Würdet ihr in ein Altenheim im Ausland gehen?
Das Ausland ist in Alten- und Krankenpflege oft billiger als Deutschland. Aber würdet ihr, wenn ihr in ein Altenheim müsstet auch ein Altenheim im Ausland akzeptieren? Diese Frage stellt sich zur Zeit eine Bekannte meiner Eltern. Sie hat einen Sohn, der sich aber nicht viel um sie kümmert und sie hat eine nicht sehr hohe Rente. Sie überlegt, ob sie in ein Altenheim in Polen oder Ungarn gehen soll. Eine andere Bekannte ist zur Rente in die Sonne gegangen und dort alt geworden. Auf Mallorca ist sie dann, als sie nicht mehr alleine wohnen konnte ins Altenheim gegangen.
Denkt ihr, dass die Altenheime im Ausland auch nicht schlimmer sein können als die in Deutschland? Wo, in welchem Land würdet ihr ein Altenheim bevorzugen, wenn es gar nicht anders gehen würde und ihr in ein Altenheim müsstet?
Ich habe mal eine Dokumentation zu diesem Thema gesehen. Dort wurde dann von mehreren Senioren berichtet, die in ein Altenheim nach Ungarn gegangen sind mit der Begründung, dass die Versorgung in Deutschland erstens zu teuer ist und zweitens, dass die Altenpflegeheime in der Regel unterbesetzt sind. Eine Seniorin begründete ihre Entscheidung auch damit, weil sie in Ungarn ihren Hund mitnehmen durfte (Haustiere in deutschen Einrichtungen sind ja generell verboten) und dass sie dort eben auch ihre eigenen vier Wände nach ihren Vorstellungen einrichten und gestalten durfte.
Ob ich selbst in ein Altenheim gehen würde und wenn ja wo, steht noch in den Sternen. In meiner Kultur ist es verpönt, Familienmitglieder in ein Altenheim "abzuschieben", aus welchem Grund auch immer. Der Stolz spielt hierbei auch eine Rolle und es ist nicht selten, dass alte und kranke Personen bis zu ihrem Lebensende gepflegt werden, auch wenn das nicht besonders leicht wird. Mir ist sogar ein Fall bekannt, in dem dann ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen wurde, aber gegen ein Altenheim an sich hat man sich mit Händen und Füßen gewehrt, auch wenn dies leichter gewesen wäre.
Ich habe noch keine Kinder und dementsprechend kann ich auch nicht sagen, wie die in Zukunft reagieren würde, wenn es darum geht, mich zu pflegen oder mich in ein Altenheim zu stecken. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich erst mal ein betreutes Wohnen in Anspruch nehmen und wenn es dann nicht mehr anders geht, in ein Altenheim gehen. Ob das in Deutschland oder im Ausland sein wird, kann ich so noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass ich mit meinem Partner gehen würde und von ihm ist die Entscheidung ja auch abhängig, wohin die Reise gehen soll.
Ich habe mal einen Bericht gesehen über deutsche Senioren in Thailand. Die Betreuung war unglaublich gut. Letztlich hatte praktisch jeder der Heimbewohner einen eigenen Pfleger, die sehr liebevoll mit ihnen umgingen und sehr viel Zeit für sie hatten. Diese sind auch mit den Bewohner einkaufen und an den Strand gegangen. In Deutschland haben sie durch den Personalmangel nur Zeit für die nötigsten Arbeiten und müssen die Alten dann wieder alleine lassen.
Mein Bruder hat eine Kambodschanerin geheiratet. Als sie meine Großmutter kennenlernte, war diese schon sehr alt. Während ich schüchtern an ihrem Krankenbett stand, ergriff meine Schwägerin sofort die Initiative und massierte meiner Großmutter die Beine. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, meine Hände unter die Bettdecke zu strecken. Ich fand das unglaublich süß von meiner Schwägerin. Aber sie ist Großfamilie und Mehrgenerationenhaushalt auch von klein auf gewohnt und hat daher einen viel natürlicheren Umgang damit.
Ich denke also schon, dass es eine Überlegung wert ist, seinen Lebensabend im Ausland zu verbringen. Nicht nur finanziell. Aber wenn man noch Familie hat, würde ich sie ungern verlassen und etliche Kilometer zwischen uns bringen. Vielleicht würden sie dann ihren Urlaub bei mir in Thailand verbringen und so sehe ich sie dann ein paar Tage im Jahr. Das wäre mir zu wenig.
Allerdings werde ich keine Kinder bekommen. Und eigentlich will ich auch gar nicht so alt werden. Bevor ich in einen Altenheim muss, würde ich mich eher umbringen. Egal, ob in Deutschland oder sonstwo.
So ein Schritt hat insofern was verzweifeltes, weil man so alle Brücken zu seinem bisherigen Leben abbrechen würde. Alle Bekannten wären ja dann weg und man wäre allein auf sich gestellt. Die anderen Personen im Altenheim wären keine Alternative - schon auf Grund der sprachlichen Barriere. Und nachdem es wohl Studien gibt, welche nahe legen, dass die Vereinsamung im Alter zu einem früheren Ableben führt, wäre der einzige Vorteil eines solchen Vorgehens der, dass das Altenheim nicht lange bezahlt werden müsste. Es wäre auch illusorisch davon auszugehen, dass z.B. in Ungarn die Pflegekräfte deutsch sprechen. So ein Schritt kann also keine befriedigende Lösung sein und kann eigentlich nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Alternative entsprechend trostlos ist.
Ich habe mal eine Reportage zu dem Thema gesehen und war ehrlich gesagt begeistert. Die Leute sahen weniger aus wie die Bewohner eines Altenheimes, sondern eher wie Urlauber. Das ist ja immer nur die eine Seite, aber wenn man noch fit im Kopf ist kann man es überall schön haben. Problematisch wird es erst dann, wenn man sich nicht mehr äußern kann, aber das ist es auch in Deutschland.
Man muss eben darauf achten, an wen man gerät und man muss sich die Einrichtung vorher ansehen. Im Ausland ist das eben auch mit Kosten verbunden, aber wenn man den Rest seines Lebens da verbringt ist es die eine Reise wert.
Ich hoffe meinen Ruhestand beziehungsweise die Zeit kurz vor dem Ruhestand auch schon in einem warmen Land verbringen zu können. Mein zukünftiger Mann kann durchaus auch noch arbeiten, wenn er will und ich auch, aber wir beide lieben warmes Klima und ich denke, dass es da für uns irgendwann enden wird. Zumal wir beide gerne etwas von der Welt sehen.
Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde. Bestimmt würde ich nicht nach Polen in ein Altenheim gehen und nach Ungarn wahrscheinlich auch nicht. Man müsste sich ein Altenheim im Ausland mal ansehen, vielleicht auf Mallorca. In Deutschland gibt es ganz sicher auch gute Heime, aber da fehlt dann das Geld. Betreutes Wohnen finde ich immer noch besser, so lange es geht.
Den Film über die Seniorenbetreuung in Thailand habe ich auch gesehen. Nur zweifle ich daran, dass es in Wirklichkeit auch so ist, wie dort gezeigt. Der Mann im Rollstuhl brauchte ja wirklich Hilfe. Aber ich glaube, mir wäre es zuviel, den ganzen Tag so betüttelt zu werden. Irgendwie benötigt auch ein Senior Freiheit. Dazu noch die Sprache, die man nie verstehen wird. Die Thailänderinnen mögen es von klein auf nicht anders kennen und sich um Großmutter usw. kümmern. Vor vielen Jahren war es ja auch in Deutschland mal üblich, dass man sich um alte und kranke Familienangehörige gekümmert hat. So wie das bei uns nicht mehr normal ist, könnte es auch in Thailand mal werden oder es wird sehr viel teurer und man kann es nicht mehr bezahlen. Das Risiko wäre mir zu groß, wenn man dann in der Fremde sitzt und weiß nicht weiter und kann nicht mehr.
Ja, es ist richtig, man bricht Brücken ab, wenn man ins Ausland geht. Aber wenn man das Alter erreicht hat, wo es nicht mehr alleine geht, welche Bekannten bleiben dann noch über? Entweder sind sie auch krank oder schon verstorben. Besuche von Ihnen kann man dann nicht mehr erwarten, das müsste wirklich Glücksache sein. Und Verwandte? Wenn sie wollten, könnten sie sich ja vorher darum kümmern. Aber sie sind auch froh, wenn sie das nicht müssen.
Ich würde es nicht machen, selbst wenn ich es könnte. Zuerst einmal kennt man dort die entsprechenden gesetzlichen Regelungen nicht und wie sieht es gerade im Krankheitsfall aus? Mit wenig Sprachkenntnissen in ein ausländisches Krankenhaus zu kommen, dürfte ein absoluter Albtraum werden. Wie ruft man dort die Schwester. Wer zahlt dort für den Krankenhausaufenthalt und wo kann man sich dort beschweren? Wie sieht es mit einer Heimaufsicht aus?
Hinzu kommt das Fehlen jeglichen Freundes- und Bekanntenkreises. Mit wem soll ich mich denn dort in welcher Sprache unterhalten? Wenn man diese Sprache schon spricht und Kontakte dorthin hat, ist dies sicher eine Möglichkeit, aber ansonsten glaube ich kaum, dass man mit 70 noch mal eine neue Muttersprache erlernt.
Ich finde die Entscheidung schwierig. Als Kind habe ich immer davon geträumt, nach der Rente nach Ungarn auszuwandern oder mir dort vorher schon ein Ferienhaus zuzulegen. Den Traum habe ich aber aufgegeben, weil ich die Sprache nicht kann und sie eigentlich für den Urlaub auch nicht lernen wollte. Aber wenn ich dort würde leben wollen, wozu ja auch ein Leben im Altersheim gehört, dann würde ich definitiv die Sprache können wollen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich diese noch lernen kann, wenn ich vielleicht 80 Jahre alt bin und kurzfristig in ein Altenheim muss.
Dass die Betreuung dort gut sein soll, das habe ich auch schon gehört und das kann ich mir auch gut vorstellen. Aber ich könnte es mir auch nur schwer vorstellen, hier alles zu verlassen und in dem Alter nochmal in einem fremden Land quasi neu anzufangen. Das muss man sicher in einem Altenheim in Deutschland dann auch, aber ich kann mir schon vorstellen, dass man ohne die Sprachkenntnisse einfach isoliert ist und sich eher einsam fühlt.
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