Eher Vojta- oder Bobaththerapie
Ich brauche mal bitte Meinungen/ Erfahrungen zum Thema Vojta versus Bobath. Unserem Sohn wurde wegen motorischer Entwicklungsverzögerung Physiotherapie verordnet. Er ist 16 Monate alt und kann weder krabbeln noch stehen. Sowohl unser Kinderarzt als auch die behandelnde Heilpraktikerin empfahlen unabhängig voneinander explizit Vojta.
In meinem Familien- und Freundeskreis wird mir aber nun von allen Seiten dringend davon abgeraten, da die Kinder bei dieser Behandlung so schreien und Angst und Schmerzen haben und das einfach ganz unangenehm sei. Ich solle ein Rezept für Bobath-Therapie verlangen. Ich habe dann meinen Hausarzt befragt, was er denn denkt, habe versucht mich zu belesen und habe bisher folgendes herausgefunden:
Bobath und Vojta sind zwei vollkommen unterschiedliche Therapieformen mit unterschiedlichen Therapieansätzen. Beide Therapien sind renommiert und es gibt sie schon sehr lange Zeit (beides seit den 50er/60er Jahren des 20. Jahrhunderts). Beide Konzepte haben gute Erfolge und haben die Behandlung von neurologischen Erkrankungen revolutioniert. Vojta hilft aber vor allem unglaublich schnell bei sehr jungen Menschen. Je früher, um so schneller und besser. Die Therapie gilt aber als hart, die Kinder tolerieren das "eingespannte" Gefühl nicht und schreien viel.
Bobath ist eine sanftere Methode, greift aber oft erst, wenn die Kinder schon einigermaßen Verständnis haben und die Übungen umsetzen können. Bei sehr kleinen Kindern wird Bobath vor allem bei leichten Entwicklungsverzögerungen und/ oder Fehlhaltungen angewandt. Nun kann man bei unserem Kind nicht mehr von leichter Verzögerung sprechen.
Und jetzt bin ich natürlich total verunsichert. Ich will ja meinem Sohn nicht schaden, aber die meisten Profis sind sich offenbar einig, dass für ihn Vojta besser geeignet ist. Ich selbst hab keine Erfahrung, weder vom einen noch vom anderen. Wie sind Eure Erfahrungen mit den beiden Therapien? Was ratet Ihr mir?
Ein guter Bobath-Therapeut findet Mittel und Wege, mit dem Kind Übungen zu machen, auch wenn das Verständnis des Kindes noch nicht vorhanden ist. Ich würde da dranbleiben. Die Unterschiede, die ich bei Vojta und Bobath kenne, sind Folgende:
Vojta: Unsanft, gegebenenfalls traumatisch für's Kind, schnelle Ergebnisse aber höhere Rückfallquote als bei Bobath
Bobath: Sanft, langwierig, spielerisch, weniger Rückfälle als bei Vojta
Ich kenne einige Kinder, die nach Bobath behandelt wurden und heute ihre Probleme im Griff haben. Bei Vojta kann ich das nicht immer behaupten.
Mein Sohn hatte als Baby Bobath-Therapie. Das fing an als er 2 Monate alt war und aufgehört haben wir mit ca. 1 Jahr. Im Prinzip war das für ihn nur eine Spielstunde, da er nichts machen musste, was er nicht wollte, aber geholfen hat es wohl trotzdem, denn er war später motorisch völlig normal entwickelt und das ist auch bis heute so geblieben.
Mit Vojta hatte ich noch nie etwas zu tun, aber ich würde generell eher nichts machen, was für das Kind unangenehm sein kann oder ist. Mit 16 Monaten erlebt ein Kind das ja schon sehr bewusst und da geht wahrscheinlich schon das Geschrei los wenn man sich nur dem Therapieraum nähert.
Mein Sohn wurde nach Vojta therapiert bzw. er hatte eine therapeutische Behandlung, die aus Bobath und Vojta bestand. Als er das allererste Mal Physiotherapie bekam war er vier Monate alt. Hier sollte er damals Bobath bekommen, weil unsere damalige Ärztin der Meinung war, dass das die sanftere Variante wäre.
Als mein Sohn dann mit fast drei Jahren erneut Physiotherapie verschrieben bekam, übrigens auch auf Grund einer (motorischen) Entwicklungsverzögerung, hieß es, er soll nach Vojta und Bobath behandelt werden. Natürlich googlte ich und bekam den Schock meines Lebens. Vojta war überall verschrien und es hieß immer, dass Vojta sehr brutal wäre und die Kinder um ihr Leben schreien würden.
Wir hatten die erste Stunde und in der Tat schrie mein Kind wie verrückt. Er konnte damals noch nicht reden, also wussten wir nicht, warum er weinte. Die Physiotherapeutin meinte zu mir, dass es durchaus normal sei, dass die Kinder bei Vojta anfangs so schreien würden. Mir graute es, als es hieß, dass wir zu Hause weitermachen sollten.
Ungefähr drei Mal dauerte es, bis ich keinen Mucks mehr aus dem Behandlungszimmer hörte. Ich dachte anfangs erst, dass sie mit der Therapie nach Vojta aufgehört hatte, aber dem war nicht so. Mein Sohn konnte nach drei Wochen schon einige neue Worte sprechen und deutete mir an, dass das Drücken der Punkte nicht schmerzhaft sei.
In meinen Augen ist Vojta sehr hilfreich. Also meinem Sohn hat es wirklich sehr gut geholfen. Da ich nicht mit im Behandlungszimmer war, kann ich nicht sagen, wann genau mit Vojta aufgehört wurde, aber ein halbes Jahr hat sie es auf jeden Fall gemacht. Wir zu Hause ja auch. Und unser Sohn konnte mir später sagen, dass es nicht weh tut und nicht schlimm ist. Er hat uns sogar immer hingelegt und die Punkte auch bei uns gedrückt.
Wenn ihr die Möglichkeit habt, schaut, dass der Therapeut euch eine Mischung aus beiden Therapieformen anbietet. Wenn ihr merkt, dass Vojta so gar nicht euer Ding ist, dann könnt ihr immer noch besprechen, dass die Behandlung nur nach Bobath durchgeführt werden soll.
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