Sind heutzutage Betriebswohnungen noch verbreitet?
Als mein Onkel in dem Betrieb in dem er arbeitet angefangen hat zu arbeiten, bekam er für sich und die Familie eine Betriebswohnung. Mittlerweile wohnt er dort nicht mehr und hat ein eigenes Haus. Aber dieser Wohnblock gehört auch noch heute dem Betrieb und es wohnen auch, wo viel ich weiß, nur Betriebsangehörige dort.
So ein Projekt mit Betriebswohnungen sollen früher ja sehr gehäuft vorgekommen sein. Das erzählte mir meine Familie. Aber heute hört man das, zumindest hier in der Gegen, immer weniger.
Sind bei euch heutzutage noch Betriebswohnungen verbreitet? Muss man, wenn man in dem Betrieb aufhört zu arbeiten dann auch sofort ausziehen? Wohnt ihr in einer Betriebswohnung? Welchen Vorteil hat es?
Ich kenne nur noch wenige echte Betriebswohnungen, mehrere JVAs unterhalten für das Personal welche. Betriebswohnungen haben den Vorteil, dass sie in der Nähe der Arbeitsstelle liegen und in der Regel vergleichsweise preisgünstig angeboten werden. Ich kenne auch noch eine Wohnungen und Häuser, die direkt zu verschiedenen Kliniken gehören. Da muss man tatsächlich ausziehen, wenn man die Klinik verlässt, allerdings sind die Fristen moderat.
Früher ging es gar nicht ohne Betriebswohnungen. Industrie und Bergbau errichteten riesige Anlagen und brauchten Hunderte Arbeiter. Aber es gab natürlich keinen Wohnraum dort, den vor dem Bau wohnten dort viel weniger Menschen. Also wurde Wohnraum gebaut. Zechenhäuser hatten beispielsweise einen großen Garten zur Selbstversorgung und wurden regelmäßig innen renoviert, dazu die günstige Kohle zum Heizen und der kurze Weg zur Arbeit. Besser konnte man es nicht treffen.
Heute gehören viele Komplexe, die einmal Betriebswohnungen waren, Wohnungsgesellschaften, die die Gebäude übernommen haben. Ich wohne in einer ehemaligen Betriebswohnung von Thyssen, allerdings bei einem privaten Vermieter, der eine ganze Häuserzeile erworben hat. Der Zustand ist gut und die Miete ist immer noch sehr angenehm.
Ich kenne Betriebswohnungen durch meinen Mann, der als Koch arbeitet. Viele Gasthäuser, die sehr weit außerhalb eines größeren Ortes liegen, haben eigene Betriebswohnungen, in denen das Personal wohnen kann. Besonders bei den langen Arbeitszeiten bis tief in die Nacht hinein und einem weiten Anfahrtsweg lohnt sich eine Betriebswohnung deshalb.
Wohnen wollte ich auf gar keinen Fall in einer solchen Wohnung. Ich hätte das Gefühl, nie abschalten zu können, ständig auf Arbeit zu sein. Der Chef kann praktisch Tag und Nacht vor der Tür stehen. Das käme für mich gar nicht infrage.
Früher gab es Betriebswohnungen ziemlich häufig, sowohl in der Industrie, als auch beispielsweise bei Gefängnissen, Schulen und Krankenhäusern. Ja, die Ärzte wohnten dann teilweise mit in der Klinik, meist aber auf so einem großen Klinikgelände eher etwas abseits, in einem eigenen Wohnhaus. Lehrer lebten näher am Geschehen dran, teilweise direkt mit im Schulgebäude. Und Fabrikanten gab es auch, die eine Villa direkt neben ihrer Fabrik aufgebaut hatten, und dann dauerhaft dort wohnten. Es gibt hier in der Stadt beispielsweise noch so eine Villa, die einst zu einer Schokoladenfabrik gehörte, und eine, die neben den Hangars eines Flugzeugbauers steht, heutzutage leider alles immer mehr zerfallend und nur noch als Ruine vorhanden.
Dass man heutzutage noch in einer Betriebswohnung wohnt, ist aber eher selten geworden. Ich weiß eigentlich nur noch, dass einige Schulhausmeister direkt auf dem Schulgelände in einem kleinen Häuschen wohnen. So war es in meiner Grundschule und auch am Gymnasium. Das war schon immer ein wenig seltsam, wenn ich am Schulgelände nachmittags vorbeikam, und dann saß der Hausmeister da mit seiner Familie und den Kindern, die aber übrigens eine andere Schule besuchten, vor seinem Hüttchen auf dem ansonsten komplett leeren Schulhof. Ich glaube, damals mag das noch relativ ruhig und angenehm gewesen sein, denn nach Schulschluss um 13, 14 oder allerspätestens 15 Uhr war keiner mehr dort. Heute, zu Zeiten der Ganztagsschule, ist das vielleicht nicht mehr ganz so erholsam.
Ich selbst wohne in keiner Betriebswohnung. Vermutlich würde ich das auch nicht so toll finden und auch eher vermeiden wollen. Der Gedanke, eine Wohnung bei Beendigung der Arbeit gleich wieder aufgeben zu müssen, und umziehen zu müssen, gefällt mir nicht so ganz. Gerne hätte ich ein Haus oder eine Wohnung sicher, und zwar auf viele Jahre hinaus. Bei der Gestaltung würde ich mir schon gerne Mühe machen, aber bestimmte Umbauten oder Renovierungen würde ich wohl gar nicht erst machen können oder wollen, wenn ich wüsste, dass ich in beispielsweise fünf Jahren sowieso wieder ausziehen müsste.
Meine Mutter betreibt übrigens in Asien, in einer abgelegeneren Gegend, eine Ferienanlage. Ihre Angestellten dürfen dort auch wohnen. Gezwungen ist natürlich keiner dazu, aber die meisten nehmen die Wohnung gerne an, weil sie sonst sehr lange Fahrtwege in Kauf nehmen müssten. Außerdem sind die Wohnung verhältnismäßig geräumig und die Gegend ist angenehm. Andere Leute zahlen ja sogar dafür, dort Urlaub machen zu dürfen.
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