheit die Information, dass sich dort feindliche Truppen befinden sollten, doch diese waren, wie sich herausstellte, schon lange abgezogen. Nun begegneten den Truppen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, und vor den Augen des Journalisten gab der Zugführer den Befehl sie alle niederzuschießen und das geschah mit jedem Menschen den sie begegneten. Es brach praktisch in einen Tötungswahn aus. Nach 45 min hatte es der Journalist hatte es nicht mehr ausgehalten und hat sich entfernt.

Das eigentlich Seltsame kommt aber erst noch. Durch die Medien geriet das ganze an die Öffentlichkeit und die Truppe musste sich vor Gericht verantworten, wurde aber komplett freigesprochen bis auf den Zugführer, der für einige (lächerliche) Monate ins Gefängnis musste. Die Argumentation der einzelnen Einheiten der Truppe war, dass sie den Befehl vom Zugführer hatten.

Was meint ihr? Spricht sie das von ihrerer Schuld frei - nach dem Motto Befehl ist Befehl?

» Entertainer » Beiträge: 6 » Talkpoints: 2,33 »



Das ist sicher eine Frage des Standpunktes. Also ob man so eine humane Katastrophe aus ethischer oder militärrechtlicher Sicht beleuchtet. Und auch wenn ein Urteil den Gesetzen entspricht, muss es aus emotionaler Sicht nicht gerecht sein.

Natürlich sind Soldaten an das gebunden, was sie als Befehl bekommen. Und wenn dem nicht so wäre, wären viele Dinge in Kriegen nicht passiert. Das ist schließlich auch Sinn und Zweck von Befehlen, dass der einzelne Soldat nicht den ganzen Krieg und alle Auswirkungen begreifen muss. Ob das nun in Vietnam ist oder anderswo.

Wenn man es aus ethischer Sicht betrachtet, hätten die Soldaten wohl desertieren müssen, wenn sie zu dem Schluss kommen, dass man sich schuldig macht, wenn man dem Befehl Folge leistet. Dass sich das aber nur ganz wenige und starke Persönlichkeiten trauen, das ist auch nichts neues. Sei es in Vietnam, sei es anderswo.

Welchen Standpunkt man einnimmt, das hängt sicher maßgeblich davon ab, ob man eher dem Militär nahe steht, oder ob man eher Pazifist ist. Eine allgemein gültige Antwort wird man da kaum finden. Höchstens einen eigenen Standpunkt.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


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