Ist eine psychische Erkrankung ein Grund für Trennung?

vom 24.11.2013, 02:14 Uhr

Viele Menschen sind krank. Immer mehr bekommen eine psychische Störung. Sie kommen mit der Arbeit nicht klar, werden grundlos fertig gemacht. Stehen sie morgens aus dem Bett auf, sind sie noch total daneben, weil die Gedanken an die Arbeit sie nicht haben schlafen lassen. Grundlos schreien sie den Partner an und beschimpfen ihn.

Einen solchen Fall haben wir in der Nachbarschaft. Die Frau hat sich von ihrem Partner getrennt, weil es nicht mehr zumutbar war, wie er sie zu hause angebrüllt hat und sogar handgreiflich geworden ist. Auf Bitten seiner Partnerin hatte er sich zu einem Besuch beim Facharzt überreden lassen. Dieser hatte ihn krank geschrieben und ihm Tabletten verschrieben. Kurze Zeit wurde es besser, doch dann hat er die Tabletten nicht mehr genommen. Sein Toben wurde immer schlimmer. Nun hat die Partnerin sich getrennt, weil er einer weiteren psychischen Behandlung nicht mehr zugestimmt hat. Da die Partnerin ebenfalls arbeitet, ist sie nicht mehr in der Lage, diesen häuslichen Druck zu ertragen. Würdet ihr euren Partner in einem solchen Fall ebenfalls verlassen, wenn er nicht einsichtig ist und sich behandeln lässt? Wie würdet ihr am besten vorgehen?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich kenne eine Person, welche mit einem psychisch kranken Mann verheiratet war, also er hatte Schizophrenie gehabt und manchmal wirklich paranoide Schübe gehabt, bei denen auch die Polizei gerufen wurde, da er eine Gefahr für sich selbst und auch für andere Menschen wurde. Seine Tabletten hatte er heimlich entsorgt und nicht mehr genommen aufgrund von den Nebenwirkungen, also er war ständig müde und angeschlagen und das hat ihm nicht so gut gefallen.

Wenn man sein eigenes Leben oder seine eigene körperliche Unversehrtheit in Gefahr sieht, dann muss man auf jeden Fall etwas unternehmen und wenn es bis zur Trennung führt, was ja auch sehr schade ist, dann kann man dagegen auch nicht viel tun. Immerhin ist es ja auch so, dass der Mann einer weiteren psychischen Behandlung nicht zugestimmt hat, welche allerdings vielleicht auch sehr notwendig für das weitere Zusammenleben von dem Mann und der Frau wäre. Ich glaube aber nicht, dass man einen Partner aufgrund von einer leichten Depression, einem Burn-Out oder einer merkwürdigen Phobie verlassen sollte, das würde ich nicht machen.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9232 » Talkpoints: 24,53 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich kann die Frau sehr gut verstehen. Wenn man alles versucht hat und sich der Mann auch so uneinsichtig zeigt und die Behandlung abbricht, wird das Zusammenleben unzumutbar. Da muss man dann auch mal egoistisch sein, bevor man selber noch depressiv wird. Sicher, eine Ehe sollte "in guten und in schlechten Zeiten" bestehen bleiben. Aber wenn man die Hoffnung verliert, dass die schlechten Zeiten wieder aufhören, ist das wirklich schwierig.

Und man tut dem Mann ja auch keinen Gefallen, wenn man bei ihm bleibt. Er muss sich ja auch schlecht dabei fühlen, wie er die Frau behandelt, die er liebt. Wenn er sie wirklich noch liebt, will er doch auch, dass sie glücklich ist und gut behandelt wird. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, sollte er sich wünschen, dass sie geht. Das sieht er natürlich in seinem jetzigen Zustand nicht. Aber vom Charakter oder seiner eigentlichen Einstellung her, würde er es bestimmt so sehen, wenn die Krankheit ihn nicht so in ihren Klauen hätte.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich würde mich nicht von meinem Partner trennen, egal welche Krankheit er bekommen würde. Das weiß ich, da ich meinen Partner mehr als mein eigenes Leben liebe und Liebe bedeutet für mich auch, dass man sich in jeglicher Situation als Paar zeigt. Ich kann verstehen, dass es für die Frau aus dem Ausgangsbeitrag nicht einfach war, mit dem veränderten Partner umzugehen. Ich würde aber auch nie außer acht lassen, dass man sich in den Menschen aus irgendwelchen Gründen mal verliebt hat.

Wenn eine Krankheit den Charakter verändert, ist es sicherlich nicht leicht damit umzugehen, wenn keine Tabletten eingenommen werden, wird das ganze noch schwieriger. Eventuell würde ich meinen Partner in die Psychiatrie einweisen lassen, wenn er selbst nicht erkennt, dass er Hilfe braucht, aber ich würde lieber selbst dabei draufgehen, als dass ich ihn verlassen würde, wenn er mich am nötigsten braucht.

» Jess0708 » Beiträge: 715 » Talkpoints: 47,47 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich finde diese Situation wirklich sehr schwierig, denn normalerweise sollte man seinem Partner auch in schweren Zeiten zur Seite stehen und ihn dann nicht noch hängen lassen. Allerdings ist das bei psychischen Erkrankungen eine andere Situation, denn oft wollen sich die betreffenden Personen nichthelfen lassen oder machen den Mitmenschen das Leben zur Hölle. Das kann man dann irgendwann auch nicht mehr aushalten - egal wie groß die Liebe auch ist. Ich habe es schon bei einigen Paaren erlebt, dass sie sich getrennt haben, nachdem der Partner depressiv geworden ist. Anfangs hat man natürlich noch alles mögliche versucht, um dem Partner zu helfen und die Beziehung zu retten, aber das ist leider nur in einem Fall gelungen.

Meist sind die Leute dann ja auch ganz anders als vorher. Der Charakter und die gesamte Persönlichkeit ändern sich und es ist dann auch nicht mehr der Mensch, den man kennengelernt hat und in den man sich auch verliebt hat. Das ist dann eine echte schwierige Situation. Man möchte die Person, mit der man möglicherweise ja schon viele schöne Jahre verbracht hat, nicht einfach fallen lassen. Irgendwann kommt man dann aber an den Punkt, dass man selbst auch nicht mehr kann. Man kann sich ja auch nicht nur aufopfern - vor allem dann nicht, wenn die psychisch erkrankte Person keinerlei Einsicht zeigt und sich nicht helfen lassen möchte. Ohne professionelle Hilfe schafft man es aber nicht, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen. Zu sagen, dass man den Partner auf keinen Fall verlassen würde, finde ich schon ein wenig naiv, denn wenn man noch nie in einer solchen Situation war, kann man das gar nicht einschätzen.

Eine gute Freundin von mir hat sich deswegen von ihrem Mann getrennt. Er war depressiv und hat seinen ganzen Ärger gegen die eigene Familie gerichtet. Es kam dann so weit, dass er seine Frau sogar geschlagen hat. Der Mann war einfach nicht mehr er selbst, aber wollte auch keine Therapie machen. Für ihn war alles normal und meine Freundin musste dann irgendwann auch die Reißleine ziehen, auch wenn sie die Trennung sehr mitgenommen hat. Sie hat sich anfangs auch Vorwürfe gemacht aber im Endeffekt war es die richtige Entscheidung. So hart es klingt, aber sie musste sich auch ein wenig selbst schützen.

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» MeL.G » Beiträge: 4918 » Talkpoints: 16,81 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Zu sagen, dass man den Partner auf keinen Fall verlassen würde, finde ich schon ein wenig naiv, denn wenn man noch nie in einer solchen Situation war, kann man das gar nicht einschätzen.

Woraus genau schließt Du, dass ich noch nie in einer solchen Situation war? Ich bin mit meinem Partner zusammen, seit ich 15 bin, heute bin ich 30. Er war über drei Jahre lang schwer depressiv, ist nicht vor die Tür gegangen, kein einziges Mal, ich war damals 16. Ich bin heute noch mit ihm zusammen. Aus diesem Aspekt erlaube ich mir zu sagen, dass ich meinen Partner niemals verlassen würde. Nicht aus Naivität, sondern aus Erfahrung.

» Jess0708 » Beiträge: 715 » Talkpoints: 47,47 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich arbeite ja beim Internisten, und kann daher sagen, das bei uns bestimmte mindestens fünf Prozent der Patienten antidepressiva nehmen. Also eine ganz Menge. Viele davon sind auch auf längere Zeit krankgeschrieben.

Da ich viele auch etwas besser kenne, kann ich sagen, das ich die Partner die sich trennen, sehr gut verstehen kann, denn man kann oftmals gar kein richtiges Leben mehr mit den betroffenen führen. Viele trennen sich ja nicht sofort, sondern erst nach einiger zeit, oftmals erst nach vielen Jahren.

Leider handelt es sich dabei um eine richtige Krankheit, nicht immer sind es Menschen die einen für uns erklärbaren Grund haben, krank zu sein, oft sind es Menschen, denen es eigentlich gut gehen müsste, weil sie alles haben, und es ihnen eigentlich gut gehen müsste.

» laraluca » Beiträge: 1068 » Talkpoints: 9,76 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich habe meinen Mann in depressivem Zustand kennengelernt und weiß daher, das es sehr wichtig ist, seine Tabletten, die man verordnet bekommen hat, regelmäßig zu nehmen. Ich würde meinen Mann keinesfalls verlassen, denn ich weiß selbst worauf ich mich eingelassen habe und das solch eine Erkrankung einfach zusammen schweißen kann, so wie es bei uns der Fall war. Für mich gab es niemals einen Grund meinen Mann zu verlassen, denn wir haben gelernt, mit dieser Erkrankung zu leben und ich weiß wie ich ihn nehmen muss.

Wie ich jedoch anstelle der Frau gehandelt hätte, kann ich nicht sagen, denn in solch einer Situation, das mein Partner täglich getobt hat oder ausgerastet ist, bin ich noch nie gekommen - Gott sei Dank! Bevor man sich jedoch selbst zerstört im wahrsten Sinne des Wortes, ist eine Trennung doch am Ende das Beste. Als Partner hilft man dem anderen gerne und versucht alles menschenmögliche zu tun, damit es dem Partner besser geht, jedoch muss dieser auch den Willen dazu haben um z.B. bei einer Therapie mit zu machen. Wenn der Erkrankte selbst nicht möchte und alles ablehnt, kann der Partner alles noch so toll machen und versuchen, es wird nichts bringen am Ende. Es müssen beide Seiten mitspielen und diese Herausforderung etwas gemeinsam schaffen zu wollen schweißt einfach unheimlich zusammen.

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» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Also zwischen dem beschriebenen Fall im Eingangspost und einer Depression liegen doch wohl Welten. Wenn mein Partner mich selbst psychisch und körperlich fertig macht, dann ist die Trennung der einzige richtige Schritt. Kein Mensch sollte sich da einer ernsten Gefahr aussetzen und nur aus moralischen Gründen an der Partnerschaft festhalten.

Es ist also kaum vorher zu entscheiden, ob man mit seinem Partner zusammen bleiben wird. Das kommt eben darauf an, wie sich die psychische Erkrankung entwickelt und vor allem, wie der Partner sich damit entwickelt. Wenn die häusliche Situation nicht mehr tragbar ist, dann muss man eben handeln und eben auch einen psychisch kranken Menschen verlassen.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich kenne selbst auch ein Paar, bei denen die Frau eine psychische Erkrankung hat. Der Mann hat sie aber so kennen gelernt und liebt sich auch damit. Bei ihr handelt es sich aber wohl um eine harmlose Erkrankung, so dass sie nicht gewalttätig oder sonst wie aggressiv wird.

Daher würde ich es wohl von der Art der Erkrankung abhängig machen. Wenn mein Partner plötzlich aggressiv würde und sogar handgreiflich werden würde, kann man eine Trennung sicherlich nachvollziehen. Oder wenn jemand einfach seine Medikamente nicht nehmen möchte und dadurch wirklich auch eine Gefahr für die Familie wäre, dann kann ich auch verstehen, wenn man dann irgendwann einen Schlussstrich zieht. Es ist sicher nie leicht mit jemandem zusammenzuleben, der eben psychische Probleme hat. Aber nicht jeder ist dann ja auch gefährlich für seine Familie und tobt und schlägt vielleicht auch.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


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