An Immobilienzwangsversteigerungen unbedingt teilnehmen?

vom 30.04.2014, 13:34 Uhr

Häufig gibt es Informationen zu Immobilienzwangsversteigerungen. Auf diese Weise soll man angeblich Immobilien in einwandfreiem Zustand zu unschlagbar günstigen Preisen erwerben. Das sind jedenfalls die Informationen in Berichten.

Könnt ihr das so bestätigen? Sind Immobilien-Zwangsversteigerungen immer mit Vorteilen verbunden oder kann man dabei durchaus auch Pech haben und eine solche Versteigerung hat Nachteile? Wie kann man sich im Vorfeld informieren?

» emily erdbeer » Beiträge: 564 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Und wie kommt man auf die Idee, dass eine Immobilie, welche zwangsversteigert wird, in einem einwandfreien Zustand ist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwo so behauptet oder veröffentlicht wird. Außer vielleicht in einem Satire-Magazin. Schließlich gibt es ja einen Grund, warum es zu einer Zwangsversteigerung kommt! In aller Regel, weil Schulden vorhanden sind. Und die kommen, weil das Geld knapp wird. Stellt man sich also wirklich vor, dass jemand der die Rate an die Bank für das Haus nicht entrichten kann, sich regelmäßig um die Instandhaltung des Hauses kümmert und evtl. vorhandene Gelder in ein Haus steckt, welches er nicht mehr bezahlen kann?

Dann kommt hinzu, dass eine solche Immobile ja noch nicht mal besichtigt werden kann, wenn der Besitzer das nicht will. Weder von Kaufinteressenten noch vom Gutachter der für das Gericht ein Exposé erstellt. Wenn also der Keller schon unter Wasser steht oder das Dach so dicht ist, wie ein gewöhnliches Sieb, dann bekommt man das als Käufer im schlechtesten Fall an dem Tag mit, an dem man in die Wohnung kommt!

Hinzu kommt, dass in so einem Objekt ja u.U. noch der Besitzer wohnt. Ist der Mittellos, muss man dieses Haus gerichtlich räumen lassen. Viel Spaß macht das nicht, wenn man sich vielleicht vorstellt, dass das dann eine ältere Dame von 70 Jahren ist - oder eine vierköpfige Familie mit kleinen Kindern. Da ist der neue Besitzer/Eigentümer letztlich dafür verantwortlich, die Räumung zu veranlassen und durchzuführen.

Schlagzeilen machen übrigens immer die Fälle, in welchen sich dann die zu räumenden Ex-Besitzer am Tag der Zwangsräumung selbst umbringen oder gar sich selbst und das Objekt in die Luft sprengen. Aber gut - das sind Extrembeispiele.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Immobilienzwangsversteigerungen beinhalten generell ein Risiko und sollten gut durchdacht sein. Es ist keinesfalls so, dass man da nichts falsch machen kann und auf jeden Fall ein tolles Objekt zum unschlagbaren Preis erhält. Die Probleme hat derpunkt schon aufgeführt. Der Vorbesitzer kann noch drin wohnen, das Objekt kann Mängel aufweisen und so weiter.

Aber ebenso kann man auch Glück haben. Nicht alle Besitzer verweigern dem Gutachter den Zutritt. Ob das Dach undicht ist, sieht man oft schon von außen. Und man kann das Objekt womöglich so billig ersteigern, dass man es sich leisten kann, zu renovieren und zu reparieren.

Wir haben unser Haus in einer Zwangsversteigerung gekauft und sind sehr zufrieden damit. Wir konnten es zwar nur von außen sehen, aber das Dach war vollkommen in Ordnung. Und auch innen war zum Glück alles okay. Wir haben auf diesem Weg ein riesiges Haus mit großem Garten für 5000 € ersteigert. Wir haben noch einiges reingesteckt, aber das hätten wir auch tun müssen, wenn wir ein altes Haus auf normalem Weg gekauft hätten.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich denke auch dass man bei solchen Zwangsversteigerungen sehr tolle Schnäppchen machen kann und ich habe das auch selber einmal erlebt. Die Schnäppchen gibt es aber meistens nicht schon bei dem ersten Termin sondern erst später wenn der zweite Versteigerungstermin ansteht. Dann können nämlich auch Gebote unter dem Verkehrswert abgegeben werden. Dafür braucht es aber Geduld und auch Nervenstärke, denn nicht wirklich jedes Objekt ist wirklich als Kauf zu empfehlen. Ich finde man kann sich so etwas durchaus auch einmal ansehen, auch wenn es erst einmal nur als Beobachter ist.

Vor Jahren stand von unserem Nachbarn die Gründerzeitvilla mit großem parkähnlichen Garten und ausgebautem Kutscherhaus zur Versteigerung an. Zuvor versuchte eine Immobilienfirma das im Auftrag des Eigentümers für ungefähr 450 000 Euro an den Mann zu bringen. Nach fast zwei Jahren wurde immer noch kein Käufer gefunden und da die Banken als Gläubiger ungeduldig wurden kam es dann zur Zwangsversteigerung. Der geforderte Preis hatte sicherlich seine Berechtigung. Es war voll saniert, hübsch anzusehen und die Sanierungskosten entsprachen ungefähr dem Verkaufswert. Allerdings stand das Haus direkt an einer vielbefahrenen Hauptstraße und es war einfach zu teuer für den Osten. Kaum ein Einheimischer hatte so viel Geld und das Objekt war auch einfach zu riesig. Im Prinzip müsste man schon für den Garten alleine einen Gärtner beschäftigen und für jemanden der täglich noch arbeitet wäre das eigentlich alles nicht zu schaffen gewesen.

Hier stand also der Versteigerungstermin an und niemand kaufte, auch nicht zum zweiten Termin. Beim dritten Termin wurde es dann für 120 00 Euro angeboten und letztendlich für 100 000 Euro verkauft. Meine jetzige Nachbarin hatte alles richtig gemacht und lange gewartet bis es für sie erschwinglich war. Dazu kamen glaube ich noch Versteigerungsgebühren und vielleicht ein paar Euro Verwaltungskosten der Immobilienfirma. Ich war bei der Versteigerung dabei weil mich interessierte wer einmal mein Nachbar wird. Vorher wurde die Expertise herumgereicht und ein Grundbuchauszug. Dort standen auch die Hypotheken für das Haus drin. Das war einfach Wahnsinn, die Banken hatten die letzten Kredite nur mit 16 Prozent Zinsen gewährt, das war dann sicherlich nicht mehr zu stemmen. Die Frau hat aber im Prinzip die Katze im Sack gekauft weil sie die Räumlichkeiten vorher nicht sehen konnte. Sie kannte es aber ungefähr durch ihren Mann der dort einmal als Handwerker tätig war.

Ob nun wirklich überall solche Schnäppchen möglich sind weiß ich nicht. Hier bei uns in der Gegend gibt es ein Überangebot an Häusern weil die Leute einfach wegsterben und die Kinder schon längst im Westen ihre Wurzeln haben. Da oft auch das Geld für notwendige Modernisierungen fehlte sind die Häuser auch oft nur etwas für absolute Bastler. Auch fehlt hier so ein bisschen der professionelle Immobilienmakler der Häuser aufkauft um sie dann schnell wieder mit Gewinn zu verkaufen. Das ist aber wiederum gut für den privaten Schnäppchenjäger beziehungsweise den Interessenten bei einem Insolvenzverkauf.

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» hooker » Beiträge: 7217 » Talkpoints: 50,67 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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