Operation bei Depressionen wirkungsvoll?
Ich habe vorhin einen Artikel gelesen, in dem es um neurologische Probleme ging. Unter anderem wurde im Text auch gesagt, dass knapp ein Drittel aller Depressiven als "behandlungsresistent" gelten und keine Medikation oder Therapie ihren Zustand verbessern könnte. Diesen Menschen würde als letzter Ausweg nur ein chirurgischer Eingriff bleiben.
Ich selbst bin zwar auch mal über Jahre depressiv gewesen, habe aber noch nichts davon gehört, dass man theoretisch auch operiert werden könnte. Wie läuft so eine Operation ab und was wird da gemacht? Wie gut stehen die Chancen, dass man danach geheilt ist oder muss man danach trotzdem weitere Therapien und Behandlungsmöglichkeiten in Kauf nehmen? Wie sieht es mit den Kosten aus? Würde die Krankenkasse die Kosten übernehmen?
Meinst du mit Operation das Setzen eines Hirnschrittmachers? Dieses Verfahren gibt es meines Wissens nach schon seit mehr als 10 Jahren, eine andere Form der Operation direkt am Hirn wäre mir in der Psychiatrie nicht bekannt.
Meine Bekannte, die seit vielen Jahrzehnten in einer universitären Psychiatrie arbeitet, konnte mir von zwei Fällen berichten, die sie als Patienten länger erleben durfte. Eine der Frauen hat sichtbar von diesem Eingriff profitiert, gesund im eigentlichen Sinne wurde sie aber auch nicht. Bei der anderen hat es kaum einen Nutzen gebracht. Zwei Beispiele haben natürlich keine statistische Bedeutung, aber überzeugend waren die Berichte dann nicht so sehr.
Das Verfahren funktioniert eigentlich nach dem identischen Prinzip wie ein Herzschrittmacher. Unter die Haut wird eine Elektrode implantiert, die in regelmäßigen Abständen via Strom Impulse ins Gehirn sendet. Laut meiner Bekannten wird der Eingriff immer mal wieder durchgeführt und ist gar nicht mehr so selten.
Ich denke, man muss schon einen hohen Leidensdruck haben, um sich dieser Prozedur auszusetzen, ich persönlich finde das Verfahren fast ein wenig gruselig, aber das mögen auch Vorurteile sein. Da der Eingriff vermutlich ohnehin nur in Universitätskliniken durchgeführt werden wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Patienten diese Kosten in Rechnung gestellt bekommen. Gerade die Unis haben Interesse an Leuten, die bereit sind sich innovativen Heilmethoden zur Verfügung zu stellen.
Für Depressionen tragen gerade einmal 24 Patienten weltweit einen Hirnschrittmacher, das ist sozusagen einen Nebenentdeckung der Behandlung von Parkinson. Dort sind diese Geräte schon seit mehr als 10 Jahren üblich. Mittlerweile weiß man, dass es bei Depressionen helfen kann, aber es funktioniert nicht bei jedem.
Dazu kommt, dass es unter Umständen zwar hilft, aber es zeigt keine dauerhafte Wirkung. Der Schrittmacher muss nicht nur im Hirn bleiben, er darf auch nicht abgeschaltet werden. Allerdings ist das weniger ein Problem, denn das Gerät selbst sitzt in der Brust, es ist also leichter zugänglich als die Elektroden im Gehirn.
Erfahrungen auf dem Gebiet hat die Uniklinik Köln-Bonn. Dort versucht man allerdings andere Areale im Hirn zu stimulieren als bisher bekannt. Die haben immerhin Erfahrungen zu 3 Patienten, geklappt hat es bei zweien. Bisher trägt niemand die Kosten, das ist noch experimentell und wird über Forschungsgelder finanziert. Ob es irgendwann einmal eine Zulassung bekommt und dann vielleicht Kassenleistung wird, das wird die Zeit zeigen.
Was willst du da operieren und von was willst du einen Depressiven heilen? Die Krankenversicherungen übernehmen nur Kosten, wenn jemand krank ist, aber nicht wenn jemand mal Stimmungsschwankungen hat. Wegen sowas würde sich doch auch kein Mensch operieren lassen.
Wie ignorant kann man sein? Jährlich nehmen sich rund 7.000 Menschen wegen Depressionen das Leben. Die Krankenkassen geben jedes Jahr mehr als 6 Millionen Euro für die Behandlung von "Stimmungsschwankungen" aus. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten liegen wegen der geringeren Leistungsfähigkeit und wegen fehlender oder nicht wirksamer Behandlung bei 22 Millionen Euro.
Da du offensichtlich die Lebensqualität anderer Menschen nicht schätzt, Sternenbande, da du eine schwere Erkrankung als Stimmungsschwankungen abtust, zeigt dir vielleicht das Geld, wie dramatisch das Ganze ist. Wenn man bisher therapieresistente Fälle operieren könnte, dann wäre das neues Leben für die Betroffenen. Allerdings gehe ich davon aus, dass du so ignorant bist und gar nicht verstehen möchtest, wie so etwas funktioniert.
Quatsch. Wer bitteschön nimmt sich wegen Depressionen das Leben (mit Ausnahme eines gewissen Torhüters)? Und das die Deutschen zu häufig zum Arzt gehen ist ja wohl bekannt. Ich habe auch mal einen schlechten Tag, deswegen nehme ich weder Medikamente noch nehme ich mir das Leben.
Ist das deine echte, ehrliche Meinung oder nur als Anstoß für eine kontroverse Diskussion gedacht? Was, deiner Meinung nach, zeichnet denn eine Depression aus? Dass die Menschen halt nicht so gut drauf oder irgendwie traurig sind?
Wusstest du, dass es Erkrankte gibt, die so schwer betroffen sind, dass sie jegliche Nahrungsaufnahme verweigern oder nicht mehr in der Lage sind zu sprechen? Oder dass die WHO eine Depression zu den schwerwiegendsten und am meisten einschränkenden (!) Erkrankungen neben HIV und Krebs überhaupt zählt?
Was wäre, wenn jemand dir von einer Krankheit mit einem dramatisch klingenden Namen erzählt, bei der das somatisch erkrankte Gehirn die Leute verstummen oder gelähmt sein lässt, ein Leiden, das beim einzelnen Betroffenen Dutzende, teils extrem belastende körperliche Symptome nach sich zieht, die von der Medizin nur schwer bis gar nicht behandelt werden können?
Denn letzen Endes kann eine Depression psychisch ausgelöst sein, unter Umständen vielleicht auch durch andere, exogene Faktoren, am Ende bleibt es aber eine Krankheit, die vom Gehirn selber ausgeht, der Steuerzentrale von allem in unserem Körper, demzufolge kann auch im Körper alles betroffen sein. Sogar die Lebenserwartung ist gesenkt, das Risiko für etliche andere Krankheiten erhöht, die Immunzellen vermindert usw.
Und Menschen, die bereit sind, sich operativen Eingriffen im Hirn zu unterziehen, attestiere ich schon einen sehr hohen Grad der Verzweiflung und Erkrankung. Über einen "schlechten Tag" würde sich ein so Erkrankter nahezu freuen. Wenn er sich freuen könnte.
Natürlich ist das mein Ernst. Depressionen sind für mich nichts weiter als eine Modekrankheit. Wer früher aktiv war hat heute ADHS, wer früher viel gearbeitet hat, hat heute Burn-Out, wer früher ein paar Haustiere hatte hat heute ein Messie-Syndrom und wer früher schlecht drauf war hat heute eben Depressionen.
Aus jedem Mist macht man heute gleich eine Krankheit. Wieso? Wieso kann man nicht sagen, dass jemand viel arbeitet oder schlecht drauf ist? Wieso muss er da gleich eine Krankheit haben? Wer nichts mehr isst oder nicht spricht hat dafür entweder einen guten Grund oder eine Krankheit. Oder willst du jetzt auch noch jedem Stummen und Hungerstreikenden eine Depressionen andichten? Und die WHO ist auch nicht die große Allmacht.
Was wäre, wenn jemand dir von einer Krankheit mit einem dramatisch klingenden Namen erzählt, bei der das somatisch erkrankte Gehirn die Leute verstummen oder gelähmt sein lässt, ein Leiden, das beim einzelnen Betroffenen Dutzende, teils extrem belastende körperliche Symptome nach sich zieht, die von der Medizin nur schwer bis gar nicht behandelt werden können?
Was soll dann sein? Gar nichts ist dann!
Und Menschen, die bereit sind, sich operativen Eingriffen im Hirn zu unterziehen, attestiere ich schon einen sehr hohen Grad der Verzweiflung und Erkrankung. Über einen "schlechten Tag" würde sich ein so Erkrankter nahezu freuen. Wenn er sich freuen könnte.
Wie viele angeblich Depressive kennst du denn die am Hirn operiert wurden?
Sternenbande hat geschrieben:Wie viele angeblich Depressive kennst du denn die am Hirn operiert wurden?
Cooper75 hat doch gesagt, dass weltweit etwa 24 Depressions-Patienten so ein Gerät im Kopf tragen. Weltweit sind über 6 Milliarden Menschen. Da ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, ausgerechnet einen dieser 24 Personen zu kennen, meinst du nicht? Außerdem ist das ja ein relativ neuer Forschungsansatz, da ist diese Technik noch nicht so weit verbreitet. Die anderen User haben ja gesagt, dass das relativ neu ist und man noch erforschen muss ob und wie gut das helfen kann.
Meiner Meinung nach helfen bei starken Depressionen nur eine lebenslange Medikation. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Operation wirkungsvoll ist. Ich selbst war nach der Geburt meines jüngsten Sohnes zu tiefst depressiv und habe mich selbst dazu entschieden, Medikamente zu nehmen. Denn nur Medikamente können das Ungleichgewicht der Hormone wieder ins Gleichgewicht bringen und für etwas Ordnung sorgen.
Ich habe meine Medikamente nur etwa ein halbes Jahr genommen und daraufhin versucht diese abzusetzen, was gut funktioniert hat. Ich fühlte mich wieder wie früher und bin auch froh drum, denn so eine Depression ist nichts schönes.
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