Bei Kriminellen den Migrationshintergrund betonen?
Ich lese sehr gerne und auch tagtäglich Nachrichten-Apps wobei ich verschiedene Apps zur Auswahl habe, damit es unterwegs nicht langweilig wird. Jedoch ist mir nicht nur dort, sondern auch in Nachrichten im TV aufgefallen, dass bei Kriminellen gerne mal der Migrationshintergrund betont wird. So wird dann gerne mal betont, dass bei einer Messerstecherei ein Deutscher mit arabischem bzw. türkischem Migrationshintergrund die Tat begangen hat, sodass dann gerne mal Vorurteile konstruiert werden oder aber es wird direkt behauptet, dass ein Türke irgendwas geklaut hat und man lässt das „Deutscher“ weg.
Ich finde es offen gesagt nicht so gut, wenn man ständig den Migrationshintergrund gerade bei Kriminellen betont. Helene Fischer hat ja auch einen Migrationshintergrund, aber bei der wird das nicht betont und eher unter den Tisch fallen lassen. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass wir in einer Gesellschaft leben wo der Migrationshintergrund nur dann eine Rolle spielt, wenn man etwas negatives gemacht hat. Wenn man etwas positives gemacht hat, heißt es gleich, man sei immer deutsch gewesen und ein Migrationshintergrund würde gar nicht erst existieren.
Das finde ich falsch, weil gerade die Betonung von Migrationshintergründen bei Kriminellen in meinen Augen die Bildung von Vorurteilen fördert und verbreitet. Ich finde es besser, wenn man in den Nachrichten nur noch sagen würde „Ein Mann/ eine Frau hat XY getan wegen dem Motiv Z“ ohne jede Rückschlüsse oder Verweise auf die Ethnie.
Wie seht ihr das? Findet ihr es in Ordnung, wenn man bei Kriminellen den Migrationshintergrund betont? Oder findet ihr gerade das besonders sinnvoll?
Ich finde, dass man sich dann auch nicht beschweren muss, warum der Rassismus zunimmt. Immerhin fördert man so etwas auf diese Art und Weise. Ich denke nicht, dass ein Migrationshintergrund überhaupt bei einer Straftat erwähnt werden muss, lese dies aber auch oft und ärgere mich dann darüber, weil es ein falsches Bild über die ganze Gruppe Menschen vermittelt.
Das ist aber ein bisschen so wie mit den Killerspielen, die dann einen bösen Menschen schaffen sollen. Man sucht und schafft sich ein Feindbild und dann scheint es für die Bevölkerung auch in Ordnung oder besser zu akzeptieren zu sein, was ich sehr schade finde, weil man das nicht so verallgemeinern kann.
Hier muss aber bedacht werden, dass Nachrichten auch nur eine Ware sind und hier wird eben versucht, die Ware möglichst "schmackhaft" zu machen. Und reißerische Nachrichten - aber auch Nachrichten welche Klischees der Mehrheit bedienen, verkaufen sich nun mal besser. Denn es steht außer Frage, dass es keinen Bezug zur Straftat haben kann (außer der Bezug wird konstruiert), welche Nationalität Täter oder Opfer haben.
Ganz anders, wenn die Straftat eben im direkten Zusammenhang mit der Herkunft der Täter/Opfer steht. Das ist z.B. dann der Fall, wenn in Dortmund vor einem Europapokalspiel die Anhänger der Gastmannschaft aus dem Land x angegriffen wurden. Hier würde es aus meiner Sicht nicht ausreichen, wenn von einer Massenschlägerei gesprochen wird, bei der es zig Verletze gab.
Olly173 hat geschrieben: Jedoch ist mir nicht nur dort, sondern auch in Nachrichten im TV aufgefallen, dass bei Kriminellen gerne mal der Migrationshintergrund betont wird.
So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein, ich habe dagegen den Eindruck dass sehr oft dieser Hintergrund unterschlagen wird. Als ehemaliger DDR-Bürger habe ich zwar gelernt auch zwischen den Zeilen gelesen, besonders wenn der Kommentarbereich abgeschaltet wurde, aber es stört mich schon wenn unvollkommen berichtet wurde.
So stand neulich zum Beispiel in der Presse dass irgend ein Fußballverein aus den untersten Ligen den Aufstieg mit einem sagenhaften Punkte- und Torverhältnis aufgestiegen ist weil niemand wegen der großen Unfairness und Bedrohungen gegen ihn spielen wollte. Mit keinem Wort wurde erwähnt dass es sich um einen Migrantenklub handelte der immer durch äußerste Brutalität auf und neben dem Spielfeld auffiel.
Oder die ständigen Verbrechen wo man einen Ehrenmord oder ähnliches vermuten kann. Bei uns in der lokalen Presse steht dann sinngemäß nur dass eine Frau getötet wurde und als die Polizei eintraf war der Mörder gerade dabei deren Kopf abzuschneiden. Schluss, aus- keine weiteren Informationen dazu.
Wer aufmerksam die Nachrichten liest wird ebenfalls bemerken dass bei den vielen Körperverletzungen und Diebstählen oft bei der Täterbeschreibung "südländisch" weggelassen wird, im Polizeibericht steht das dann schon wenn man sich die Mühe macht so etwas weiter zu verfolgen. Gerade hier finde ich es schon hilfreich dieses Detail zu nennen, das ist wichtig um eine Fahndung auch erfolgreich zu gestalten.
Es gibt eine Selbstzensur der Medien, festgeschrieben ist das im Pressekodex in der Richtlinie 12.1. Dadurch sollen Journalisten abgehalten werden Minderheiten zu diskriminieren und Vorurteile zu schüren. Sinngemäß heißt es dass die Zugehörigkeit von bestimmten Ethnien nur erwähnt werden darf wenn es für das Verständnis einen begründbaren Sachbezug gibt.
Und davon wird ausgiebig Gebrauch gemacht, nur wo es gar nicht mehr anders geht wird dann der Migrationshintergrund genannt. Oder die Meldungen schaffen es nur in weichgespülter Form in die lokalen Blätter die man dann liest und gleich wieder vergisst.
Aber so einen Namen wie Lügenpresse muss man sich auch erst einmal verdienen, das Weglassen solcher Details ist für mich ein wichtiger Punkt dabei.
hooker hat geschrieben:Aber so einen Namen wie Lügenpresse muss man sich auch erst einmal verdienen, das Weglassen solcher Details ist für mich ein wichtiger Punkt dabei.
Das kann so nicht einfach stehen gelassen werden! Es ist schlich "ein wenig empörend", hier unreflektiert den Begriff der "Lügenpresse" zu benutzen, welcher tatsächlich dumm-dreist impliziert, dass alle Medien hier gleichgeschaltet wären. Fehlt nur noch der Hinweis, dass hier dass das "bolschewistische Weltjudentum" immer und überall die Hand im Spiel hat, wenn in den Redaktionsräumen entschieden wird.
Zwar mag einem die Presse gelegentlich überall gleich dumm vorkommen (man denke an die Hetze gegen Weselsky oder die Berichterstattung über Putin) - aber eben auch da gibt es Ausnahmen in der Presselandschaft! Jetzt von Lügenpresse zu sprechen, ist mindestens gleich unklug. Wobei hier noch ein Vorsatz zu unterstellen ist, was die Sache schlimmer macht.
Solche "Details" zum Täter haben letztlich nichts mit der Tat zu tun - insbesondere der süffisante Hinweis, dass es sich um einen Deutschen mit Migrationshintergrund handeln würde, dient in keinem Fall der Information - wohl aber dem Verfestigen der "Blut und Boden" Ideologie, wonach "so ein Deutscher" niemals ein "echter Deutscher" sein kann.
Das war mir schon beim tippen der letzten Buchstaben klar dass du darauf anspringst. Ich bleibe dabei, ich halte es für einen Fahndungserfolg wichtig wenn auf so ein Merkmal wie "farbig" oder "südländisch" nicht verzichtet wird. Ein Weglassen ist nicht hilfreich.
Ich weiß nicht genau, ich glaube in Deutschland leben 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind so viele dass man eigentlich nicht mehr von einer Minderheit reden kann die geschützt werden muss (Pressekodex).
@hooker: Sorry wenn ich hier zu leicht auszurechnen bin. Und auch wenn du sicher manchmal Recht hast, ist es in dem Fall so, dass sogar der von dir beschriebene/erwähnte Pressekodex nicht allein für den Schutz von Minderheiten steht, sondern auch klar jeder Form von Diskriminierung einen Riegel vorschieben soll.
So ist eben in diesem Pressekodex auch geregelt (sogar explizit erwähnt), das bei Straftaten etwa der ethnische Hintergrund, die religiöse Zugehörigkeit usw. nur dann Erwähnung finden soll, wenn es einen Sachbezug zum Vorgang hat. Und wenn du es dir genau überlegst, würde es keine Rolle spielen (keinen Sachbezug haben!), ob z.B. ich von einem "echten Deutschen" oder von einem "Ausländer" verprügelt worden wäre, weil ihn vor einem gewöhnlichen Club versehentlich angerempelt habe.
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