Kaiserschnitt bei bestimmten Berufsgruppen beliebter?
Ich habe vorhin in einem Leserforum einige Kommentare gelesen und bin dabei auf eine sehr interessante These gestoßen. Da meinte jemand, dass es ja "allgemein bekannt" sei, dass Ärztinnen bei der Geburt grundsätzlich Kaiserschnitte bevorzugen würden. Ich kann an diese These aber nicht so wirklich glauben.
Denn gerade eine Ärztin müsste doch wissen, dass jeder Eingriff riskant sein kann und es zu Komplikationen kommen kann. Oder stimmt die These tatsächlich und Ärztinnen bevorzugen Kaiserschnitte, weil diese planbar sind?
Habt ihr schon was darüber gehört? Gibt es Berufsgruppen, die Kaiserschnitte bzw. natürliche Geburten besonders bevorzugen? Welche sind das und warum? Haltet ihr die These, dass Ärztinnen grundsätzlich zu Kaiserschnitten tendieren sollen, für plausibel und glaubwürdig?
Wenn ich Ärztin wäre und in einem Krankenhaus arbeite, das eine Entbindungsstation habe und weiß, dass man bei Kollegin XY mit besonders wenigen Komplikationen rechnen muss, weil die ihre Kaiserschnitte wie eine Koryphäe macht, dann denke ich schon, dass das verlockend ist. Man weiß ja dann, was man hat. Oder glaubt das zu wissen.
Und das mit dem Risiko stimmt auch nur bedingt. So weit ich das weiß, ist der Kaiserschnitt für die Mutter wohl riskanter, als eine Geburt auf traditionellem Weg. Für das Kind ist es aber wohl weniger riskant. Das Kind kann keinen Sauerstoffmangel haben, oder bei der Geburt stecken bleiben und so weiter. So kann ich mir durchaus vorstellen, dass man das Risiko als Mediziner lieber auf sich selbst nimmt, wenn man aus dem Lehrbuch zu genau weiß, was dem Kind alles passieren kann.
Ob es allerdings tatsächlich so ist, dass gerade unter Medizinerinnen der Kaiserschnitt beliebter ist als bei allen Frauen, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob es darüber Statistiken gibt, oder ob das nur gefühlte Eindrücke einzelner Personen sind.
Wie kommt man darauf, dass der Kaiserschnitt sicherer ist als eine natürliche Geburt. In Ländern mit hohen Kaiserschnittraten sterben mehr Kinder nach geplanten operativen Entbindungen als bei geplanten natürlichen Geburten.
Die meisten Hirnschäden beim Kind entstehen während der Schwangerschaft, nur 4 Prozent gehen auf einen Mangel an Sauerstoff unter der Geburt zurück. Beim Kaiserschnitt besteht dafür ein höheres Risiko für Anpassungsstörungen, akute Atemprobleme, die lebensbedrohlich sind, eine nicht ausgebildete Darmflora oder einen geschlossenen Tränenkanal oder Diabetes Typ I.
Wobei der Umgang mit Geburten einfach auch eine Frage der Tradition ist. Dafür reicht ein Blick über die Grenze. In den Niederlanden entscheiden sich 2 von 3 Frauen mit einer komplikationslosen Schwangerschaft für eine Hausgeburt. Und obwohl diese Frauen statistisch alle ein ausgeglichenes Risiko tragen, ist das Risiko für Komplikationen in der Klinik doppelt so hoch. Ähnliche Zahlen haben wir auch in Deutschland für die vergleichsweise wenigen Hausgeburten.
Es ist einfach entscheidend, wie sich die Mutter fühlt. Und in Deutschland sieht man eine Geburt eben eher mit Angst und Sorge und als medizinisches Problem. Daher haben wir doppelt so viele Kaiserschnitte. Wir fühlen uns damit einfach sicherer.
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