Flüchtlingen unbezahlte Arbeit am Haus anbieten erlaubt?

vom 17.09.2015, 18:29 Uhr

Wie ich schon einmal erwähnt habe, gibt es am Wohnort meiner Eltern ja eine große Flüchtlingsunterkunft. Innerhalb der Bevölkerung stellt das glücklicherweise weitestgehend kein Problem dar, aber verständlicherweise sind viele der Flüchtlinge ohne Beschäftigung.

Meine Eltern haben sich nun überlegt, ob sie einigen dieser Flüchtlinge nicht anbieten, einfache Arbeiten im Garten und am Haus anzubieten. Meine Eltern sind beide in einem Alter, in dem sie nicht mehr alles selbst machen können und sind daher in gewissen Maßen schon auf Hilfe bei einfacheren Arbeiten angewiesen.

Nun haben sie sich überlegt, ob anfallende Arbeiten im Garten oder kleinere Reparaturen am Haus nicht von den Flüchtlingen erledigt werden könnten, so diese daran Interesse haben und dazu bereit sind. Erst wollten meine Eltern die Arbeit selbstverständlich vergüten, haben dann aber auf Umwegen erfahren, dass es möglicherweise nicht erlaubt sein könnte.

Ich meinte nun, dass sie eben den Flüchtlingen, die ankommen aber noch keine Unterkunft, eine freistehende Wohnung im Erdgeschoss anbieten können. Wenn Männer dabei sind, können diese ja durchaus ein paar Arbeiten gegen Beherbergung und Mahlzeiten verrichten, bis sie eine dauerhafte Bleibe gefunden haben.

Das Interesse, beziehungsweise die Bereitschaft, wird dazu selbstverständlich immer vorausgesetzt. Aber denkt ihr, es könnte zu Problemen mit den Behörden kommen, wenn man ihnen Arbeit anbietet und sie dafür mit drei oder vier Mahlzeiten versorgt und sie in einer freistehenden Wohnung unterkommen lässt?

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich denke nicht, dass man Flüchtlingen einfach so eine Wohnung anbieten Darf. Man muss sich da wahrscheinlich bei seiner Stadtverwaltung melden und dann bekommt man jemanden zugeteilt. Aber einfach so den Asylbewerbern eine Wohnung offerieren ist sicherlich nicht erlaubt. Man erhält dann meines Wissens nach aber etwas für die Unterbringung und das soll gar nicht wenig sein.

Und ob das dann erlaubt ist, denen Arbeit im Haus anzubieten, ist auch eine Frage. Es ist ja keine Arbeit, wenn sie nicht bezahlt werden, aber irgendwie hat das dann schon was von Haussklave, wenn da jemand im Haushalt hilft und nichts dafür bekommt.

Zudem weiß man ja nicht, wen genau man da vor sich hat. Wissen die, das sie tun, wenn sie etwas reparieren? Eine Garantie hat man nicht. Was ist, wenn die im Garten aufgrund des nicht vorhandenen Sprachverständnisses die falschen Blümchen herausreißen?

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Das ist ja mal wirklich typisch Deutsch! Kaum sind die ersten Flüchtlinge da, da überlegt man sich schon wie man diese für seine Zwecke ausnutzen könnte. Da hat ja die Marine Le Pen der französischen Front National vielleicht doch nicht ganz so unrecht, indem sie meint die Deutschen wollen sich nur billige Sklaven ins Land holen. :think: Das Gegenangebot der drei oder vier Mahlzeiten am Tag finde ich ja schon eine Frechheit!

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» sachsendreier » Beiträge: 154 » Talkpoints: 43,17 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Wenn die Leute als Flüchtlinge anerkannt sind dürfen sie auch Arbeit annehmen. Der Lohn wird wie bei anderen Empfängern von staatlichen Leistungen auch mit diesen staatlichen Leistungen verrechnet.

Es gibt auch Projekte, in denen Flüchtlinge praktisch ehrenamtlich arbeiten und keinen Lohn erhalten, allerdings sind das alles Projekte, die der Gemeinschaft zu Gute kommen, da wird zum Beispiel ein Spielplatz gebaut oder ein Wald aufgeräumt. Und wenn man eine Wohnung an Flüchtlinge vermieten möchte sollte man sich wohl an die Stadt wenden.

Wahrscheinlich ist das nicht so gemeint, aber es kommt schon irgendwie so rüber als wolltet ihr euch da für möglichst wenig finanziellen Aufwand Arbeitskräfte ins Haus holen.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Das System Wohnen gegen Hilfe ist eigentlich nichts neues. In Berlin gibt es da schon lange die Möglichkeit, dass man als Student bei Senioren ins Haus zieht und einen Teil der Miete so abstottert. Prinzipiell ist gegen das System auch nicht viel einzuwenden, so es auf Freiwilligkeit beruht. Und warum sollte eine Regelung, die für Studenten gut befunden wird, für Flüchtlinge verwerflich sein? Wegen der Nationalität, oder gibt es andere sachliche Gründe? Hier von Sklavenhaltung zu sprechen, ist schon eine heftige Unterstellung, wenn man die Leute nicht persönlich kennt und nicht weiß, wie das Zusammenleben gestaltet werden soll. Sklavenhaltung definiert sich dann doch noch anders.

Auf jeden Fall würde ich mich aber wirklich auf der Gemeindeverwaltung oder Stadtverwaltung informieren, welche Vorschriften einzuhalten sind, damit man die Flüchtlinge wegen versehentlicher Schwarzarbeit oder so in Bedrängnis bringt. Man will ja helfen und nicht schaden, wenn ich das recht verstanden habe, oder?

Und auch einen Flüchtling mit Arbeitserlaubnis kann man ganz normal als Anbieter einer gemeldeten haushaltsnahen Dienstleistung arbeiten lassen, oder? Was ist schließlich der Unterschied, ob die Haushaltshilfe, die dort arbeitet diesen oder jenen Pass hat? Und warum ist das OK, wenn sich Leute eine Haushaltshilfe zu Beispiel mit polnischem Pass annstellen, aber nicht mit syrischem oder afrikanischen? So lange man zum Beispiel für die üblichen Ausgaben aufkommt, die man jeder anderen Haushaltshilfe in einem sauber geregelten Anstellungsverhältnis auch zahlen würde? So lange alles ordentlich geregelt ist und nicht illegal ist, kann man doch eigentlich nicht ernsthaft was dagegen haben, oder? Und warum doch?

Und sind haushaltsnahe Dienstleistungen Sklavenarbeit? Ich kenne auch einige Deutsche, die sich in dem Gebiet selbstständig gemacht haben. Gebäudereinigung, Gärtnern und so weiter. Das sind doch alles anständige und ehrenwerte Tätigkeiten. Die würden mir schön den Kopf waschen, wenn ich denen sagen würde, sie verrichten Sklavenarbeiten! Wir reden doch hier nicht von Wohnen gegen sexuelle Dienstleistungen oder dergleichen zweifelhafte Geschäftsideen!

Irgendwie habe ich bei der Flüchtlingsdiskussion immer den Eindruck, dass es da schnell zwei Lager unter den Kritikern gibt. Die einen beschweren sich, dass die Flüchtlinge ohne Gegenleistung Sozialleistungen beziehen und die anderen beschweren sich, dass die Flüchtlinge anderen Arbeit weg nehmen, oder dass es nicht gut ist, wenn Flüchtlinge arbeiten ohne Gründe zu nennen. Irgenwie kann man es da gerade keinem so richtig recht machen, oder?

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich würde mich zunächst mal an die Stadtverwaltung wenden, wegen der Wohnung. Danach würde ich sicherlich erst mal schauen wer da kommt und die Leute dann eben auch fragen, ob sie Lust haben zu helfen. Wenn es nur kleinere Arbeiten sind, kann man das sicherlich auch so machen ohne da etwas bürokratisch machen zu müssen, weil die ja auch gar nicht so schnell eine Arbeitserlaubnis bekommen, glaube ich.

Wobei ich durchaus auch finde, dass man das auch einem sozialen Gefühl heraus machen sollte mit der Hilfe und nicht nur weil etwas am Haus gemacht werden muss, aber das wird ja auch nicht der Fall sein. Arbeiten kann man durchaus gegen eine Unterkunft oder ein Essen machen, das finde ich auch vertretbar und würde es in keinem Fall mit einem Sklaven gleichsetzen. Du solltest dich da wohl auch mal informieren, was ein Sklave ist.

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» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Man bekommt ja aber für die Wohnung, die man da zur Verfügung stellt, Geld von der Stadt. Es ist so, als würde man die vermieten, nur dass hier der Mieter selbst nicht zahlt, sondern die Stadt. Man verschenkt also die Wohnung nicht.

Und man würde ja auch einem echten Mieter gegenüber nicht fragen, ob der im Haushalt hilft. Ich finde, das macht man einfach nicht. Es degradiert ja die Leute auch irgendwie. Vielleicht sind das Menschen, die durchaus eine höhere Bildung haben und dann fühlen sie sich genötigt, im Garten das Unkraut zu rupfen oder das Bas zu putzen.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Es würde einigen Personen in diesem Thread sehr gut gut tun, sich den Eröffnungsbeitrag richtig durchzulesen und das Gelesene zu reflektieren, bevor hier mit Begriffen wie Arbeitssklaven und billigen Arbeitskräften um sich geschmissen wird.

Wie ich bereits schrieb, handelt es sich bei den Personen, die darüber nachdenken, um meine Eltern und nicht mich selbst. Des weiteren wurde mehrfach erwähnt, dass den entsprechend interessierten Flüchtlingen auch eine monetäre Bezahlung angeboten werden würde, wenn es so einfach wäre.

Zudem wurde dargestellt, dass das Angebot sich vor allem an jene Flüchtlinge richten soll, die noch nicht in entsprechenden Wohnheimen und dergleichen untergebracht wurde. Es ist nämlich durchaus der Fall, dass hier Wohnungsknappheit herrscht.

Mal davon abgesehen, dass sich praktisch meine ganze Familie versucht ehrenamtlich einzubringen, geht es hier im Speziellen darum, den Flüchtlingen ein Dach über den Kopf zu bieten, warme Mahlzeiten – und zudem noch Arbeit anzubieten.

Tatsächlich dauert es nämlich selbst bei entsprechendem Status eine halbe Ewigkeit, bis die benötigten Papiere ausgestellt werden. Dies ist schlicht und ergreifend in der Überforderung der dafür zuständigen Behörden begründet. Daher auch das Problem, ihnen bezahlte Arbeit anzubieten, was ansonsten keine Frage wäre. Aber das habe ich ebenfalls schon mehrfach erwähnt.

Meine Eltern wären problemlos dazu in der Lage, sich für die entsprechenden Handwerker Personal kommen zu lassen. Darum geht es aber nicht, denn sie wollen Menschen, die es brauchen, eine Unterkunft, Essen und Arbeit bieten.

Hierbei Sklavenhaltung und dergleichen zu unterstellen ist nicht nur unwahrscheinlich unverschämt, sondern kommt wahrscheinlich gerade von den Leuten, die ihren Hintern selbst nicht vom Sofa hochbekommen und deren einziger Beitrag zur Thematik jener ist, tatsächlich aktiven Helfern Vorwürfe zu machen.

Dass sie einige Flüchtlinge bei sich unterbringen wollen wäre eine temporäre Maßnahme als Reaktion auf die herrschende Wohnungsknappheit. Dafür wird keine Miete verlangt, man kann sie also auch nicht mit regulären Mietern gleichsetzen. Zudem wird niemand dazu gezwungen, zu arbeiten.

Mal davon abgesehen, dass ein syrischer Professor aus nachvollziehbaren Gründen keine Lust auf einfache Gartenarbeit haben könnte, verfügen nicht alle Flüchtlinge über einen höheren Bildungsabschluss. Und selbst dann sind viele froh, wenn sie sich auf irgendeine Art und Weise nützlich machen können. Denn die Zahl derer, die für die erhaltenen Leistungen von Seiten des Staates und der Privatleute etwas tun wollen, ist glücklicherweise sehr groß.

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Dass sie einige Flüchtlinge bei sich unterbringen wollen wäre eine temporäre Maßnahme als Reaktion auf die herrschende Wohnungsknappheit. Dafür wird keine Miete verlangt, man kann sie also auch nicht mit regulären Mietern gleichsetzen. Zudem wird niemand dazu gezwungen, zu arbeiten.

Du stellst es aber als eine Art gute Tat dar, wenn man jemandem die Möglichkeit bietet, Arbeiten in Haushalt zu verrichten, als müssten die Menschen froh sein, wenn man ihnen so etwas anbietet. Das ist denke ich nicht zutreffend.

Und man darf weder Asylbewerber zum Wohnen im Haus einladen noch darf man sich welche aus der Asylunterkunft ausborgen und bei sich spontan einziehen lassen. Man muss eine Wohnung, die man da vergeben will, der Stadt melden, dann bekommt man wen zugewiesen und dafür erhält man auch automatisch Geld. Anders geht es gar nicht. Und daher ist es eben doch so als hätte man Miete.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Die Sache ist doch die, dass vor allem versicherungstechnisch alles abgesegnet ist. Wenn man irgendwelche Leute bei sich wohnen und erst recht arbeiten lässt, ist das nichts abgesegnet. Egal, ob das Flüchtlinge sind oder Freunde.

Arbeiten ohne Arbeitsgenehmigung ist Schwarzarbeit. Darunter fällt sicherlich nicht, wenn man mal durchsaugt oder gemeinsam mit den Mietern im Garten arbeitet. Aber gerade Handwerksarbeiten jeder Art zählen da schnell drunter.

Ich würde hier jetzt auch nicht von Sklaven sprechen. Ich finde schon, dass man aus dem Eröffnungsthread den Wunsch zu helfen herauslesen kann. Etwas Nützliches zu tun, hilft definitiv, wenn man ansonsten wochen- und monatelang nichts tut als auf einen Fortschritt im Registrierungs- und Unterbringungsverfahren zu warten und nebenher ein bisschen Fußball zu spielen.

Wenn man über die entsprechenden Behörden Flüchtlinge in einer Wohnung einquartiert bekommt, könnten die sich aber auch aus Dankbarkeit dazu verpflichtet fühlen, ihren Vermietern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das wäre für mich sehr unangenehm.

Ich habe letztens einen Bericht gesehen über ein älteres Ehepaar, das eine Familie mit drei Kindern aufgenommen hat. Die Frau hat sich wohl verpflichtet gefühlt, den ganzen Tag zu kochen und zu backen. Oder sie hat es gern getan, keine Ahnung. Immerhin hatten die so ein gutes Verhältnis, dass die Kinder das Ehepaar mit "Oma" und "Opa" angeredet haben.

Also meiner Meinung nach gibt es hier viel zu beachten. Vor allem muss man die offiziellen Wege gehen und sich an die Gesetze halten. Und dann muss man mit seinen Mietern einen Weg finden zusammenzuleben, so dass sich alle wohl fühlen. Das ist sicherlich möglich und das beinhaltet mit Sicherheit auch gegenseitige Hilfe. Aber ein Handwerkerersatz, weder aus Großzügigkeit noch mit Hintergedanken, werden sie nicht sein. Denn das ist nicht legal.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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