Nichtteilnahme an Wahl aus Zufriedenheit?

vom 14.06.2015, 07:43 Uhr

Ich las vor kurzem, dass die Wahlbeteiligung in Deutschland wohl schon seit Jahren sinkt und dass die Generalsekretäre der sechs großen Parteien in Deutschland sich getroffen haben, um potentielle Ursachen und Lösungen für dieses Problem zu finden. Je nach Partei kamen auch sehr unterschiedliche Vorschläge und Theorien zu Stande, über die noch verhandelt werden.

Peter Tauber (CDU) äußerte sich dazu und meinte, dass ihn sehr interessiere, ob eine Nichtwahlbeteiligung automatisch eine Ablehnung des demokratischen Systems sei. Seiner Ansicht nach könne es ja auch sein, dass man bei einer Nichtteilnahme an der Wahl einfach nur zufrieden ist mit der Regierung und nichts verändern möchte.

So einen Unsinn habe ich persönlich noch nie gehört. In meinem Umfeld wird das Thema Wahlen häufiger mal diskutiert und ich habe noch nie in meinem Leben jemanden getroffen, der aus Zufriedenheit mit der Regierung nicht wählen geht. Es kommt meistens das Argument, dass die Politiker eh machen was die wollen und nur aus Egoismus handeln würden und dass das Volk ihnen total egal sei und es den Bürgern hinterher immer schlechter gehen würde als vorher. Es wird also meiner Ansicht nach eher wegen Unzufriedenheit mit dem System und mit dem politischen Handeln nicht gewählt und nicht wegen Zufriedenheit.

Was meint ihr dazu? Ist es in euren Augen realistischer, dass die Wahlbeteiligung durch Zufriedenheit oder durch Unzufriedenheit mit der Regierung sinkt?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Für so unwahrscheinlich halte ich so ein Verhalten nicht. Wenn man in einem Wahlkreis wohnt, wo eh immer die CDU gewinnt und man will auch, dass die CDU gewinnt, kann man sich die Mühe doch sparen und kann am Wahltag einfach daheim bleiben. Man hat ja dann nicht das Gefühl, dass die eigene Stimme wichtig gewesen wäre, wenn die CDU eh 65 % einfährt.

Es gibt viele Gegenden, wo die CDU seit Jahrzehnten den Bürgermeister stellt oder bei allen Wahlen unangefochten an der Spitze steht. Es wäre natürlich logischer, seine Stimme als Bestätigung abzugeben, damit die Politiker wissen, dass sie was richtig machen, wenn man das so sieht. Aber warum umständlich, wenn es auch einfach geht. Es ist halt bequemer, einfach daheim zu bleiben.

Aber natürlich geht es vielen Menschen auch genau andersherum. Dass sie unzufrieden sind, dass sie das Gefühl haben, eh nichts ändern zu können mit ihrer Stimme. Die gibt es selbstverständlich auch. Ich kann jetzt nicht einschätzen, in welchem Verhältnis die beiden Gruppen zueinander stehen. Auf jeden Fall sind die Unzufriedenen lauter und werden daher mehr wahrgenommen. Aber die, die sich zufrieden zurücklehnen, gibt es mit Sicherheit auch in nicht geringen Ausmaße. Gerade in ländlichen Gebieten, wo sich eh seit Jahrzehnten nicht viel geändert hat.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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