Friedliche Demonstrationen wirksamer?

vom 17.08.2015, 14:00 Uhr

Aktuell läuft in der Schweiz eine Aktion, um die Atomkraftwerke abzuschalten, seit heute morgen ist kein einziges Atomkraftwerk mehr in Betrieb und von Stromschwankungen bemerkt niemand etwas, die Politiker haben uns also alle angelogen. Greenpeace hat vor einiger Zeit schon eine Protestaktion gegen die Atomkraftwerke gestartet und diese ist bei den zuständigen Politikern durchwegs sehr positiv angekommen.

Viele Einwohner senden den Politikern Postkarten mit der Bitte, sofort für einen Abschaltungstermin der Atomkraftwerke und Abschaltung des gefährlichen Atomkraftwerk Beznau einzustehen, letzteres Atomkraftwerk war auch vor kurzer Zeit in Deutschland in den Nachrichten. Im Gegensatz zu anderen Demonstrationen und Protesten ist diese Methode sehr friedlich und läuft ohne Schäden und Krawalle ab. Sind gewaltsame Demonstrationen wirklich weniger wirksam als friedliche oder ist das wohl nur Zufall?

» Bascolo » Beiträge: 3586 » Talkpoints: 0,29 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich denke nicht, dass es Zufall ist. Ich erkläre mir diesen Effekt so: Wenn eine Demonstration gewaltsam abläuft, dann wird in der Regel darüber nicht positiv über die Sache, um die es geht, berichtet. Stattdessen wird in erster Linie über die Gewaltausbrüche berichtet. Nun konzentrieren sich die Kräfte der Menschen, die über die Vorgänge informiert werden, darauf, sich ein Urteil über Rechtfertigung oder Nichtrechtfertigung des Gewaltausbruchs zu bilden. Die Sache, um die es ging, bleibt dabei auf der Strecke.

Wird hingegen friedlich demonstriert, dann macht die Masse der Demonstranten zwar Eindruck, aber der Betrachter kann schnell dazu übergehen, sich mit der eigentlichen Sache zu beschäftigen. Wenn es noch dazu viele sind, die diesen friedlichen Weg gehen, dann macht das umso mehr Eindruck. Die Politiker und Funktionäre begreifen, dass sie es nicht mit einer Handvoll gewaltbereiter Deppen zu tun haben, sondern mit einem großen Anteil ihrer Wähler. Daher denke ich, dass friedliche Proteste deutlich wirksamer sind, als solche mit Krawall.

» tok_tumi » Beiträge: 837 » Talkpoints: 1,20 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Zum einen sind Postkarten ja keine Demonstration. Zu einer Demonstration kommt immer nur eine begrenzte Anzahl an Leuten. Findet sie in Berlin statt, könnte man argumentieren, dass nur die Berliner diese Meinung vertreten, weil aus anderen Landesteilen nur sehr wenige Menschen da waren.

Postkarten oder auch Unterschriften bei einer Petition kommen oft in viel höherer Anzahl und aus dem ganzen Land. Da wird es dann schwerer, die verkündete Meinung nicht als Meinung des Volkes zu interpretieren.

Aber grundsätzlich denke ich schon, dass friedliche Methoden wirksamer sind. Demonstranten, die mit Gewalt vorgehen, ruinieren damit ihre Seriosität. Viele Demonstranten nehmen dann ja tatsächlich nur teil, weil sie mal ordentlich draufhauen können. Das wurde Medien gegenüber schon oft genug zugegeben. Die Einstellung dieser weniger wird dann auf alle übertragen und man kann sich nur noch abgrenzen, indem man absolut gewaltfrei bleibt.

Außerdem spricht es eben nicht gerade für einen guten Charakter, wenn man eine solche Gewaltbereitschaft zeigt. Diese ist in unserer Kultur durchweg negativ angesehen und ist durch nichts gerechtfertigt. Somit haben sie schon einen großen Fehler offenbart und weitere Fehler liegen nahe. Lapidar gesagt: es macht sie unsympathisch.

Und sie gehören damit einfach nicht mehr in die Mitte der Gesellschaft. Die meisten Deutschen sind nicht gewaltbereit. Somit werden sie nicht als Vertreter der Meinung des Volkes akzeptiert. Weder von der Gesellschaft, noch von den Politikern.

Von Seiten der Politik auch, weil sie sich nicht gerne erpressen lässt. Geht sie auf Forderungen von gewalttätigen Demonstranten ein, werden die nächsten Demonstrationen noch schlimmer.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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