Gotteshaus für alle Religionen sinnvoll?

vom 10.07.2015, 16:16 Uhr

Ich habe neulich unterwegs eine interessante Diskussion mitbekommen von zwei Teenagern. Die U-Bahn fuhr gerade an einer Kirche vorbei, wobei die beiden sich nicht ganz sicher waren, welche Art von Gotteshaus das gewesen sein könnte. Es wurde spekuliert, ob das nicht eine Moschee wäre, was mir schleierhaft ist, da eine Moschee doch total anders aussieht als eine Kirche und eine christliche Kirche hat ja in Deutschland auch dieses Kreuz oben auf dem Dach des höchsten Turmes.

Auf jeden Fall meinte dann einer der Jungen, dass es doch sowieso sinnvoller wäre, ein Gotteshaus für alle zu bauen, das sich die Religionen dann teilen müssten. Denn so würde man eine ganze Menge Platz sparen und könnte den Platz alternativ für den Bau von Häusern für die Menschen verwenden.

Ich fand das ehrlich gesagt ein wenig zu kurz gedacht, denn wenn alle Religionen sich ein Gotteshaus teilen müssten, wären doch Probleme vorprogrammiert. Ich will jetzt keinem Rassismus unterstellen, aber Missverständnisse wären dann doch an der Tagesordnung. So glauben die Juden beispielsweise, dass der Messias noch kommen wird, die Christen glauben, dass Jesus (der Sohn Gottes) der Messias ist und die Moslems werden sich angegriffen fühlen, weil Gott keinen Sohn in dem Sinne hat und sie die Bezeichnung „Sohn Gottes“ ein wenig zu wortwörtlich nehmen. Denn nach ihrem Glauben kann Gott kein Vater sein, wie wir das vom irdischen Leben her kennen.

Daher stemple ich diese Diskussion ein wenig als jugendlichen Leichtsinn ab, wenn ich ehrlich bin. Mich interessiert aber dennoch eure Meinung. Wäre das in euren Augen ein sinnvolles Konzept? Könnte das funktionieren, wenn alle Religionen sich ein Gotteshaus teilen müssten? Oder ist das nur Wunschdenken von den Teenagern?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ist es nicht völlig irrelevant welche Götter eine Gemeinde anbetet? Wenn man ein Gebäude zusammen nutzen möchte ist die philosophische Ausrichtung doch nur dann von Bedeutung, wenn es dadurch irgendwelche Probleme bei der Nutzung geben würde.

Wenn sich mehrere christliche Religionen ein Gebäude teilen könnte das zum Beispiel ein Problem werden, weil alle die Räume ungefähr zur gleichen Zeit nutzen wollen. Moslems haben zwar andere Zeiten für ihre Treffen, aber da müsste man ja dann jedes Mal die ganzen Bänke raus räumen. Jedenfalls habe ich noch nie eine Moschee gesehen, die Sitzgelegenheiten hatte.

Realistisch ist wohl das Modell, das es ja auch schon gibt, dass sich verschiedene Religionen zwar ein Gebäude teilen, aber im Gebäude selber jeweils ihre eigenen Räumlichkeiten haben. Religionen verlieren ja immer mehr an Bedeutung, da ist es doch sinnvoll, wenn der Platz dann effektiver genutzt wird und das Geld für die Immobilien muss ja auch da sein, dann die wenigsten Religionen werden bei uns ja vom Staat finanziert.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Ich finde die Idee, dass die Menschen, die einer organisierten Religion angehören, aus Platzgründen zusammenrücken sollen, ehrlich gesagt relativ albern. So viel Platz nehmen die religiös genutzten Gebäude hierzulande nun auch wieder nicht weg, auch wenn wir in einer relativ dicht besiedelten Gegend leben.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es praktikabel ist, wenn sich der Ruf zum Freitagsgebet mit den Kirchenglocken abwechseln muss, und die jüdische Gemeinde regelmäßig das christliche Kruzifix abhängen muss, während die Buddhisten sich in Gelassenheit üben und die restlichen Religionsgruppen schon lange nicht mehr durchblicken.

Angesichts der gigantischen Flächen, die beispielsweise Einkaufszentren, Sportstadien aller Art, Flughäfen und Parkhäuser verschlingen, finde ich es zudem geradezu dreist, ausgerechnet an Kirchen, Moscheen, Synagogen oder ähnlich religiös ausgerichteten Versammlungsorten Platz sparen zu wollen. Leerstehende Wohnungen gibt es zudem je nach Region auch genug, und die Wohnungsnot in Ballungsräumen wie München wird garantiert nicht dadurch gelindert, dass man Kirchen abreißt.

Außerdem werden schon etliche Gotteshäuser mangels Gemeinde vornehmlich als Kulturzentrum, Museum oder sogar Wohnraum genutzt. Und gerade die historisch bedeutsamen Bauwerke wie z.B. der Kölner Dom wirken sich sogar förderlich auf die Wirtschaft aus, weil sie Besucher und Touristen unabhängig von ihrer Weltanschauung als reine Sehenswürdigkeit anziehen. Da stören auch die gelegentlich noch stattfindenden Gottesdienste nicht wirklich.

» Gerbera » Beiträge: 11335 » Talkpoints: 53,75 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



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