Nach Kommentaren auf Facebook gefeuert werden

vom 13.09.2015, 16:45 Uhr

Gerade in letzter Zeit ließt man ja immer häufiger von Fällen, in denen Menschen auf Facebook irgendwelche dummen Kommentare zur Flüchtlingskrise abgeben. Im besten Fall ist es zumindest das, aber im schlimmsten Fall ist es purer Fremdenhass, der da im Internet aus ihnen spricht.

Nun gibt es auch schon einige Fälle, in denen der Arbeitgeber der betroffenen Personen von diesen Facebook-Posts mitbekommen hat – und daraufhin eine Kündigung aussprach. Nun kann man es durchaus bemerkenswert finden, dass eine Person gekündigt wird, obwohl sich die Strafverfolgungsbehörden noch nicht einmal dafür interessieren.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich die Hetze dieser uninformierten Menschen nicht verstehe, gehören viele Kommentare doch zur Meinungsfreiheit, sofern sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Ein solcher Schritt von Seiten des Arbeitgebers könnte also durchaus zu sehr in die Privatsphäre des jeweiligen Betroffenen eingreifen.

Wie steht ihr dieser Sache denn im Allgemeinen gegenüber? Könnt ihr verstehen, dass man diesen digitalen Seiten auch auf Facebook aufpassen sollte, was man schreibt, weil der Arbeitgeber mitlesen könnte? Oder denkt ihr, dass es den Arbeitgeber in erster Linie nichts angeht, was man auf Facebook in seiner persönlichen Zeit schreibt? Kennt ihr möglicherweise auch Leute, die so etwas geschrieben haben und deswegen gefeuert wurden?

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich kenne niemanden und solange der Kommentar nicht gegen geltende Gesetze verstößt oder extrem gegen den guten Geschmack verstößt, ich denke da an Beiträge mit Hitler oder richtige Hasspostings, würde ich vermutlich die Kündigung vor Gericht anfechten.

Ich verstehe auch nicht, wieso der Arbeitgeber Personen feuert, ich hätte als Chef auch keine Probleme damit, wenn jemand sich sachlich gegen die Flüchtlinge aussprechen würde. Ich denke aber, es kommt auch immer auf den Beruf an, ein Polizist, der solche Sachen schreibt, der wird auch Flüchtlinge oder Ausländer schlechter behandeln und dort würde ich jetzt eine Kündigung verstehen.

» Bascolo » Beiträge: 3586 » Talkpoints: 0,29 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Meistens ist in diesen Fällen ja das Problem, dass diese Kommentare in einem Profil abgegeben werden, das den Arbeitgeber nennt. Also "Florian Huber, wohnhaft in..., Arbeitgeber: BMW". Und auf der gleichen Seite kann man dann lesen, dass besagter Florian Huber gerne sehen würde, dass Flüchtlinge abgefackelt werden.

Hierbei geht es also weder um Meinungsfreiheit, sondern um menschenverachtende Äußerungen und teilweise sogar Aufforderung zum Mord. Und es ist eben noch öffentlich einsehbar, dass BMW so einen Menschen seinen Angestellten nennt. Als Angestellter gehört man zu einem Team, man vertritt die Marke, für die man arbeitet und man sollte sich mit ihr identifizieren können.

Und das Unternehmen gibt eine gewisse Philosophie vor, mit der sich die Angestellten identifizieren sollten. Ein Fall betraf eine Angestellte eines Altenheims der Arbeiterwohlfahrt. Ich weiß nicht mehr genau, was sie geschrieben hat. Auf jeden Fall stand es im krassen Gegensatz zur "Wir helfen Menschen"-Philosophie ihres Arbeitgebers, bei dem es praktisch um nichts anderes geht.

Also ich kann die Kündigungen sehr gut nachvollziehen. Arbeitgeber und Angestellte müssen zusammenpassen. Es gab ja auch schon Kündigungen, als Angestellte die Vorgehensweise ihres Unternehmens direkt kritisiert haben, beispielsweise es als Sklavenhalter bezeichnen oder ähnliches. Ebenso gab es schon entrüstete Aufschreie, als Leute aus der Führungsetage überheblich über ihre Angestellten gesprochen haben.

Außerdem sollte so menschenverachtende Äußerungen von niemanden toleriert werden. Das hat mit Privatsphäre nichts zu tun. Wenn man das öffentlich äußert, hat man es eh selber aus seinem Privatbereich herausgetragen. Und damit kann jeder darauf reagieren, wer will.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Um ehrlich zu sein sind die Leute meiner Meinung nach selbst dran Schuld, denn eigentlich muss niemand im Internet - vor allem nicht auf Facebook - irgendeinen Mist veröffentlichen. Vor allem nicht unter dem vollen Namen, mit Profilbild und Arbeitsplatz, sowie Wohnort und Familienstand. Wenn man schon im Internet unnötig Stress machen möchte, dann sollte man sich überlegen, ob ein Pseudonym nicht von Vorteil wäre. Bei so viel Dummheit kann ich einfach kein Mitleid haben, es tut mir leid.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9232 » Talkpoints: 24,53 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



TamiBami hat geschrieben:Kennt ihr möglicherweise auch Leute, die so etwas geschrieben haben und deswegen gefeuert wurden?

Nein, ich kenne keine Person, der so etwas widerfahren ist, weder persönlich, noch habe ich durch irgendwelche Quellen davon erfahren. Ich erwarte immer noch einen stichhaltigen Beweis dieser These.

TamiBami hat geschrieben:Wie steht ihr dieser Sache denn im Allgemeinen gegenüber?

Ich denke, dass hier mal wieder Gerüchte und Unwissen eine Liason eingehen. Die mag jeder bewerten, wie er möchte. Denn was wissen wir. Kündigung: fristlos oder fristgerecht. Denn für eine fristlose Kündigung hat der Gesetzgeber nicht umsonst höhere Hürden festgelegt.

Und dann steht noch eine Frage im Raum: waren wirklich die Inhalte der Postings ursächlich für die Kündigung? Auch wenn der Inhalt nicht schön ist, müsste er doch Dinge enthalten, die es dem Arbeitgeber unzumutbar machen, den Arbeitnehmer weiterhin zu beschäftigen. Das ist wohl eher selten der Fall.

TamiBami hat geschrieben:Oder denkt ihr, dass es den Arbeitgeber in erster Linie nichts angeht, was man auf Facebook in seiner persönlichen Zeit schreibt?

Wenn er denn während der Freizeit aktiv ist. Als Arbeitgeber kann man natürlich davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer seine Arbeit nicht erledigen kann, wenn er andauernd irgendetwas postet, teilt oder kommentiert. Denn dazu muss er nicht nur schreiben oder klicken, sondern man kann davon ausgehen, dass er zuvor auch gelesen oder geschaut hat. Und das ist dann vielleicht eher ein Grund für eine Kündigung, wenn man verbotenerweise oder zu viel im Netz unterwegs oder arbeitsunfähig auf einer Demo unterwegs war.

TamiBami hat geschrieben:Könnt ihr verstehen, dass man diesen digitalen Seiten auch auf Facebook aufpassen sollte, was man schreibt, weil der Arbeitgeber mitlesen könnte?

Das ist doch aber keine Neuigkeit, dass man sich überlegen sollte, was man von sich in sozialen Netzwerken preisgibt, weil es die Mitmenschen lesen könnten. Nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Freunde und Bekannte sind da so manches Mal entsetzt. Wobei es natürlich auch durchaus späteren Ärger erspart, wenn man beispielsweise als Arbeitgeber schon bei einem Bewerber erkennt, dass dieser plötzlich verblödet ist, sich keine eigene Meinung mehr bildet und ohne zu Hinterfragen und kurzes Recherchieren irgendwelche Dinge teilt. Plötzliche Verblödung als Begründung in einem Prozess vor dem Arbeitsgericht zu argumentieren, dürfte deutlich schwieriger sein als diese Person gar nicht erst einzustellen.

» JotJot » Beiträge: 14058 » Talkpoints: 8,38 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Bienenkönigin hat geschrieben:Und das Unternehmen gibt eine gewisse Philosophie vor, mit der sich die Angestellten identifizieren sollten. Ein Fall betraf eine Angestellte eines Altenheims der Arbeiterwohlfahrt. Ich weiß nicht mehr genau, was sie geschrieben hat. Auf jeden Fall stand es im krassen Gegensatz zur "Wir helfen Menschen"-Philosophie ihres Arbeitgebers, bei dem es praktisch um nichts anderes geht.

Wenn mit dem Arbeitgeber eine bestimmt Philosophie verbunden wird, dann mag das so sein. Wenn der Arbeitgeber aber beispielsweise ein Automobilhersteller ist, und nicht zusätzliche Dokumente zu dem Arbeitsvertrag gehören, dann dürfte eine solche Kündigung schwerer aufrecht erhalten werden können. Stichwort außerdienstliches Verhalten.

» JotJot » Beiträge: 14058 » Talkpoints: 8,38 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Wieso wundern sich die Leute mittlerweile so, dass man im Internet nicht alles schreiben kann? Klar wurde anfangs im Internet wenig bestraft oder verfolgt. Aber nur weil man etwas seit zig Jahren aus Gewohnheit so macht, wird es nicht besser oder legaler.

Übrigens finde ich es auch nicht richtig, wenn jemand aus einem Pseudonym heraus Hetzparolen ins Netz schreibt. Das macht die Sachlage nicht besser, zeigt eher, dass jemand wohl eine Ahnung davon hat, dass er oder sie hier eine Grenze überschreitet, die man eigentlich nicht überschreiten sollte. Und auch ein Pseudonym im Internet ist nicht wirklich anonym. Mit der entsprechenden Technik kann man da auch die meisten Urheber ermitteln.

Übrigens ist das nichts, was nur mit Flüchtlingen zu tun hat. Ich predige meinen Kindern schon lange solche Dinge. Beispielsweise zum Thema Cybermobbing, dass das Internet keine rechtsfreie Zone ist. Denn schon eine simple Beleidigung gegen eine einzelne Person kann strafbar sein. Da muss es gar nicht bis zur Volksverhetzung gehen.

Vielleicht sollte mancher sich mal genauer informieren, was Meinungsfreiheit ist. Ich kann schlecht zu meinem ungeliebten Nachbarn gehen, der mich nervt und den nach Strich und Faden beledigen, auch wenn das meine Meinung ist. Das war schon so, als noch gar keiner über das Internet nachgedacht hat. Warum tut da mancher so überrascht, dass Meinungsfreiheit keine absolute Narrenfreiheit ist? Das lernt man doch schon in der Schule!

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



JotJot hat geschrieben:Wenn mit dem Arbeitgeber eine bestimmt Philosophie verbunden wird, dann mag das so sein. Wenn der Arbeitgeber aber beispielsweise ein Automobilhersteller ist, und nicht zusätzliche Dokumente zu dem Arbeitsvertrag gehören, dann dürfte eine solche Kündigung schwerer aufrecht erhalten werden können. Stichwort außerdienstliches Verhalten.

Jedes Unternehmen hat eine Philosophie. Bei einem Autohersteller mag die nicht so offensichtlich sein oder für weniger wichtig gehalten werden als in sozialen Berufen, aber es gibt sie. Dazu einen Auszug von der BMW-Webseite, Stichwort Unternehmenskultur:

Die Mitarbeiter der BMW Group arbeiten in verschiedenen Ländern, auf verschiedenen Kontinenten. Sie sind so bunt gemischt, wie es in unserer globalisierten Welt heute üblich ist. Für uns ist es dabei eine Selbstverständlichkeit, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter unabhängig von Herkunft, Alter und Geschlecht gleichberechtigt zu behandeln und jedem die gleichen Chancen einzuräumen.

Und unter "Unsere Grundüberzeugungen" finden man Folgendes:

Die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung gehört für uns untrennbar zu unserem unternehmerischen Selbst­verständnis.

Ähnliches wird jedes größere Unternehmen irgendwo formuliert haben. Und jedes Unternehmen hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Da kann man keine Mitarbeiter dulden, die Menschenverachtendes äußern. In dem Fall des gekündigten Lehrlings von BMW ging es ja um eine Äußerung, die den Tod von Flüchtlingen wünschte. Das muss kein Unternehmen dulden. Egal wie außerdienstlich das geäußert wird.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich kann es absolut verstehen, wenn solche Menschen dann gekündigt werden. Natürlich hat man freie Meinungsäußerung, aber solche Aussagen schaden dem Unternehmen. Gerade wenn man angegeben hat, dass man bei Firma XY arbeitet, denken sich dann die Menschen eben auch warum Firma XY solche Leute einstellt und ob das nicht vielleicht auch Firmenmeinung ist.

Man darf dem Betrieb in dem man arbeitet nicht schaden und das ist mit so einer Aussage in einem öffentlichen Raum gegeben und deswegen sind solche Kündigungen auch gerechtfertigt. Ich kann es eher nicht verstehen, wie manche Firmen das einfach so laufen lassen und dann keine Konsequenzen ziehen, immerhin schadet es.

Ich würde beispielsweise auch nicht mehr in einen Laden gehen, wenn ich weiß, dass der Arbeitnehmer dort im Internet hetzt und nicht gekündigt wird. Das muss ja nicht immer ein großer Betrieb sein. Man kann gerne seine Meinung äußern, aber diese sollte nicht gegen deutsches Recht verstoßen.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


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