Warum hat man Angst vor einer Narkose?
Ich kann es gut verstehen, wenn jemand Angst vor einer Vollnarkose hat. Als ich letztes Jahr meinen Sohn bekommen habe, habe ich eine Frau kennen gelernt, die vermutlich nur ein Kind haben wird, da sie sich eine zweite Geburt nicht vorstellen kann, da sie bei der ersten einen wahren Horror miterleben musste.
Sie hatte einen Kaiserschnitt und bekam zwar keine Vollnarkose aber eine örtliche Betäubung. Sie schilderte mir, dass diese Narkose bei ihr überhaupt nicht gewirkt hat und sie genau gespürt hat, wie man ihr den Bauch aufgeschnitten hat. Erst als sie beinahe in Ohnmacht gefallen ist, haben die Ärzte wohl bemerkt, dass etwas nicht stimmt und haben nachdosiert. Aber da war es nun schon zu spät.
Wenn man solche Horrorgeschichten hört, wundert es mich nicht, dass Leute Angst haben, sich narkotisieren zu lassen. Schließlich möchte keiner seine eigene OP live miterleben können.
Danke für die ganzen Antworten. Langsam verstehe ich, wo das Problem ist, nämlich bei der Uninformiertheit und bei falschen Vorstellungen. Jede Narkose bringt natürlich ein Risiko mit sich, allerdings schätzen viele das Risiko höher ein, als es tatsächlich ist. Und viele haben so fürchterliche Angst vorm nicht-wieder-Wachwerden. Die Fakten werden völlig ignoriert. Jeden Tag werden Millionen von Narkose gemacht und der allergrößte Teil geht gut aus. Das manche Patienten hinterher einfach mit Übelkeit oder Schläfrigkeit zu kämpfen haben ist leider wahr. Allerdings wird auch jede Menge Nebenwirkungen der eigentlichen Krankheit, die da operiert wird, auf die Narkose projiziert.
Ich wünschte, ich könnte was gegen diese teils völlig überzogene, durch falsche Informationen oder Vorstellungen hervorgerufene Angst tun.
Ich habe eindeutig Angst davor dass der Operateur einen schlechten Tag hat und ich nicht wieder aufwache. In diesem Zusammenhang habe noch ich Bedenken dass keine ordentlich aufbereiteten Medizinprodukte verwendet werden und ich mir dann noch eine Entzündung fürs Leben einfange. Ein bischen hängt es natürlich auch unterschwellig mit dem Kontrollverlust zusammen, ich weiß ja nicht was mit mir angestellt wird und ich kann es natürlich auch nicht beeinflussen. Desweiteren habe ich aus beruflichen Gründen öfters schon bei OPs zugeschaut und war auch schon bei kleineren Eingriffen direkt mit im OP- Saal. Letzteres war zwar noch zu DDR- Zeiten, aber die Witze des Personals werden wohl auch heute noch die Selben sein.
Letztendlich spielen aber alle Bedenken keine Rolle, eine Narkose wird ja nicht aus Jux und Dallerei vorgenommen, man muss die Bedingungen halt so akzeptieren wie sie sind.
hooker hat geschrieben:Letzteres war zwar noch zu DDR- Zeiten, aber die Witze des Personals werden wohl auch heute noch die Selben sein.
Was haben denn aber die Witze mit der Narkose zu tun? Die kriegt man doch in der Regel sowieso nicht mit. Und das dumme Witze jetzt direkt in Zusammenhang mit einem schlechten OP-Ergebnis stehen, habe ich auch noch nicht erlebt. Ich war auch schon bei OPs dabei, da war es komplett still im Saal, das fand ich viel merkwürdiger, da man ohne diese Lockerheit irgendwie immer dachte, dass es nicht so wirklich gut läuft.
Aber wenn ich operiert werden würde und nur ein Regionalanästhesie bekommen würde und mir dauernd irgendwelche blöden Witze vom Chirurgen anhören müsste, dann wüsste ich zumindest, dass es grad nicht ganz schlecht laufen kann, wenn dazu noch in der Lage ist.
Und wenn du selber oft genug im OP zugeschaut hast, dann solltest du doch auch wissen, welche Vorschriften bezüglich Sterilität der verwendeten Produkte herrschen und das da nicht nur das OP-Besteck mal kurz mit einem feuchten Tuch abgewischt wird. Die Kontrollen sind da doch sehr streng, da mache ich mir eher Gedanken, dass ich in einem Restaurant mal verdorbenes Fleisch vorgesetzt bekomme, statt unsteriles Material in einem OP-Saal.
Klehmchen hat geschrieben:Und wenn du selber oft genug im OP zugeschaut hast, dann solltest du doch auch wissen, welche Vorschriften bezüglich Sterilität der verwendeten Produkte herrschen und das da nicht nur das OP-Besteck mal kurz mit einem feuchten Tuch abgewischt wird. Die Kontrollen sind da doch sehr streng, da mache ich mir eher Gedanken, dass ich in einem Restaurant mal verdorbenes Fleisch vorgesetzt bekomme, statt unsteriles Material in einem OP-Saal.
Das sehe ich aber schon einen Unterschied. Wenn ich mir eine Lebensmittelvergiftung einhandle habe ich ein paar Tage Durchfall und mir ist hundeelend, das wars dann aber auch. Bei solchen Sachen im Krankenhaus stirbst du oder du hast später unter Umständen dein ganzes Leben damit zu kämpfen. Dazu passt vielleicht auch die Meldung im gestrigen Focus worin berichtet wurde dass in Fulda durch das örtliche Gesundheisamt ein ambulantes OP- Zentrum geschlossen wurde. Dort hatten sich mehrere Leute durch wahrscheinlich unsaubere Instrumente Krankheiten bis hin zur Notamputation eingefangen.
Ich will damit sagen, die Vorschriften in Deutschland und die Hygienestandards sind erfreulich hoch, allerdings hapert es manchmal an der Umsetzung. Ich musste mich vor einiger Zeit beruflicherseits mit der Wiederaufbereitung von Medizinprodukten beschäftigen. Es war erschreckend zu lesen dass in Untersuchungen nachgewiesen wurde wie unsauber teilweise zum Beispiel noch Endoskope nach der eigentlichen Sterilisation waren. Deshalb vielleicht meine Skepsis.
Mein Hauptproblem mit Narkosen bestand in den meisten Fällen mit der Behandlung des Patienten. Jedenfalls fing mein Problem damit an. Ich hatte in meinem Leben bisher 17 Narkosen, davon bekam ich fünf in einer privaten Klinik, unter denen es nur eine einzige Ausnahme in Sachen Umgang mit dem Patienten gab.
Wenn man vor der Narkose vom Zimmer in den Operationssal gebracht wird, macht man sich natürlich so seine Gedanken und es kommen spätestens in diesem Moment die ersten Unsicherheiten und Ängste auf. Ich habe allerdings schon als kleines Kind (und später auch als Erwachsene) erlebt, dass man ab einem bestimmten Punkt wirklich allein gelassen wird mit seinen Sorgen und Ängsten. Nämlich ab dem Moment, in dem man in den OP-Saal bugsiert wird.
Als Patient sieht man plötzlich unheimlich viele Geräte und vermummte Menschen, total viele Eindrücke stürmen auf einen ein, die man nicht einordnen kann, die einem aber eher Angst machen als Freude. Und es wurde kaum kommuniziert. Irgendwann wurde gesagt, dass es nicht wehtun würde, was jedes Mal einfach gelogen war, und irgendwann wurde auch gesagt, dass man die Augen schließen und an irgendwas denken soll, den letzten Urlaub beispielsweise. Man könne aber auch von 10 bis 0 zählen.
Das reicht mir persönlich nicht, ehrlich gesagt. Genau das ist es, was mir Angst macht: Ich werde in eine Situation gebracht, in der man mich stehenlässt. Und es war jedesmal kalt, nicht nur von der Raumtemperatur her, sondern auch dieses Zwischenmenschliche war einfach nur reduziert und kühl. Ausgerechnet in diesem wichtigen Moment, in dem ich jedes Mal das Gefühl hatte, von der Welt jetzt Abschied zu nehmen.
Das alles wurde nur in der erwähnten Privatklinik anders gemacht: Es war hell, bunt, freundlich, es gab einen Raum vor dem OP-Saal, in den man gebracht wurde, in dem die Menschen nicht vermummt waren und sich mit Namen und einem Lächeln vorstellen, in dem sie fragten, ob es einem gut ginge und eine angewärmte Frotteedecke gebracht wurde.
Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich, wie hooker, vor allem Todesangst vor einer Narkose habe. Ich habe Angst davor, nicht mehr aufzuwachen, und durch den Umgang mit mir wird diese fürchterliche Angst insofern verstärkt, als ich nicht einmal mehr noch einigermaßen würdig behandelt werde, bevor ich gehe.
Ob man einem Patienten, den eine Narkose erwartet, diese Angst vollständig nehmen kann, weiß ich nicht, die Todesangst hatte ich auch bei dieser freundlicheren, fürsorglicheren Behandlung. Ich weiß nicht mal, was genau diese Angst verursacht hat, denn vor jeder Narkose versuche ich nochmal sehr rational zu sein und sehe, dass wohl viele Patienten wieder aufwachen.
Bei vielen Leuten, die Angst vor einer Narkose haben, ist es wirklich so, dass sie Angst davor haben, aus der Narkose nicht wieder aufzuwachen. Im Grunde genommen wäre ein solcher Tod, also das Einschlafen und nicht wieder Aufwachen, ja eigentlich eine recht angenehme Sache. Allerdings hängen die meisten (gesunden) Menschen eben sehr an ihrem Leben und haben Angst davor, dass sie es zu früh verlieren könnten.
Während einer Narkose ist man anderen Menschen ausgeliefert und kann absolut gar nichts tun. Ich finde diesen Kontrollverlust auch nicht angenehm. Bisher habe ich nur eine einzige Vollnarkose erlebt und ich habe vorher auch wahnsinnig Angst davor gehabt. Allerdings war es bei mir weniger die Angst vor dem Tod, sondern der Gedanke, dass man mittendrin aufwachen könnte und dann noch etwas von der Operation und den entsprechenden Schmerzen mitbekommt. Das ist auch so eine Horrorvorstellung, die einige Anhänger hat.
Ich gehöre zu den Leuten, die viele Dinge am liebsten selbst kontrollieren, wenn sie sie schon nicht selbst machen. Bei einer Operation ist man außer Gefecht gesetzt und hat überhaupt keine Möglichkeit einzugreifen. Die meisten Leute verfügen ohnehin nicht über das notwendige Fachwissen, um im OP etwas tun zu können, abgesehen davon, dass man sich nicht selbst operieren kann. Daher bedeutet die Operation in Vollnarkose, dass man sich auf andere verlassen muss - und das kann für jemanden, der sonst lieber alles selbst macht und selbst kontrolliert, schon eine unangenehme Situation sein.
Ich denke, dass man einem Patienten dennoch zu einem großen Teil seine Angst vor einer Narkose nehmen kann. Am besten sprichst du die Leute im Vorfeld mal an und fragst sie, wovor sie konkret Angst haben. Viele werden dir dann schon eine Antwort geben, auf die du dann reagieren kannst. Wenn jemand wirklich Angst davor hat, nicht mehr aufzuwachen oder mittendrin aufzuwachen, kannst du ihm mitteilen, wie selten so etwas wirklich vorkommt. Manche Patienten kann man wirklich mit einem statistischen Wert glücklich machen. Wenn sie wissen, wie selten Narkose-Komplikationen auftreten, gehen sie im Idealfall davon aus (sofern sie nicht zu den schlimmsten Pessimisten gehören), dass sie wohl nicht zu diesen sehr wenigen Fällen gehören. Dennoch wird es immer Patienten geben, bei denen es nichts nützt, ihnen die Sache auf rationaler Ebene zu erklären. Die Angst wird bleiben. In dem Fall ist es das Beste, wenn du die Leute bestmöglich ablenken kannst und versuchst, ihnen Mut zuzusprechen. Viel mehr kannst du in einer solchen Situation nicht tun.
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