Wenn Eltern sich ihren Traum durch ihre Kinder verwirklichen

vom 23.10.2012, 11:43 Uhr

Ich habe vor Kurzem wieder einmal "Verklag mich doch!" geguckt und es ging darum, dass eine Mutter ihre Tochter dazu gezwungen hat, Gesangsunterricht zu nehmen und nur für das Singen zu lernen. Der Vater der Tochter, die Eltern sind getrennt, hat dies bemerkt und hat auch die Tochter gefragt, wie sie sich in dieser Situation fühlt. Die Tochter hat gesagt, dass sie gar keine Lust auf singen hat und fühle sich auch völlig unwohl. Da der Vater dies nicht mit ansehen konnte, wollte er das alleinige Sorgerecht und ist damit vor Gericht gegangen.

Irgendwann im Laufe der Sendung hat man dann erfahren, dass die Mutter früher auch gesungen hat und weil sie dann eine Krankheit hatte, musste sie das Singen aufgeben. Der Vater hat der Mutter dann auch vorgeworfen, dass sie nur ihren eigenen Traum verwirklichen will und sie doch gar nicht auf das Kind achten würde. Die Mutter war allerdings sehr dagegen und war auch der Meinung, dass ihre Tochter das selber machen möchte und vorallem dachte sie, dass ihre Tochter gut singen könne. Man hat dann die Stimme der Tochter gehört und ich muss sagen, dass es einfach nur schrecklich war. Wie die Sendung ausgegangen ist kann ich nicht sagen, allerdings hat mich das zum nachdenken gebracht.

Ich selber habe eine kleine Schwester und sie ist jetzt sechs Jahre alt. Meine Stiefmutter, also ihre Mutter, war früher erfolgreiche Leichtathletin, musste allerdings wegen einer Verletzung aufhören. Meine Schwester hat schon oft gesagt, dass sie zum Ballett möchte, allgemein tanzen möchte oder Klavier spielen möchte. Wir haben sie dann auch zu Kursen gebracht und sie durfte selber entscheiden, was sie am liebsten macht. Sie tanzt jetzt schon seit ungefähr zwei Jahren regelmässig in einem Kurs und man sieht auch, dass sie großen Spaß hat. Ich würde ihr nie etwas aufzwingen oder so, da es doch um ihr Spaß und um ihr Wohl geht.

Bei meinem Vater ist es auch so, dass er früher im Fußball erfolgreich gewesen ist, aber weil er nicht das nötige Glück hat, ist nichts daraus geworden. Ich spiele auch Fußball und das auch nicht gerade schlecht. Ich mache das aber nicht, weil mein Vater dazu zwingt, sondern weil ich es selber will. Ich würde mich nie zwingen lassen oder so und finde auch, dass man so etwas als Elternteil nicht machen sollte.

Wieso ist es so, dass manche Eltern ihre Kinder dazu benutzen, um ihren Traum zu verwirklichen? Warum müssen sie den Kindern etwas aufzwingen, was sie doch gar nicht wollen?

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» petertreter » Beiträge: 1437 » Talkpoints: -2,03 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Leider ist es aber so, dass einige Eltern daraufhin arbeiten, dass ihr eigener Jugendtraum, den sie aus irgendwelchen Gründen nicht verwirklichen konnten, durch ihre Kinder wahr werden soll. Das finde ich nicht richtig, weil die Kinder selbst entscheiden sollen, was sie gerne machen, womit sie ihr Leben verbringen könnten ohne Langeweile und mit viel Interesse. Die Eltern sollten informieren und dem Kind bei der Entscheidung helfen, aber keineswegs Zwang ausüben.

Kinder von Rechtsanwälten, Ärzten und Geschäftsleuten sollen oft wunschgemäß die Kanzlei, die Praxis oder die Firma übernehmen und dementsprechend auch studieren. Nur oft haben diese Sprösslinge kein Interesse am Beruf des Vaters oder der Mutter. Dann sollte man sie auch nicht quälen sondern ihren Wunsch respektieren.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


In der Tat ist es gar nicht so leicht hier eine richtige Antwort zu geben. Viele Eltern sind sehr ehrgeizig, oder wollen auch einfach nur das Beste für ihre Kinder erreichen. Nach einiger Zeit merken sie aber gar nicht, dass dies nur ihre eigenen Ziele sind, die sie nicht mehr erreichen können, weil sie beispielsweise zu alt sind.

Ich finde das auch sehr traurig, aber es ist eben leider auch so das Eltern das am längeren Hebel sitzen. Sie können das Kind teilweise auch dazu zwingen. Und das obwohl das Gesetz das anders sieht. Demnach sollen Eltern immer so handeln das es ihnen gut geht, den es geht um ihr "Wohl".

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» Finja18 » Beiträge: 1296 » Talkpoints: 61,63 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Mein Vater war früher Fußballspieler und hat auch relativ erfolgreich gespielt. Er stieg zwar von der zweiten in die erste Liga auf und wieder zurück und wieder zurück, aber immerhin spielte er hochklassig und hatte auch genug Einsätze. Für die große Karriere hat es allerdings nie gereicht, weshalb erst mein Bruder und dann auch ich, als ich auf die Welt kam, sofort die Fußballschuhe angezogen bekam. Mit drei Jahren fing er an, professionell mit mir zu trainieren, es machte mir Spaß. Mein Bruder hatte relativ schnell verletzungsbedingt aufgehört mit dem Fußball und so war ich die letzte Chance für meinen Vater, an einer großen Fußballkarriere beteiligt zu sein.

Durch die Leichtathletik, in der ich auch große Aufstiegschancen oder viel mehr -garantien hatte, wurde es irgendwann zu viel und als ich mich dann belastungsbedingt zu einer Sportart entschied, war es schon zu spät und ich verletzte mich mehrmals hintereinander. Das letzte mal sogar so schwer, dass mir eine Sportinvalidität nachgesagt wurde. Ich hatte Chancen auf hochklassigen Fußball, europäischen Fußball, das bestätigten mir viele Leute, die Ahnung hatten und stand kurz vor dem Sprung immerhin in eine Jugendnationalmannschaft. Ich habe mich von meinem Vater zwar immer ein wenig gedrängt gefühlt, aber hatte auch immer Spaß und denselben Ehrgeiz, sodass ich das nicht gespürt habe.

Als ich jedoch die Diagnose vom Sportarzt hatte, hatte ich ein bisschen Angst, wie mein Vater, der mich immer auf dieses Ziel hin gedrillt hatte, darauf reagiert - und war erstaunt, als er mich tröstete, dass das nichts wird, weil ich es mir so sehr gewünscht hatte. Er hatte es immer als meinen Traum und meine besondere Chance angesehen und nie versucht seinen letzten Karriereschritt durch mich doch noch zu erfüllen. Ein Positiv-Beispiel also wie ich finde.

Ein negatives habe ich auch miterlebt bei einem Mannschaftskameraden. Er war schon in der Jugennationalmannschaft, wurde von seinem Vater immer angetrieben und, egal wie kaputt der Sohn (13 Jahre alt) war, er musste weiter und weiter rennen. Selbst bei Verletzungen schrie er seinen Sohn wieder auf den Platz. Schoss sein Sohn zwei Tore, hätte er drei machen müssen, gab er drei Vorlagen, hätte er zwei Tore selbst machen müssen, es war nie genug. Letztendlich hörte dieser Freund von mir komplett mit dem Sport auf, obwohl ihm der Schritt in die Bundesliga als Minimum garantiert wurde. So etwas passiert leider viel zu oft und es ist wirklich schade. Ich verstehe nicht, warum Eltern das tun, aber ich denke, es tut der gesamten Familie nicht gut, wenn so etwas geschieht. Ich würde meinem Kind nie etwas aufzwingen, was er nicht will und würde immer darauf achten, dass der Spaß im Vordergrund steht, auch wenn Ehrgeiz auch vorhanden sein muss.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das Warum zu solchen Handlungsweisen ist eine interessante Frage. Meist wollen die Eltern die eigenen verpassten Chancen nachholen. Das was ihnen verwehrt blieb, warum auch immer, soll das Kind bekommen. Dass man dabei den eigenen Wunsch dem Kind aufdiktiert, sehen die meisten Eltern dabei aber auch nicht.

Ich selbst bin aber nicht mit solchen Eltern aufgewachsen. Egal ob Hobby oder später der Berufswunsch an stand, ich entschied es selbst. Klar, bekam ich Ratschläge von meinen Eltern. So riet mir halt mein Vater Berufsausbildung mit Abitur zu machen bei meinem Studienwunsch. Ich wäre in einer Männerdomäne gelandet und da kann man sich als Frau eben nur richtig durchsetzen, wenn man auch die Praxis kann und nicht nur die Theorie.

Diesen Ratschlag hatte ich dann eben auch beherzigt, selbst wenn sich mein beruflicher Werdegang dann komplett anders entwickelt hat. Aber nach dieser Methode erziehe ich auch meine Kinder. Sie waren zum Beispiel zwei Jahre in der Arbeitsgemeinschaft Musical und Chor. Nun wollten beide etwas anderes ausprobieren. Klar, der Chorleiter wollte sie nicht gehen lassen. Aber ich habe ihnen in die Entscheidung nicht rein geredet.

Vor einigen Wochen entdeckte eine Tochter dass ich das Angeln Spaß macht. Sie würde das gerne im Verein machen. Heute am Telefon druckste sie rum, dass sie bedenken hätte, dass sie es mit der Schule nicht vereinbaren kann. Ich vermute zwar, dass da jemand anderes versucht ihr das Angeln auszureden, aber ich habe ihr einen Weg aufgezeigt, wo sie eben erst in zwei Wochen entscheiden muss. Aber sie entscheidet es am Ende selbst und wird bei einem Eintritt in den Verein dann von mir die volle Unterstützung erhalten.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich finde das selber auch nicht ok warum soll ich meinem Kind was aufdrängen was ich selber nie geschafft habe. Typisches Beispiel sind diese Eltern aus Amerika die ihre kleinen Mädchen zu Models machen, sie schminken lassen wie Erwachsene oder so anziehen, (haben bestimmt schon viele von euch gesehen) nur um ihren Traum übers Kind auszuleben.

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» Sandra19 » Beiträge: 39 » Talkpoints: 0,75 »


Wenn du nach China guckst, ist es an der Tagesordnung, dass die Kinder dazu gedrillt werden, Leistungen zu erbringen. Das hat einfach damit zu tun, dass die Eltern ihren Traum nie verwirklichen konnten- keine Gesangskarriere- kein perfekter Pianist- all das haben sie in ihrem Leben nicht erreicht, und jetzt wollen sie, dass zumindest ihre Kinder damit Erfolg haben. Sie lassen dabei außer Acht, dass ihre Kinder ganz andere Wünsche und Träume haben.

In China ist es natürlich noch ganz anders, das Abi dort ist viel schwerer, und die Eltern schließen sich mit ihren Kindern kurz vorher in einem Hotel ein, um den ganzen Tag zu lernen. Das ist hier wohl eher nicht,aber auch hier gibt es nun mal Eltern, die ihre Kinder so haben wollen, wie sie NICHT sind, sie wollen Ruhm, in dem sie sie zu etwas machen, dass sie nicht sein können, wenn sie nicht selbst davon überzeugt sind. Es gibt ja auch (besonders natürlich in Amerika) Schönheitswettbewerbs für kleine junge Mädchen- kein Mädchen der Welt würde dort freiwillig hingehen, allein die Eltern sind Schuld daran, dass die Kinder wie Babys rum rennen und sich wie eingebildete Modepüppchen verhalten. Eltern haben einen enormen Einfluss auf ihre Kinder und manche nutzen das leider aus!

» MissCuriosity » Beiträge: 566 » Talkpoints: 25,44 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Bei der Mutter meiner besten Freundin habe ich auch immer das Gefühl gehabt, dass sie sich selbst in ihr verwirklichen möchte. Da beide schon einiges durchmachen mussten, auch im Bezug auf der Trennung der Eltern und ähnlichem, merkt man schon wie sie immer mehr wie ihre Mutter wird.

Meine Mutter versucht auch immer wieder mich zu irgendwelchen Sachen anzustacheln, die sie damals nicht tuen konnte. Nach einiger Zeit nervt es extrem und fördert auch nicht wirklich das eigene Selbstbewusstsein, wenn dann ständig solche Sprüche kommen wie: "Du hast doch nur Angst davor etwas Neues auszuprobieren."

Ich finde es immer schrecklich mit ansehen zu müssen, wie jemand der unser Vorbild sein soll, so dermaßen schwach wirken kann, nur weil die eigenen Träume nicht verwirklicht werden konnten. Auf der anderen Seite kann es durchaus ein guter Ansporn sein, grade nicht so zu werden, wobei der Nebeneffekt wohl eher seltener auftreten dürfte.

Grade weil unsere Vormünder ihre Träume nicht erfüllen konnte, sollten sie ihren Kindern doch die Chance lassen sich die Eigenen zu verwirklichen, anstatt vergangene Tage neu aufleben lassen zu wollen.

» Renyu » Beiträge: 26 » Talkpoints: 14,00 »


Ich muss sagen, dass ich es auch schrecklich finde und absolut nicht verstehen kann, wenn Eltern der Meinung sind, dass sie sich in ihren Kindern verwirklichen möchten. Ich finde es total schlimm, weil die Eltern den Kindern so die Entscheidungsfreiheit nehmen und vor allem auch in den meisten Fällen den Spaß am Hobby. Es ist ja doch einfach so, dass man, wenn man ein Kind zu etwas zwingt, was es sonst eigentlich sehr gerne macht, ihm den Spaß dabei nimmt. Der Zwang kann meist nie damit einhergehen.

Ich glaube sehr viele Eltern machen dies, weil sie eben, wie du schon gesagt hast, dass die Eltern eben das mit den Kindern machen wollen, was sie selbst nicht geschafft haben, als sie jünger waren. Dazu gehören ganz oft Sachen, die sie aufgrund von einer Krankheit, mangelnder Zeit oder mangelnden Geldes nicht machen konnten. Deswegen wollen sie es dann ihren Kindern "ermöglichen" und sie praktisch zu ihrem "Glück zwingen", was definitiv nicht angebracht ist und auch nicht das Beste für die Kinder ist, was die meisten Eltern ja eigentlich wollen.

Bei einer Freundin von mir ist das auch so. Also die Mutter von ihr ist sehr streng und was das Reiten angeht, wird sie von ihr immer weiter gedrillt. Sie darf so gut wie nie alleine zu ihrem Pferd und wenn sie es denn mal darf, dann schreibt ihre Mutter ihr schon vorher vor, wie sie sich zu verhalten hat, was sie mit dem Pferd üben muss und was sie machen muss, wenn etwas bestimmtes nicht klappt. Ich habe die Mutter auch schon erlebt und ich muss sagen, dass es wirklich extrem ist. Wenn sie sich nicht daran hält, dann ist ihre Mutter nur schlecht drauf und sie wird wieder fertig gemacht. Reden hat hier bisher noch nichts gebracht und die Mutter, die selbst kaum mit dem Pferd klar kommt, macht nur immer weiter Stress.

» Hufeisen » Beiträge: 6057 » Talkpoints: 0,21 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


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