Kaffee kostet eine freiwillige Spende - Wer würde zahlen?
Als ich gestern auf der Buchmesse war, bot ein Zeitungsverlag kostenlos Kaffee, Cappuccino und Espresso an. An sich waren die Getränke für jeden komplett kostenlos. Man musste sich nur anstellen. Lediglich eine Büchse stand auf dem Tisch mit einem Schild, dass man sich über eine freiwillige Spende freuen würde.
Da an anderen Ständen ein einfacher Kaffee 2,90 Euro kostete, war die Reihe hier besonders lang. Auch ich wollte solch einen Preis nicht bezahlen und stellte mich mit beim Zeitungsverlag an. Wie ich beobachten konnte, steckte aber kein einziger etwas in die Büchse. Ich fand das schon irgendwie seltsam, schließlich sparte man ohnehin, wenn man hier den Kaffeedurst stillte. Mir kam es echt so vor, als wäre ich die Einzige in der Reihe, die mal einen Euro in die Büchse steckte. Würdet ihr etwas geben, wenn der Preis für einen Kaffee eine freiwillige Spende wäre?
Wenn tatsächlich eine "vergleichbare Leistung" in unmittelbarer Nähe 2,90 Euro kosten würde, dann halte ich einen Euro tatsächlich für mindestens angemessen. Allerdings darf man hier nicht vergessen, dass der Kaffee sicher nicht gleich mit einem Kaffee aus einem Restaurant oder einem Café vergleichbar sein dürfte. Denn ich kenne solche Stände auch und in der Regel wird vorgebrühter Kaffee aus großen Kannen ausgegeben, was den Kaffeegenuss letztlich schon trübt. Nur geht es hier aber um einen symbolischen Akt und auch ein schlechter Kaffee ist oft besser als gar keiner und auch ein schlechter Kaffee würde den Anbieter Geld kosten!
Das jetzt niemand oder kaum jemand was "gespendet" hat (man kann nicht von Spenden sprechen, weil eine Leistung für die "Spende" erbracht wurde) liegt dann entweder daran, dass alle geizig waren oder aber die Büchse nicht wahr genommen wurde. Oft ist es ja auch so, dass so eine Spendenbüchse so platziert wird, dass man sie nicht sehen muss, wenn man aus der Schlange kommt und mit einer anderen Person spricht während man sich Kaffee eingießt. Es kann aber auch sein, dass sich auf Grund der Eigendynamik die Gruppe stillschweigend geeinigt hat, nichts zu bezahlen. Nach dem Motto: wenn der vor mir nichts bezahlt, dann bezahle ich auch nichts. Es ist denkbar, dass die Leute nach dir sich das mit dem Bezahlen überlegt haben und dann eben auch was in die Büchse geworfen haben.
Ich wäre auf jeden Fall bereit, etwas freiwillig zu spenden, wenn ich dafür schon so viel sparen könnte, weil ich meinen Kaffee nicht an einem der anderen Stände trinken würde. Denn ich wäre auch nicht bereit, 2,90 Euro für einen Kaffee zu bezahlen. Da der Verlag für den Kaffee aber natürlich auch Ausgaben hat, würde ich sicher auch einen Euro spenden, mit dem ich meinen Kaffee als bezahlt ansehen würde.
Aber ich kann mir schon vorstellen, dass viele Menschen nichts bezahlt haben. Das dürfte leider die Regel sein, wenn eine kostenlose Sache angeboten wird. Vielleicht haben einige aber die Sammeldose auch nicht gesehen. Deswegen würde ich es nicht direkt als negativ ansehen, wenn jemand nichts spendet. Aber die Mehrheit wird sicher die Dose gesehen haben und einfach nicht zu einer Spende bereit gewesen sein, vermute ich.
Ich trinke zwar keinen Kaffee, aber in so einer Situation sollte jeder etwas in die Büchse werfen. Wenn ich an der Reihe gewesen wäre, dann hätte ich einen Euro eingeworfen, denn das ist ein super Preis für ein Getränk, wie man am Nachbarstand sehr gut erkennen konnte. Wo gibt es denn heute noch Getränke für einen Euro? Da lässt sich recht wenig finden, zumindest sehe ich das so. Wenn mal der eine oder andere nichts in die Büchse wirft ist das auch ok, aber wenn so gar keiner etwas einwirft fühlt man sich in dem Moment einfach nur ausgenutzt. Hier würde ich irgendwann die Bremse ziehen und sagen, dass der Kaffee alle wäre. Irgendwo ist dann auch Schluss mit dem Geiz. Gut, man muss damit rechnen, dass so etwas schamlos ausgenutzt wird, aber man hofft ja doch, dass nicht alle Leute so sind wie in diesem Beispiel auf der Buchmesse.
Auf der anderen Seite kann es aber auch anders sehen. Wir befinden uns hier auf einer Messe, bei der auch mal kleine Sachen kostenlos verteilt werden. Das ist vielleicht bei einer Buchmesse nicht so intensiv, wie bei anderen, aber auch hier wird es ein paar kleine Aufmerksamkeiten geben. In dieser Situation sieht man den Kaffee eben als so eine kleine Aufmerksamkeit an. Es gibt sicher sehr viele Leute, die so an die Sache herangehen, was ja nun auch nicht unbedingt verkehrt ist. Man sieht also, dass hier verschiedene Ansichtsweisen gibt. Am Ende muss jeder das machen, was er für richtig hält.
2,90€ für eine Tasse Kaffee finde ich sehr happig, auch wenn es auf einer Buchmesse gewesen ist. Da hätte ich mich auch in der Reihe für kostenlosen Kaffee angestellt, da ich ein großer Kaffeetrinker bin. Aber 2,90€ wäre mir zu teuer gewesen, da hätte ich echt dankend verzichtet. Ich hätte vermutlich 1€ in die Spardose gespendet, vielleicht auch mehr, je nach dem, was meine Geldbörse an Kleingeld hergibt. Aber ganz ohne Spende finde ich dreist, auch wenn der Kaffee kostenlos angeboten wurde. Schließlich war der Hintergrund der Aktion ja, dass das gesammelte Geld gespendet werden sollte.
Wennie4 hat geschrieben:dass das gesammelte Geld gespendet werden sollte.
Wie kommst du auf diese Annahme? Ich gehe davon aus, dass das eingesammelte Geld am Ende die Unkosten derjenigen decken sollte, welche den Kaffee ausgeben. Ich habe vor zig Jahren auch an solchen Aktionen mitgemacht (z.B. unter dem Stichwort "Volxkücke") und da war es schon so, dass am Ende die eigenen Kosten gedeckt waren und ein kleiner Rest übrig war, mit dem die nächste Aktion zumindest zum Teil vorfinanziert werden konnte. Dass das Geld für irgendeinen Zweck gespendet werden sollte, steht jedenfalls nicht im Eröffnungsthread und das würde auch ein anderes Licht auf die Sache werfen. Denn dann hat diese "Spende" tatsächlich gar nichts mit dem ausgegebenen Kaffee zu tun und wer mit dem angegebenen Zweck der Spende nicht einverstanden wäre (und da gibt es viele Möglichkeiten), der würde dann ja ganz bewusst nichts in die Kasse werfen.
Bei mir an der Uni gab es eine Art Café, das von Freiwilligen geführt wurde, und da war es auch so, dass man für Kaffee und Tee eine Spende da lassen sollte. Ich habe da regelmäßig mein Kleingeld gespendet und ich habe auch nie mitbekommen, dass sich jemand nur kostenlos bedient hat und nie Geld da gelassen hat.
Das Café konnte sich von den Einnahmen finanzieren, aber wahrscheinlich ist die Einstellung der Kaffeetrinker eine ganz andere gewesen. Wenn zu wenig Geld gespendet worden wäre, wäre kein Kaffee mehr gekauft worden und man hätte sich mit seinem Geiz dann im Endeffekt selber geschadet und den teureren und schlechter schmeckenden Automatenkaffee trinken müssen. Wenn da aber ein Verlag, mit dem man weiter nichts zu tun hat, Kaffee anbietet denkt man ja nicht, dass der eine Euro, den man in die Spendenbüchse steckt, irgendwie wichtig ist. Die meisten denken wahrscheinlich, dass der Verlag eh genug Geld hat.
Auf der Messe hätte ich mir auch einen Kaffee geholt und hätte 1 Euro gespendet. Ich glaube, dass die Dose nicht so gut war wie ein offenes, durchsichtiges Gefäß, in das man dann vorher schon ein paar Euros legen sollte, damit es so aussieht, als ob alle spenden. Die Nachfolgenden hätte sicherlich auch das Portemonnaie gezückt. Irgendwie hätte ich nicht umhin gekonnt, Geld in die Dose zu stecken. Was ich auch richtig finde. Man kann nicht immer alles umsonst haben wollen.
Ich finde es nicht in Ordnung, wenn man eine Leistung bezieht und dann nichts zurückgibt. Die Betreiber des Standes haben ja damit auch Ausgaben und da ist es nur fair, wenn man eben auch mal etwas gibt. Man kann ja auch weniger als einen Euro geben, wenn man wirklich wenig Geld zur Verfügung hat, aber ich denke, dass man ruhig einen Euro und mehr zahlen kann. Man erhält ja auch einen Kaffee dafür, und wenn der sonst so teuer ist, hat man doch trotzdem Geld gespart.
Ich finde es nicht in Ordnung, wenn man sich so rücksichtslos verhält. Sicherlich ist der Kaffee als kostenlos ausgeschrieben und so wird man auch damit Minus machen, aber man weiß ja auch, dass der Kaffee nicht umsonst ist. Man muss ja auch im Laden Geld bezahlen und da kommt man mit einer kleinen Spende schon extrem gut weg. Aber so ein Verhalten kann man leider auch in anderen Bereichen beobachten. Mir fällt da zum Beispiel die Erdbeerernte auf den Feldern ein. Dort zahlt man ja auch einen relativ kleinen Betrag und kann sich dann nehmen. Einige werfen da aber auch gar nichts ein und bedienen sich dann. So sollte die Welt nicht funktionieren und ein bisschen sozial kann man ruhig auch sein. Ich hätte auf jeden Fall etwas für den Kaffee bezahlt.
Grundsätzlich bin ich natürlich immer ein Freund von Gratisdingen und ich mag es nicht, wenn man den Umweg über "Freiwillige Spende" zur Bezahlung angebotener Artikel geht. Weil ich in meinem Denken mich dann eben doch moralisch verpflichtet fühlen würde, für das angeblich kostenlose Getränk zu bezahlen. Da habe ich es lieber, wenn man mir den Preis für das Getränk vorgibt, anstatt mir selber die Entscheidung der Geldsumme zu überlassen.
Ehrlich gesagt würde ich wohl schon darüber nachdenken, den Gratiskaffee dann auch nicht zu bezahlen. Nicht weil ich es nötig habe, den Euro zu sparen oder weil ich keinen Anstand habe, sondern weil ich bei sowas immer das Gefühl habe, dass man versucht, mich durch Moral zu manipulieren und dann eben doch scheinbar freiwillig zum bezahlen zu bewegen. Und sowas mag ich einfach nicht. Allerdings habe ich nunmal eben auch dieses Denken, dass der Anbieter seine Kosten ja auch irgendwie decken muss. Sowas überfordert mich. Insofern würde ich ohnehin eher den Stand wählen, an dem man die Gewinnabsichten durch einen festgelegten Preis auch offen und ehrlich zeigt, anstatt "hintenrum" wie beim "Gratiskaffee".
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