Nachbarin ermahnt zum Abschneiden überhängender Äste
Herr A hat eine Gartenhaus. Heute wurde Herr A von Frau B abgemahnt, durch den Jägerzaun ragende Äste des Haselnussstrauchs abzuschneiden. Herr A wies Frau B darauf hin, dass alles Überhängende Besitz von Frau B wäre und dass sie damit machen könnte, was sie wolle. Frau B konterte, dass sie sich keine Gartenpflege mehr leisten könne und dass Herr A auch den 10 m hohen Kirschbaum stutzen oder fällen solle, weil Frau B am Nachmittag immer Schatten auf ihrer Terrasse hätte.
Frau B hätte auch Äste auf ihrer Seite schneiden lassen und das hätte sie 500 Euro gekostet und Herr A hat sich nicht einmal dafür bedankt. Herr B erwiderte, dass sich kosmetische Eingriffe auf der Seite der Nachbarin in keine Dankensverpflichtungen verliefen. Herr B hat dann aus Kulanz doch noch die 20 überhängende Äste auf die Einfahrt von Frau B geschnitten. Rechtlich gesehen, ist das Sache der Nachbarin und Herr A nicht der Gratisgärtner von Frau B.
Stellen überhängende Äste immer ein Reizthema bei Nachbarn dar oder ist Frau B einfach nur leicht aggressiv? Hättet Ihr auch aus Kulanz die Äste geschnitten oder sollte man solche rechtlich nicht verpflichtende Arbeiten lieber unterlassen?
Dass alles überhängende der Besitz des Nachbarn ist, ist Quatsch. Wenn man einen Haselnussstrauch im Garten hat, muss man dafür Sorge tragen, dass die Äste nicht ins Nachbargrundstück durch den Zaun ragen. Denn man darf streng genommen auch nichts ernten, was überhängt. Herr A ist also für die Pflege seiner Sträucher selber verantwortlich.
celles hat geschrieben:Rechtlich gesehen, ist das Sache der Nachbarin und Herr A nicht der Gratisgärtner von Frau B
Wie kommst du darauf? Rechtlich darf die Nachbarin die Äste nicht abschneiden, weil es nicht ihr Baum ist. Sie muss dem Besitzer eine Frist einräumen, bis zu welcher die Äste zu schneiden sind. Anschließend darf die Nachbarin selbst Hand anlegen. Strittig und auf den Einzelfall ankommend (auf den Grad der Beeinträchtigung ankommend) kann die Nachbarin auch einen Gärtner beauftragen und dessen Rechnung dann von A einfordern. Dazu kann gerne

Alles was überhängt, kann geerntet werden. Auch können alle Äste geschnitten werden. So viel ich aus deutschen Reportagen weiß, ist es nicht anders. Hier ist der österreichische Rechtstext:
Über das in § 422 ABGB normierte Selbsthilferecht hinaus hat der Nachbar nicht die Möglichkeit, ein auf sein Eigentumsrecht gestütztes Begehren zur Beseitigung des Überhanges durch den Eigentümer des Baumes oder Strauches zu stellen.
Es gibt aber auch Abweichungen zwischen Deutschland und Österreich. Das besagt das Überhang (Nachbarrecht), auch bei Wikipedia zu finden.
In Deutschland geht es anscheinend anders: Das österreichische ABGB regelt in:
§ 421 Abs. 1: „Jeder Eigentümer kann die in seinen Grund eindringenden Wurzeln eines fremden Baumes oder einer anderen fremden Pflanze aus seinem Boden entfernen und die über seinem Luftraum hängenden Äste abschneiden oder sonst benützen. Dabei hat er aber fachgerecht vorzugehen und die Pflanze möglichst zu schonen“.
Das besagt doch aber nichts anderes, als dass die Nachbarin NICHT die Möglichkeit hat die Äste abzuschneiden. Sie könnte es machen, muss es aber nicht, weil der Nachbar der Eigentümer ist und wenn sie es macht, dann müsste sie auch so schonend vorgehen, dass der Baum oder der Strauch nicht kaputt geht. Aber in erster Linie muss der Besitzer des Baums oder des Strauchs vorgehen und sehen, dass nichts überhängt und die Früchte dürfen auch NICHT geerntet werden, wie hier schon diskutiert wurde Äpfel vom Apfelbaum des Nachbarn ernten?. Man muss den Besitzer des Strauchs und Baums fragen.
Vielleicht ist dies in Deutschland so. In Österreich, wie ich oben schon in der Gesetzespassage gezeigt habe, kann man mit Ästen, die aufs Grundstück ragen, machen, was man will. Auch die schönen Äpfel ernten und dann verspeisen. Wenn das in Deutschland NICHT so möglich ist, frage ich mich, wie der Apfelbaumbesitzer zu den Äpfeln kommen will, OHNE eine nicht erlaubte Grundstücksbetretung zu machen?
Der Nachbar kann ja fragen, ob er ernten darf oder nicht und wenn der andere Nachbar den Apfelbaumbesitzer nicht auf sein Grundstück lässt, dann fallen die Früchte eben runter und der wenn sie auf dem Boden liegen darf der Nachbar von dem Apfelbaumbesitzer das Fallobst verwerten. Aber nicht, wenn es am Baum hängt.
In Österreich ist es so, wie das Gesetz besagt welches du zitiert hast, dass der Nachbar mit dem Baum machen KANN was er will, er muss es aber nicht. Überragende Äste sind da auch Sache des Besitzers. Wenn der Nachbar so lieb ist und das weg macht, dann sollte der Besitzer sich bedanken. Aber der Nachbar ist nicht in der Pflicht.
@celles: Der Text sagt doch nichts anderes, als dass der Nachbar mehr Rechte in einem solchen Fall hat, als in Deutschland. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass der Eigentümer der Pflanze aus allen Pflichten raus ist. Werden also die Äste nicht durch den Eigentümer gekürzt und der Nachbar beauftragt einen Gärtner, der sich damit auskennt, dann kann er die Rechnung weiterleiten.
Nur dass eben in Österreich der Gartennachbar keine Fristen setzen muss. Da sind die deutschen Gesetze ein wenig freundlicher für den Eigentümer gestaltet. Da hier eben erst mal gesagt werden muss, dass man seinen Überwuchs entfernen soll.
Was Recht ist, wurde ja schon genug diskutiert und der Gesetzestext, den du zitiert hast, sagt es ja genau aus. Aber ich möchte noch mal auf deine Fragen eingehen.
celles hat geschrieben:Stellen überhängende Äste immer ein Reizthema bei Nachbarn dar oder ist Frau B einfach nur leicht aggressiv? Hättet Ihr auch aus Kulanz die Äste geschnitten oder sollte man solche rechtlich nicht verpflichtende Arbeiten lieber unterlassen?
Frau B ist nicht leicht aggressiv, weil ihr Grund und Boden durch die überragenden Äste ein geschränkt wird. Wenn Frau B die Äste in Deutschland geschnitten hätte ohne Fristen zu setzen, wäre es eine Sachbeschädigung. In Österreich hätte sie es machen können, aber sie will es ja nicht. Also ist der Besitzer in der Pflicht. Frau B hat keinerlei Pflichten die Äste zu schneiden. Weder in Österreich noch in Deutschland. Und der Besitzer, also Herr A muss in Deutschland wie in Österreich diese rechtlich verpflichtenden Arbeiten erledigen.
Ich würde hier nicht irreführende Aussagen treffen, dass Herr A die Kosten für das Schneiden der Äste tragen muss. Natürlich ist Frau B leicht aggressiv und sie hätte auch die Äste im 10 Minuten selber schneiden können. Das wäre von ihrem Grundstück leicht möglich gewesen. Man darf fremde Grundstücke nicht betreten und Herr A hat aus Kulanz gehandelt und muss gar nichts zahlen, was auch hier leicht nachzulesen ist.
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-241507.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Wie oft mistet ihr Beautyprodukte aus? 2414mal aufgerufen · 14 Antworten · Autor: beere · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Gesundheit & Beauty
- Wie oft mistet ihr Beautyprodukte aus?
- Hat man nach der Schule einen großen Verlust an Freunden? 5938mal aufgerufen · 22 Antworten · Autor: Owlytic · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Alltägliches
- Hat man nach der Schule einen großen Verlust an Freunden?
- Pappteller statt normaler Teller 3848mal aufgerufen · 12 Antworten · Autor: Sippschaft · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Essen & Trinken
- Pappteller statt normaler Teller
- Oberflächliche Bekannte, die einem etwas verkaufen wollen 1674mal aufgerufen · 12 Antworten · Autor: celles · Letzter Beitrag von Klehmchen
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Oberflächliche Bekannte, die einem etwas verkaufen wollen