Nachnamen eindeutschen lassen aus Angst vor Diskriminierung

vom 28.05.2015, 11:26 Uhr

Meine Bankberaterin hat mir neulich erzählt, dass ihre Eltern eigentlich aus Polen kommen. Da ihr Nachname jedoch "Geiger" war und sie auch nicht verheiratet gewesen ist, sodass der Name von ihrem Mann hätte kommen können, war ich ein wenig erstaunt. Geiger ist ja zweifellos ein deutscher Nachname.

Als ich sie fragte, wie das möglich sei, erzählte sie, dass ihre Eltern bei der Einwanderung ihren Nachnamen eingedeutscht haben. Anscheinend hießen sie in Polen auch schon "Geiger", nur eben auf polnisch. Das Wort können Deutsche aber nicht aussprechen und dazu kommt noch, dass die Eltern Angst hatten, die Tochter könnte in der Schule gemobbt oder eben diskriminiert werden. Das war der Hauptgrund für die Änderung des Nachnamens.

Tatsächlich belegen ja Studien, dass Jugendliche mit um Beispiel türkischem Nachnamen bei gleicher Qualifikation deutlich weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen.

Aber wäre das ein Grund für euch, euren Nachnamen zu ändern bzw. einzudeutschen? Ich habe das Gefühl, dass man sich für die eigene Herkunft schämt und würde daher aus Prinzip meinen Nachnamen nicht eindeutschen wollen.

» Cappuccino » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Ich habe schon das Gefühl, dass Bewerber mit ausländischem Nachnamen weniger Chancen bekommen. Das liegt aber meiner Meinung nach an Vorurteilen, die viele gegenüber Ausländern haben.

Ich bin selbst Deutsche und habe auch, soweit ich mich erinnern kann, die letzten drei, vier Generationen keine ausländischen Vorfahren. Aber dennoch sage ich, dass ich selbst meinen Nachnamen nicht eindeutschen lassen würde, wenn ich nicht aus Deutschland käme. Schließlich ist der Familienname ein Erbe der Eltern usw. Wenn man diesen nun ändert, wissen spätere Generationen ja gar nicht mehr bzw. können nicht mehr so gut nachvollziehen, woher sie denn nun genau stammen.

Und was das Mobben betrifft, so kann man in der Schule wegen allem Möglichen gemobbt werden. Wenn den Mitschülern das Gesicht nicht passt, finden sie immer irgendeinen Grund, mit dem sie ein Kind diskriminieren können.

Und um nochmal auf das Bewerben zurückzukommen: Ich würde schon allein aus dem Grund meinen Nachnamen nicht ändern, weil er wie gesagt ein Stück Erbe ist und einfach zeigt, woher ich stamme und wer ich bin. Warum sollte sich jemand wegen seiner Herkunft schämen? Die kann ja nun wirklich keiner sich aussuchen. Sowas ist nicht fair.

» YariXxX » Beiträge: 635 » Talkpoints: 21,58 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Also wenn man mir die ausländische Abstammung nicht ansieht und ich die Möglichkeit hätte mir den Nachnamen eindeutschen zu lassen, dann hätte ich es getan. Vor allen, wenn man als Kind schon so aufwächst, ist es besonders toll.

Denn man glaubt gar nicht, wie verletzend Diskriminierung sein kann. Ich bin ab der Grundschule immer wegen meiner anderen Herkunft ausgeschlossen worden und von den Klassenkameraden nicht ernst genommen und habe viel Demütigung erleben müssen. Es ist schlimm, wenn man von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen wird und somit auch von der Möglichkeit, für das Sozialverhalten zu lernen.

Auch sind diese Erlebnisse nicht sonderlich toll für das Selbstwertgefühl, was andere Menschen auch spüren und manche (bzw. viele) Leute, die es mit der Moral nicht so eng sehen, respektieren einen dann überhaupt nicht und schlimmstenfalls, wenn man gezwungen ist mit ihnen auskommen zu müssen, z.B. man lebt zusammen in einer WG, kommen sie Bitten absolut nicht nach und achten überhaupt nicht auf Dinge, die einem wichtig sind.

Auch bleibt dieses Gefühl und die Erinnerungen für viele Jahre, dass man immer als jemanden angesehen wird, der anders als die anderen ist und deswegen überhaupt nicht in die Gemeinschaft einbezogen wird, was sich dann nicht unbedingt positiv auf das Miteinander mit Menschen wirkt.

Auch kann ich mir gut vorstellen, dass man dadurch weniger auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert wird und auch weniger zur Zielscheibe zur Benachteiligung und Mobbung wird. Das Thema Arbeitsklima ist ja so oder so auch ohne ausländischer Abstammung schon sehr misslich.
Könnte ich das alles einfach durch eine Namensänderung verhindern, ich würde es ohne zu zögern tun.

» Hoatzin » Beiträge: 45 » Talkpoints: 17,30 »



Was Hoatzin sagt, mag ja vielleicht stimmen, aber ich würde es trotzdem nicht tun, weil ich ja irgendwo noch einen Stolz habe. Und wenn ich deswegen meinen Nachnamen ändern lassen würde, würde ich mir ja selbst eingestehen, dass ich mich meiner Herkunft schäme. Ich kann auch nichts dafür, dass mein Land vor achtzig Jahren Nazideutschland war.

Wie ich bereits erzählt habe, weiß ich nichts von ausländischen Vorfahren bei mir, aber in der Verwandtschaft meines Mannes sind zum Teil dunkelhäutige Personen. Einer wurde angeheiratet, der nächste hat einen dunkelhäutigen Vater. Ja und?! Sind sie deswegen weniger wert?! Die Großnichten meines Mannes haben einen schwarzen Vater und eines davon ist so ungefähr alt wie meine Tochter (ein paar Monate alt) und die ist sowas von niedlich :) Wenn sie nicht so weit weg wohnen würden, könnten wir sie zusammen aufwachsen lassen. Dann hätte meine Tochter jemanden zum Spielen, denn im Moment ist sie noch allein, weil es keine Geschwister gibt.

Wenn in der Schule die Kinder andere Kinder wegen ihrer Herkunft mobben, so gehört es meiner Meinung nach in das Aufgabengebiet der Eltern, ihre Kinder so zu erziehen, dass man andere Menschen nicht wegen ihrer Herkunft diskriminiert. Wenn meine Tochter jemals sowas macht, bekommt sie Ärger. Das geht ja mal gar nicht!

Als ich vor Jahren noch zur Schule ging war ich auch Opfer jahrelanger Mobbingattacken. Ich war weder zu dick, noch anderer Herkunft, noch arm oder hässlich. Sie konnten mich einfach nicht leiden. So einfach ist das.

Und trotzdem war ich ausgegrenzt, wurde bespuckt und mit Schüsselbunden geschlagen, habe Bleistiftminen ins Haar geworfen bekommen oder zerbrochene CDs... Die Liste ist lang... Anderes Thema.

Ich könnte mir vorstellen, dass es eventuell aber auch an der Gegend liegt, wo man lebt. Dass in manchen Gegenden die Diskriminierung größer ist als in anderen. Ich für mich persönlich sage trotzdem: Diskriminierung ist immer und überall falsch! Egal welcher Form.

» YariXxX » Beiträge: 635 » Talkpoints: 21,58 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^