Auffällige Designfehler im Alltag

vom 29.05.2013, 13:28 Uhr

Wie sehr fallen euch Designfehler auf, die offensichtlich Schuld an menschlichen Irrtümern sind? Ich habe nun im Rathaus eine große und mächtige Flügeltür (im innern) gesehen. Diese Tür ist mit großen, senkrecht stehenden Holzgriffen versehen (bestimmt 50 cm lang - jeweils auf jeder Flügeltür). Diese langen (und mächtigen) Griffe suggerieren eigentlich regelmäßig, dass man daran ziehen muss, um die Tür zu öffnen. Doch es war so, dass hier gedrückt werden musste! Wenn man sich hinstellt und beobachtet, wie die Leute die Tür "bedienen", fällt wirklich auf, dass zwei von drei Personen wirklich zuerst ziehen. Und ob die, die es richtig machen, nur deshalb gleich drücken, weil sie die erfolglosen Versuche der anderen gesehen haben, ist nicht klar.

Habt ihr noch Beispiele aus dem Leben, bei dem der Designer augenscheinlich versagt hat, wenn man Funktion und Design gemeinsam betrachtet? Bei den Türen hätte man wohl besser eine flache Platte anbringen sollen, die eher zum drücken der Tür verleitet. Ein weiterer Designfehler betrifft z.B. - klassisches Beispiel - die Fernbedienungen, bei denen der Ein-/Ausknopf gleich groß ist, wie die anderen. Ebenso die Kanalwahl Taste (+/-) bzw. die Tasten für die Lautstärkenregulierung.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ja, mir fallen auch öfters solche Dinge auf. Besonders im Bereich von Anzeigen wird überhaupt nicht an die Funktionalität gedacht. Oft sind sie zu klein, sodass man sie als kurzsichtiger Mensch ohne Brille nicht lesen kann.

Wir haben eine neue Straßenbahnhaltestelle vor der Haustüre. Auf einer Anzeige kann man erkennen, wann die nächste Trambahn kommt. Die Anzeige ist rot auf schwarzem Untergrund. Das heißt, dass Rot-Grün-Farbenblinde nichts erkennen können, wie beispielsweise meine Kinder. Immerhin haben ungefähr 10 % aller Männer eine Rot-Grün-Farbenschwäche, soweit ich informiert bin, also ein Bevölkerungsanteil, dem man bei der Planung solcher Dinge durchaus berücksichtigen sollte.

Mit den Türen an der S-Bahn ist es dasselbe. Hier leuchten rote oder grüne Pünktchen auf schwarzem Untergrund. Auch hier können Rot-Grün-schwache Menschen nicht erkennen, ob die Tür noch geöffnet werden darf oder nicht.

Im Moment haben wir im Durchgang zu den S-Bahngleisen eine Anzeige, die man als größerer Mensch erst erkennt, wenn man direkt davor steht. Man kann sich also nicht von Weitem schon informieren, sondern muss davor stehen bleiben und angestrengt nach oben schauen. Vorher stört ein Balken die Sicht, sodass man sich bücken müsste. Auch dies ist in meinen Augen ein Zeichen, dass sich die Leute um die Benutzbarkeit von Dingen viel zu wenig Gedanken machen.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Die alten DB-Terminals. Als die Terminals vor einigen Jahren einen Bildschirm bekommen haben, war der so angebracht, dass es auf jeden Fall ordentlich geblendet hat und man gar nichts lesen konnte. Gerade als kleiner Mensch, der sich nicht einfach in die Sonne stellen oder den Blickwinkel ändern kann, hat man rein gar nichts gesehen. Aber dann kamen ganz schnell neue, bei denen es wesentlich besser ist. Ich war also nicht die Einzige, der das aufgefallen ist.

Ein Bekannter hat mal von einer Espressomaschine erzählt. Also diese silbernen Kannen, die man auf die Herdplatte stellt. Er hatte eine billige für 10 Euro und war sehr zufrieden damit. Sein Mitbewohner hat dann eine sehr teure Kanne bestellt, aus dem Katalog "Manufactum". Dort kann man ganz gewöhnliche Dinge in schönem Design für teures Geld kaufen. Diese Espressokanne war fünf Mal so teuer wie die gewöhnliche. Leider ist der Griff glühend heiß geworden, was eher in die Kategorie "Unpraktisch" fällt.

Aber das passiert mir häuftig bei Produkten, dass ich mir denke, dass die Entwickler das Teil nicht ein einziges Mal selber ausprobiert haben. Mein Mann hat z.B. eine Imkerjacke, wo Bienen durchstechen können. Da hat sich die Investition auch richtig gelohnt.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Da du den Fehler beim Designer suchst gehst du anscheinend davon aus, dass dieser am kompletten Produktionsprozess beteiligt ist und letztendlich auch darüber entscheiden kann, wo und wie sein Design verwendet wird, was aber oft nicht der Fall ist. Die Tür ist da ein sehr gutes Beispiel, denn wie eine Tür aufgeht hängt ja davon ab, wie sie eingebaut wird und das wiederum hängt in der Regel davon ab, wie die Tür auf den Bauplänen eingezeichnet war. Wenn der Architekt sagt, dass die Tür nach innen aufgehen soll und wenn dann eine Tür gekauft wird, bei der eigentlich klar ist, dass der Designer sie so konzipiert hat, dass sie nach außen aufgehen soll, kann der Designer ja nichts dafür.

Natürlich gibt es auch Designer, die nicht wirklich praktisch denken, aber oft ist das, was sich der Designer vorstellt und das, was am Ende dann dabei herauskommt eben nicht das gleiche. Bei billigen Klamotten fällt mir zum Beispiel oft auf, dass die Muster an den Nähten völlig willkürlich aufeinander stoßen. Aber auch KIK, Takko und Co. lässt seine Sachen von ausgebildeten Modedesignern entwerfen und die haben mit Sicherheit gelernt, dass man bei gemusterten Stoffen auf den Zuschnitt achten muss, aber darauf wird in der Massenproduktion dann eben nicht geachtet, weil das mehr Abfall bedeuten würde.

Als wirkliche Fehler sehe ich solche Sachen wie den Wassertank der Kaffeemaschine meiner Schwester an. Dafür habe ich ihr irgendwann mal eine Bürste gebastelt, weil sie den sonst nicht richtig sauber bekommen hätte.

Benutzeravatar

» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Cloudy24 hat geschrieben:Als wirkliche Fehler sehe ich solche Sachen wie den Wassertank der Kaffeemaschine meiner Schwester an. Dafür habe ich ihr irgendwann mal eine Bürste gebastelt, weil sie den sonst nicht richtig sauber bekommen hätte.

Das ist ein weiteres Beispiel! Ich habe ein ähnliches Problem das zu einem Konflikt zwischen "Alltagstauglichkeit" und "Design" führt: ein Entsafter ist zwar wegen seines herausragenden Designs mit einem Preis versehen worden (worauf auch auf der Verpackung verkaufsfördernd hingewiesen wurde!). Allerdings sind die "Ecken" (was aus meiner Sicht aber schon "Falten" genannt werden kann) innerhalb des Geräts wo dann der Saft aufgefangen wird praktisch nicht zu reinigen, so dass sich wirklich unschöne Verfärbungen gebildet haben. Wobei es leider nicht nur Verfärbungen sind, sondern echter "Schmutz", was mit Hilfe eines Zahnstochers geprüft werden kann. So ein Gerät mag schön sein, aber es macht mir keinen Saft, den ich gerne trinken möchte. Jedenfalls dann, wenn man mal versucht hat, das Gerät zu reinigen.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^