Regenwasser effektiv als Brauchwasser nutzen

vom 07.08.2012, 20:49 Uhr

Wie kann man es anstellen, dass man Regenwasser wirklich effektiv als Brauchwasser nutzen kann? Eine Tante und ein Onkel von mir haben ja ein eigenes Haus und sie finden es schade, wenn das Regenwasser immer nur im Erdboden versickert. Sie würden sich gerne eine Anlage bauen, damit sie dieses Regenwasser auch nutzen können. Wo kann man sich da genau erkundigen? Kann man sowas selber bauen oder müssen sowas Fachleute machen?

Für was kann man alles Regenwasser nutzen? Kann man es soweit nutzen, dass man kaum noch Trinkwasser aus der Leitung bekommt? Wie sauber ist Regenwasser und wird das in so einer Anlage auch gereinigt? Könnte man es auch als Trinkwasser nutzen?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Wenn Du Regenwasser speicherst und das z.B. offen machst, können dadurch eine größere Anzahl von Insektenlarven bei Dir auftauchen, speziell Stechmücken kommen ja aus dem Wasser. Ich würde mir auf jeden Fall fachliche Hilfe holen, frage mal deinen nächsten Installateur; das Wasser sollte auf jeden Fall gefiltert werden, auch Brauchwasser!

» MiniME » Beiträge: 3 » Talkpoints: 0,76 »


Dann müssten deine Verwandten eine Zysterne in den Boden einlassen. Die heutigen Filtersysteme erlauben dann zumindest, dass man das Wasser zum kochen verwenden kann. Als reines Trinkwasser ist es allerdings nicht geeignet. Wobei eine solche Anlage mit Zysterne und den nötigen Rohrsystemen nicht gerade günstig ist.

Wenn man sie nachrüstet, dann muss man einen Zeitraum von etwa acht bis zehn Jahren rechnen, bis sich die Kosten amortisiert haben. Bei einem Hausneubau werden die Kosten entsprechend geringer, weil man ja gleich mit der Regenwasseranlage plant. Allerdings weiß ich durch eigene Erfahrung, wo das Wasser für zwei Toiletten, die Waschmaschine und den Garten genutzt wurde, dass man sehr viel Wasser und eben auch Geld sparen kann.

Man muss aber eine extra Wasseruhr dabei einbauen lassen, da man zumindest Abwasser auf die verbrauchte Menge bezahlen muss. Aber wenn man bedenkt, dass wir damals mit vier Personen nur um die 30 Kubikmeter Leitungswasser im Jahr verbraucht haben, dann sieht man schon die Unterschiede.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Da solltest du dich vorher erkundigen bei der Stadt ob das überhaupt legal ist. Da wo ich aufgewachsen bin, ist es nämlich illegal, das Regenwasser und sogar das Grundwasser zu nutzen. Angeblich weil man nicht weiß ob es unbedenklich ist. Ich denke aber, dass es eher daran liegt, weil die Stadt dadurch weniger Einnahmen hat und sogar Verluste macht.

Ich kenne so einige Familien, die dann "illegal" das Grundwasser oder Regenwasser als Duschwasser oder für die Bewässerung nutzen und bisher ist noch keiner deswegen zu gesundheitlichem Schaden gekommen. Bei der Familie einer Freundin ist es sogar so, dass die Eltern beim Hausbau die Toilettenspülung so konstruiert haben, dass sie über das Regenwasser gespeist wird und bei einer Bekannten von mir ist es so, dass deren Sauna-Dusche über Regenwasser funktioniert. Das natürlich heimlich versteht sich, denn wenn der Wasserverbrauch für einen Mehrpersonenhaushalt unrealistisch niedrig ist, stehen die Behörden auf der Matte und es gibt Stress.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Die gesetzlichen Grundlagen sollte man natürlich im Vorfeld abklären. Aber letztlich sollte auch jeder Handwerksbetrieb das wissen, wenn man da eine Anfrage mit einem Bauwunsch stellt.

Bekannte von mir haben so eine Zisterne gleicht beim Bau des Hauses eingeplant und umgesetzt, in deren Region völlig legal. Ob das Wasser gefiltert wird, weiß ich nicht. Vermutlich muss man das wegen Laub ohnehin machen. Dort setzen sie das Regenwasser vor allem zum Spülen der Toiletten ein. Dafür braucht man wirklich kein Trinkwasser zu benützen, finde ich. In anderen Ändern verdursten Menschen und wir gehen so verschwenderisch mit so einer edlen Ressource um.

Ob das Regenwasser bei meinen Bekannten auch zum Wäsche waschen vorgesehen ist, weiß ich gar nicht. Aber sie haben einen speziellen Hahn in der Wand, wo man auch Regenwasser zapfen kann, wenn man die Böden wischen will. Dafür ist das nämlich gut geeignet, da es sehr weich ist.

Sinnvoll aus gärtnerischer Sicht finde ich es auch, wenn man Regenwasser im Garten speichert um damit den Garten zu gießen. Das bekommt den meisten Pflanzen besser, als wenn man Leitungswasser dafür nimmt. Aber auch da muss man sich bei den Behörden erkundigen, ob das am jeweiligen Wohnort legal ist, bevor man sich in Schwierigkeiten begibt.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich weiß jetzt nicht wie viele Leute im Haushalt von deinem Onkel wohnen, aber bei zwei Personen lohnen sich solche Regenwassersammelsysteme absolut nicht. Auch wenn jetzt vielleicht noch Kinder dort leben, bis sich so eine Anlage amortisieren soll sind die schon längst wieder aus dem Haus.

Regenwasser kann für die Toilettenspülung benutzt werden und auch für die Waschmaschine. Jetzt frage ich mich wie viel Wasser das wohl im Monat sein könnte? Mehr als eine Waschmaschine pro Woche und vielleicht zehn Toilettengänge am Tag kommen da sicherlich nicht zusammen. Bei Investitionskosten von sicherlich deutlich über 1000 Euro dauert es sicherlich ewig bis man diese Summe wieder eingespült hat.

Im Winter gibt es genügend Niederschlag und man kann die Zisterne voll laufen lassen. Aber deren Speicherkapazität ist begrenzt. Die ganz großen Systeme mit vielleicht 5000 Liter Fassungsvermögen gehen natürlich auch so richtig ins Geld. Die kleinen Kammern kosten ja schon 800 Euro. Im Sommer regnet es wenig und bei uns ist es so dass das Wasser eigentlich alles für den Garten gebraucht wird. Ich werde schon schief angesehen wenn ich die Koniferen gießen möchte weil das Wasser immer knapp ist. Wir haben unsere ehemalige Klärgrube umfunktioniert und da passt in die drei Kammern wirklich einiges hinein.

Wer sich trotzdem für ein solches System entscheidet der sollte sich aber damit abfinden dass das Wasser in der Toilette nicht mehr klar ist. Entsprechende Farbzusätze gibt es natürlich, aber die gibt es auch nicht umsonst. Ein ordentliches Filtersystem ist natürlich auch Pflicht denn Mückenlarven und Blattreste will auch niemand in der Waschmaschine haben. Blätter verfaulen auch sehr schnell wenn sie nicht aufgefangen werden und dann kommt es zu den berühmten Faulgasen. Ich glaube es gibt niemanden der solche Gerüche ständig im Bad haben möchte.

Trinken kann man Regenwasser durchaus, dann aber nur abgekocht. Aber wir leben hier in Europa und nicht in Afrika und bei uns gehört es eigentlich zum Lebensstandard auf das Leitungswasser zurück zu greifen. Selbst stilles Wasser ist für zehn Cent pro Liter erhältlich und dieser Betrag würde möglicherweise schon an Stromkosten für das Abkochen fällig sein. Vom Aufwand einmal ganz zu schweigen.

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» hooker » Beiträge: 7217 » Talkpoints: 50,67 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Hat man eine Regenwasserzisterne mit entsprechendem Volumen, kann man diese sehr effektiv zur Brauchwassergewinnung nutzen. Besonders sinnvoll ist hier die Gartenbewässerung. Hierfür muss der Gartenschlauch an den Zisternenanschluß angeschlossen werden. Das Wasser ist deutlich besser für die Pflanzen als Leitungswasser, das oft recht hart ist.

Geeignet ist das Wasser aus der Zisterne auch für die Toilettenspülung. Hier kommt es nicht auf perfekt sauberes Wasser an und man spült doch sehr viele Liter weg, die man günstiger aus der Regenrinne beziehen kann. Was ich nicht empfehlen kann, ist die Nutzung für die Waschmaschine. Hier kann es öfter vorkommen, dass die Wäsche einen Grauschleier bekommt, weil Rückstände aus der Zisterne in der Leitung sind.

Wichtig ist, einen Schalter einzubauen, der auf normalen Leitungswasser-Betrieb umschaltet, sobald die Zisterne leer ist. Sonst kann es passieren, dass man auf der Toilette sitzt und nichts mehr aus der Leitung kommt. Abrechnungsmässig muss man bedenken, dass das Wasser zwar nichts kostet, für die Abwassergebühr jedoch trotzdem zählt. Hier ist die Zählung über eine eigene Uhr sicherzustellen, sonst wird dies nicht behördlich akzeptiert.

» Kopfsalat » Beiträge: 110 » Talkpoints: 38,58 » Auszeichnung für 100 Beiträge



@hooker: Ich habe da Zahlen im Hinterkopf, dass man pro Person und Jahr rund 30 Kubikmeter Wasser als durchschnittlichen Verbrauch kalkuliert. Und da ist eben alles, wie Toilette und auch Waschmaschine mit eingerechnet. Wir waren ja ein Haushalt mit vier Personen, wobei mein Ex-Mann nur drei Tage pro Woche zu Hause war. Rechnen wir da mal nur 10 Kubikmeter Wasserverbrauch für ihn.

Aber insgesamt hätten wir also durchaus um die 100 Kubikmeter Wasserverbrauch haben müssen, wenn ich da mit den Durchschnittswerten richtig liege. Effektiv hatten wir aber nur einen Verbrauch beim Leitungswasser von etwa 30 Kubikmeter. Da eben die großen Verbrauchsstellen von zwei Toiletten und einer Waschmaschine über Regenwasser gelaufen sind.

Wenn man das jetzt mit meiner aktuellen Abrechnung mal anschaut, die aussagt, dass wir bei vier Personen nur 50 Kubikmeter Wasser verbraucht hätten, dann würde sicherlich der größte Teil auch über Regenwasser laufen. Sicherlich kann man sagen, dass es X Jahre dauert, bis man die Kosten wieder rein hat. Aber am Ende spart man doch, auch wenn es einige Jahre dauert. Was bei anderen Dingen, wie Solarmodulen auf dem Dach, aber ähnlich ist.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Punktedieb, ich denke das mit den durchschnittlichen 30 Kubikmetern pro Jahr und Person an Wasserverbrauch kommt durchaus hin. Allerdings wäre das für mich bei einer Regenwasser-Sammelanlage nicht das Maß aller Dinge. Entscheidend ist alleine der individuelle Verbrauch und der sieht in jedem Haushalt anders aus. Nur dieser zählt wenn ich wissen möchte ob sich solch ein Aufwand für mich lohnt.

Ich zum Beispiel schreibe mir jeden Monat auf, wer nicht so penibel ist der kann auch die Wasser- und Abwasserrechnungen der letzten Jahre durchsehen. Bei uns ist das mit sechs bis sieben Kubikmetern pro Monat relativ konstant und das bei drei Personen von denen zwei ständig zu Hause sind.

Daneben muss ich dann auch betrachten wofür ich das meiste Wasser benötige. Wenn ich zweimal am Tag duschen muss weil ich stark transpiriere dann kann ich das nur mit Leitungswasser machen und wenn ich eine schwache Blase habe dann verbrauche ich eben mehr Wasser für die Toilettenspülung.

Für uns würde sich das nicht mehr lohnen, auch weil es absehbar ist dass sich der Haushalt auf zwei Personen reduziert und das auch nicht mehr wird. Bei euch scheint das anders zu sein. 50 Kubikmeter weniger Wasser im Jahr sind nach unseren Wasserpreisen ungefähr 135 Euro Ersparnis, das ist schon nicht schlecht.

Allerdings weiß ich nicht wie hoch eure Investitionskosten waren und ob auch zukünftig bei dir im Haushalt vier Personen leben. Nach zehn Jahren hat sich das möglicherweise amortisiert, dann spielt das möglicherweise auch nicht mehr die Rolle.

In dem Zusammenhang würde mich einmal interessieren wie groß das Fassungsvermögen eurer Zisterne ist und ob es erforderlich ist Filter zu kaufen oder Zusätze die die Fäulnisbildung unterbinden. Auch würde ich gerne wissen ob ein regelmäßiger Wartungsaufwand wie zum Beispiel für das Reinigen der Filter erforderlich ist.

Wenn ich an unser Gartengrundstück denke dann gibt es da viel Laub welches mit eingefangen wird und zu bestimmten Jahreszeiten wenn es sehr trocken ist dann liegen überall gelbe Blütenpollen die beim nächsten Regen alle mit abgespült werden würden. Das ist so richtig klebriges Zeug was garantiert alle Leitungen zusetzt.

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» hooker » Beiträge: 7217 » Talkpoints: 50,67 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Wie hoch die Kosten für die Anlage damals waren, kann ich dir nicht sagen. Die Unterlagen sind alle bei meinem Ex-Mann. Die Regenwasseranlage wurde ja gleich beim Hausbau mit geplant, was insgesamt günstiger ist, als wenn man sie später noch einbaut. Das Fassungsvermögen liegt bei rund 5.000 Litern und da wurde ein Betonbehälter in die Erde gesetzt.

Dort wo ich mal gewohnt habe, hatte sich eine Firma, die früher für private Haushalte die Behälter für Kläranlagen gebaut hat, darauf spezialisiert. Was dabei genau heißt, dass die Betonringe eben ohne die Kammern gegossen wurden. Alle drei bis vier Jahre wurde nur, wenn sowieso kaum mehr Wasser in der Zysterne war, der Schmutz entfernt, der sich dort gesammelt hat. Aber insgesamt ist da nicht viel rein gelangt, weil sämtliche Rohre von Dachrinnen mit Sieben versehen waren, um Laub oder Unrat dort abzufangen.

Die Dachziegel waren engubiert, so dass sich da kaum Staub oder eben Blütenstaub halten konnte, bis Regen ihn in die Dachrinne hätten spülen können. Und wie oft mein Ex-Mann den Filter in der Pumpe gereinigt hat, entzieht sich auch meiner Kenntnis. Aber zum damaligen Zeitpunkt waren wir halt zwei Personen und ein Kind war halt in Planung. Sind ja dann, wie bekannt, zwei Kinder geworden, so dass man sagen kann, dass man mindestens 18 Jahre diese Anlage für vier Personen geplant hatte. Und bis dahin wäre sie lange durch die Ersparnis bezahlt gewesen.

Wie weiter oben schon mal geschrieben, kenne ich durchaus Berichte, wo bei nachträglichem Einkauf acht bis zehn Jahre für die Amortisierung genannt worden. Und das bei Hausbesitzern, die bereits um die 50 bis 60 Jahre waren und man doch damit rechnen kann, dass sie die Zeit noch erleben, wo dann die echte Ersparnis beginnt.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


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