Elternteil meldet sich nicht mehr, wie verhalten?

vom 09.02.2017, 19:04 Uhr

Ein guter Freund erzählte mir letztens besorgt, dass er seit über zwei Monaten nichts mehr von seinem Vater gehört habe. Er geht wohl nicht mehr ans Telefon und ist nicht zu erreichen. Mein Kumpel hat allgemein kaum Kontakt zur Familie väterlicherseits und kann dadurch auch keine anderen Familienmitglieder wie die Tante kontaktieren. Mein Kumpel und sein Vater sehen sich so gut wie nie, weil sie in verschiedenen Städten wohnen, telefonieren aber im Normalfall etwa einmal die Woche. Daher ist dieses Verhalten schon sehr merkwürdig.

Wie würdet ihr euch in so einer Situation verhalten? Ich würde wohl meinen Eltern einen unangekündigten Besuch abstatten, mein Kumpel scheint aber aus irgendwelchen Gründen Hemmungen davor zu haben. Ist es in eurer Familie normal, auch mal Monate lang nichts von den engsten Verwandten zu hören?

» Cappuccino » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Also wenn ich normalerweise einmal die Woche mit meinen Eltern telefoniere und ich erreiche plötzlich über Tage niemanden mehr, obwohl ich es dann mehrfach am Tag versuche, dann würde ich mich bei der nächsten Gelegenheit in mein Auto schwingen und nach Hause fahren, denn ich würde mir dann schon wahnsinnige Sorgen machen.

Zwei Monate zu warten käme mir da überhaupt nicht in den Sinn da wäre ich wohl schon drei oder viermal zu Hause angerückt und ich hab auch einfache Strecke gut 2 Stunden dann vor mir. Ich würde mir eben einfach Gedanken machen, das etwas passiert ist und da hätte ich keine Ruhe mehr.

» StarChild » Beiträge: 1405 » Talkpoints: 36,05 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Wenn regelmäßiger Kontakt ohne offensichtlichen Grund abbricht, würde ich mir auch Sorgen machen. Es liegt ja wohl kein Streit vor, demnach würde ich annehmen, dass es körperliche Gründe gibt. Es wurde schon gesagt, dass es keine gemeinsamen Verwandte, die man anrufen könnte. Hat der Vater denn viel Kontakt zu Freunden? Geht er arbeiten?

Wenn der Vater jeden Tag zur Arbeit geht, wird er spätestens von seinem Arbeitgeber irgendwann aufgesucht oder als vermisst gemeldet. Spätestens dann hätte die Polizei doch bei dem Sohn angerufen. Wenn der Vater aber sehr zurückgezogen gelebt hat, kaum Leute gesehen hat, keinen Kontakt zu seinen Nachbarn hatte. Tja, da kommen einem die Fälle in den Sinn, dass Menschen wochenlang tot in der Wohnung lagen.

Also ich muss sagen, dass ich auch keine zwei Monate gewartet hätte. Dass er Hemmungen hat, kann ich nachvollziehen. Ich habe ein grottenschlechtes Verhältnis zu meinem Vater - allerdings telefonieren wir auch nicht ein Mal die Woche, sondern nur ein Mal im Jahr zu meinem Geburtstag.

Aber man kann ja auch noch andere Dinge versuchen. Den Arbeitgeber anrufen, falls es einen gibt. Oder einen Nachbar. Die Adresse hat man ja und vielleicht hat er mal einen Namen auf einem Briefkasten gelesen. Zur Not bittet man die Polizei doch mal vorbeizufahren - also zumindest wenn der Vater wirklich sehr zurückgezogen lebt und schon älter ist. Es kommt auf die Umstände an.

Aber auf jeden Fall sollte er langsam aktiv werden. Er wird es sehr bereuen, wenn tatsächlich etwas wäre. Und je mehr Zeit er verstreichen lässt, desto heftiger wird es.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich würde es auch sehr komisch finden und mir große Sorgen machen, wenn ich ansonsten regelmäßigen Kontakt zu meinen Eltern hätte und dieser dann plötzlich abreißen würde. Wenn ich es immer wieder versuchen würde und telefonisch einfach niemand zu erreichen ist, dann würde ich hinfahren und nach dem rechten sehen. Da wären mir irgendwelche Hemmungen recht egal, mich würde dann eher die Sorge treiben.

Normal hat man ja auch meist jemanden der in der Nähe wohnt und den man kontaktieren und bitten könnte, mal bei den Eltern vorbei zusehen. Wenn das aber nicht geht, würde ich eben selbst dorthin fahren. Ich verstehe auch nicht recht, wieso dein Bekannter da irgendwelche Hemmungen hat. Es ist doch wirklich bedenklich, wenn man seit mehreren Monaten nichts hört. Ich muss auch sagen, dass ich zwei Monate sehr lange finde und da schon viel früher etwas unternommen hätte. Ich würde mir viel zu große Sorgen machen, als so lange abzuwarten.

Benutzeravatar

» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Wenn man wirklich immer wieder regelmäßigen Kontakt hat ist das schon etwas, was mich sehr besorgen würde. Scheinbar ist dem ja auch kein Streit vorher gegangen oder sonst irgendetwas wurde mitgeteilt. In so einer Situation ist es normal sich zu sorgen und sich auch Gedanken zu machen, was passiert sein könnte.

Wobei ich auch verstehen kann, dass man nicht unbedingt vorbeifahren möchte. Es kann ja immerhin sein, dass man dann dort den toten Vater findet und nicht jeder erträgt so einen Anblick oder kann diesen irgendwann verarbeiten und wenn dann doch nichts ist kommt man sich vielleicht blöd vor, weil man den Vater scheinbar überwacht hat.

Ich würde wahrscheinlich meinen besten Freund fragen ob er mich begleitet und dann hinfahren. Dann hat man zumindest einen Halt, wenn doch etwas passiert ist und sonst scheint ja auch kein Kontakt zu den anderen Familienmitgliedern zu bestehen, weswegen man ja auch keine Wahl hat. Einfach ignorieren kann man es aber nicht.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 47746 » Talkpoints: 6,02 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Da ich mit meiner Tante, die nur wenig älter ist als ich, schon einmal so eine ähnliche Situation hatte, weiß ich aus Erfahrung, wie ich mich verhalten würde. Und ich hätte in der langen Zeit auch schon längst reagiert, ein wenig verwunderlich finde ich das Verhalten des Freundes schon. Auch wenn das Verhältnis zu dieser anscheinend dort vor Ort noch befindlichen Verwandten nicht besonders gut ist, kann und muss man doch trotzdem aktiv werden und jemanden kontaktieren.

Es scheint, als würde dein Freund ein typischer Verdränger sein, nur so ist sein Nicht-Handeln erklärbar. Irgendeinen Grund für das Abtauchen des Vaters wird es ja geben. Möglicherweise ist er einer der Menschen, der verschwunden ist, so selten sind solche Fälle auch nicht, eventuell liegt er im Krankenhaus, vielleicht ist er auch wirklich tot. Wir haben damals versucht, Verwandte in der Nähe zu kontaktieren, die sich dann nur leider nicht zuständig fühlten. Nachdem meine Mutter ihr einen Brief schickte und dieser als nicht zustellbar zurückkam, weil der Briefkasten zu voll war, rief ich die Polizei.

Die fanden das auch sehr komisch, waren wirklich nett und versprachen, sich sofort zu kümmern und nachzugucken. Dafür werden sie unter anderem bezahlt, da muss keiner Scheu haben, zu fragen. Kurze Rede, ich muss es leider so sagen: Meine Tante lag schon länger tot in der Wohnung. Ja, uns ist es passiert, dieser Fall, den man sonst nur aus den Medien kennt. Ich drücke die Daumen, dass es nur ein Krankenhausaufenthalt oder Ähnliches in eurem Fall ist.

» Verbena » Beiträge: 4996 » Talkpoints: 5,60 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ich würde wohl so handeln, wie du, also den Eltern- in diesem Fall also dem Vater- einen unangekündigten Besuch abstatten. Wenn dein Kollege Hemmungen hat, kann er ja dich als Unterstützung mitnehmen. Es ist doch besser, wenn Klarheit darüber herrscht, ob der Vater gesund ist oder noch lebt, wie diese ständige Ungewissheit.

Ich kann diese Tatsachen leider nicht auf meine Familie übertragen, da es bei uns normal ist, dass wir nur sporadischen Kontakt haben. In diesem Fall, wie er von dir geschildert wurde, ist es ja aber offensichtlich, dass hier ein regelmäßiger Kontakt, wenn auch nur per Telefon, gang und gäbe ist.

Ich denke mir, dass so eine Verletzung, Krankheit oder gar Tod oft wochen- ja sogar monatelang unbemerkt bleibt, weil der Betroffene so gut wie keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Vielleicht ist ja der Kontakt zu anderen Personen auch so distanziert wie zu deinem Kollegen, dann kann ja niemand heraus finden, was los ist.

Ich würde schon alleine deshalb nachsehen, damit ich mir keine Vorwürfe zu machen brauchte. Da denke ich schon wenn ich dann mal nach schaue, fällt mir doch kein Zacken aus der Krone.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Was ist das denn für eine Aussage von Ramones, dass man seinen toten Vater nicht finden möchte und darum nicht ins Auto steigt und nachsehen geht. Ist es also besser, wenn dort eine Leiche liegt diese über Wochen und Monate liegen zu lassen und dann einen stinkenden und halb verwesten Körper zu bestatten? Denn irgendwann wird das jemand riechen und auch entsprechende Maßnahmen einleiten. Dann wird dem Sohn auch gesagt, dass sein Vater dort bereits über Wochen vor sich hingemodert hat und das ist eine noch weniger tolle Vorstellung, als einen frischen Toten zu finden. Kann ich nicht nachvollziehen diese Denkweise.

Wenn der Kontakt einfach so abgebrochen ist ohne jeden Grund und das schon seit einigen Wochen der Fall ist, dann wäre ich längst einmal ins Auto gestiegen und wäre nachgesehen gegangen, ob es dem Vater noch gut geht oder dieser einfach keine Lust darauf hat. Denn auch der Vater ist ein erwachsener Mensch und wenn dieser keinen Bedarf an den wöchentlichen Telefonaten mit dem Sohn mehr hat, dann ist es seine Sache aber so hat man dann auch die Gewissheit anstatt einfach weiterhin abzuwarten.

Bei mir ist das ganz normal, denn hier gilt der Satz wer sich nicht meldet, dem geht es gut. Teilweise höre ich von meiner Familie über Monate und Jahre nichts, dann kommt mal wieder etwas und wieder ist Funkstille. Wöchentliches Telefonieren zu festen Zeiten und so etwas gibt es nicht und würde mir auch einfach nur auf die Nerven fallen, dass man mich jede Woche aufs neue Ausfragt was denn gewesen ist. Habe ich ein Anliegen, dann melde ich mich und so handhabt das meine Familie ebenfalls.

Benutzeravatar

» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^