Bezahlbare Wohnungen in Großstädten sind kaum zu finden
Der Spiegel hat über Spiegel-Online hier recht anschaulich versucht darzustellen, wie sich der Mietmarkt in den Städten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt im Moment gestaltet.
Für eine bessere Schlagzeile wurden für die Rechenbeispiele Geringverdiener genommen (also 1428 Euro als Brutto-Lohn was für einen Single dann 1060 Euro netto bedeutet). Außerdem wurden typische Wohnungsgrößen (40qm für den Single, 60qm für einen Alleinerziehenden und 80qm für ein Paar mit zwei Kindern) herangezogen. Einfach, um vergleichen zu können.
Leider muss ich sagen, dass ich in den durchaus dramatischen Ergebnissen noch nicht das sehe, was die Realität ausmacht. Ich kann aus persönlicher Erfahrung aus Hamburg, München und Stuttgart (Stuttgart ist jetzt nicht in den Beispielen enthalten) sprechen und muss sagen, dass da die Situation noch mal schlimmer ist! Denn für die angegebenen Beispiel-Preise gibt es tatsächlich keine Wohnungen in den genannten Städten.
So wird für München der durchschnittliche Mietpreis an den Stadt-Rändern bei 800-900 Euro (Kaltmiete) für eine 80qm Wohnung angegeben. Ich behaupte, dass es z.Z. ohne Beziehung nicht möglich ist, als neu Zuziehender für diesen Preis eine Wohnung zu finden. Aber auch ohne persönliche Erfahrung: man gibt die Suchkriterien z.B. bei Immoscout (oder beliebige andere Wohnungsmarktportale) ein - da gehen die Preise für 70qm Wohnungen bei 1200 Euro (Kaltmiete) los. Gleiches gilt für Hamburg und Stuttgart (mit anderen Zahlen).
Führt so eine Berichterstattung nicht auch dazu, dass die Lage nicht wirklich allen bewusst ist, die sich nicht damit beschäftigen (müssen)? Ist das der Grund, warum es immer noch Menschen gibt, die sehr naiv und leichtgläubig auf Wohnungssuche gehen oder sich über mögliche Jobs in München oder Stuttgart freuen, ohne sich Gedanken darüber gemacht zu haben, dass es ungeheuer schwer sein wird, eine Wohnung zu finden bzw. dann der größte Teil des Einkommens (über 50%!) für das Wohnen ausgegeben werden muss?
Oftmals kann man froh sein überhaupt Arbeit zu finden. Das heißt man beliest sich vielleicht nicht unbedingt über die Mieten. München hat ja nun auch den Ruf weg sehr teuer zu sein und da unwissend hinzugehen ist ja schon nicht mehr möglich. Dennoch finde ich die Preise zu hoch und es darf einfach nicht so sein.
Wofür geht man denn arbeiten? Um sich die Wohnung leisten zu können, die man braucht um arbeiten zu können und das Auto zu bezahlen, was man für den Hin- und Rückweg braucht. Eigentlich sehr schade diese Entwicklung und ich hoffe, dass die Preise irgendwann wieder normale Dimensionen annehmen. Wobei man auch viel sparen kann, wenn man in einen Vorort zieht und dann eben mit dem Bus fährt.
derpunkt hat geschrieben:Für eine bessere Schlagzeile wurden für die Rechenbeispiele Geringverdiener genommen
Das wurde nicht für eine bessere Schlagzeile gemacht. In dem Artikel geht es nun mal um den Mindestlohn und ob mit ihm das möglich ist, was mit ihm laut Versprechungen der Politik möglich sein soll. Nämlich eine Wohnung zu bezahlen.
Und der Artikel und die Grafik zeigt doch sehr schön, dass dies in vielen Fällen nicht möglich ist. Dabei stützt er sich auf Internetseiten zur Wohnungssuche und die Mietpreise, die dort angegeben wurden. Was keine Berücksichtigung fand, ist die Konkurrenz. Wenn man in München eine Wohnung vermietet, kann man unter etlichen Bewerbern auswählen und sucht sich natürlich nicht die aus, die mit ihrem Mindestlohn gerade so die Miete bezahlen können. Somit ist es für Geringverdiener noch schwieriger, eine Wohnung zu finden, als dieser Artikel eh schon zugibt.
Aber wer einen Job annimmt und nur aufgrund eines solchen Artikels, den er mal gelesen hat, meint, keine Probleme bei der Wohnungssuche zu haben, ist etwas naiv. Dass Wohnungen in den meisten Großstädten sehr teuer sind, weiß doch jeder. Und wenn man keine Unmengen an Geld zur Verfügung haben wird, informiert man sich vorher etwas genauer und nimmt den Job nicht an, weil man irgendwann mal was gelesen hat.
Also ich kann dem Artikel keinen Vorwurf machen. Sie stellen genau das dar, was sie darstellen wollten. Der Mindestlohn wurde auf eine Höhe festgesetzt, mit der man eine Wohnung und andere wichtige Dinge in seinem Leben bezahlen kann. Und der Artikel untersucht, welche Grenzen einem da vom Wohnungsmarkt gesetzt werden. Nämlich extrem enge Grenzen, wie das viele Rot in der Grafik zeigt.
Das Problem gibt es aber doch nicht erst heute. Schon Anfang der 90er bestanden diese Probleme. Eine Bekannte von mir hat eine Ausbildung zur Gärtnerin in einem Betrieb gemacht, der sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert hatte. Sie suchte für nach der Ausbildung also einen neuen Arbeitsplatz, weil der Ausbildungsbetrieb keine Auszubildende übernehmen wollte.
Recht bald fand sie in einer größeren Stadt einen neuen Arbeitsplatz und freute sich darüber natürlich sehr. Da lag das Ausbildungsende noch ein Ferne. So suchte sie dann über viele Wochen hinweg eine Wohnung, in der Stadt, in der sie dann beruflich Fuß fassen wollte. Schlussendlich musste sie den Arbeitsplatz absagen, weil keine bezahlbare Wohnung zu finden war.
eine Wohnung zu finden bzw. dann der größte Teil des Einkommens (über 50%!) für das Wohnen ausgegeben werden muss?
Wenn man dann aber mal aus dem Bereich Geringverdiener in den Bereich Leistungsbezieher geht, sieht man doch recht deutlich, dass die Mietkosten heute locker fünfzig Prozent des "Einkommens" ausmachen.
Der Regelsatz für Arbeitslosengeld 2 lag die letzten Jahre zum Teil unter 350 Euro. So viel Mietkosten haben die Städte aber zum Teil auch bewilligt. In Städten wie München liegen die Mietkosten, die durch die Ämter übernommen werden teilweise noch höher. Ich habe nun extra mal auf der Webseite von München nachgesehen, dort können bei einem alleinstehenden Leistungsbezieher eine Höchstmiete von 590 Euro bewilligt werden. Und das ist nur die Bruttokaltmiete.
Problematisch ist doch auch, dass für Leistungsbezieher schon zum Großteil kein geeigneter Wohnraum mehr vorhanden ist. Und in manchen Städten wird man trotz Mindestlohn wahrscheinlich gar nicht aus dem Leistungsbezug raus kommen können. Weil es eben keine bezahlbaren Wohnungen gibt. Teilweise eben auch nicht am Stadtrand.
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